Die Berichte über die Ekstasen der heiligen Gemma Galgani von Lucca - IN ARBEIT

Vorwort von Padre Germano

 

Bei Gemma Galgani setzten schon sehr früh Ekstasen ein; im Laufe der Zeit wurden dieselben immer häufiger und vollkommener. Als ich ihre Leitung übernahm, fand ich, dass ihre Ekstasen fast andauernd waren, da sie sich jeden Tag, ja täglich mehrmals wiederholten. Infolge der Wärme ihrer beständigen Betrachtungen und Beschauungen waren der Geist und das Herz der heiligmäßigen Jungfrau immer dazu disponiert, sich loszumachen von den Sinnen und sich zu Gott zu aufzuschwingen. Ein Gedanke, wirksamer als die gewöhnlichen, der sie erleuchtete, eine heftigere Gemütsbewegung, die sie ergriff, hatten bereits zur Folge, dass ihre reine Seele gleichsam heraustrat aus dem Körper und zum Himmel emporflog. Die geheimnisvolle Erscheinung offenbarte sich mit bezaubernder Unmittelbarkeit. Kein Anzeichen von Ermüdung oder Angst, keine Bewegung der Person oder der Organe des Körpers gingen ihr voraus. Ganz unversehens wurde sie von der Ekstase ergriffen; wie Gemma vorher war, so blieb sie während der ganzen Zeit der Dauer derselben mit dem einzigen Unterschied, dass der Gebrauch der Sinne bei ihr ausgeschaltet blieb, insbesondere war dies beim Gefühlsvermögen der Fall; man konnte sie daher kneifen, stechen, brennen sogar in der Augengegend, sie hätte es nicht gemerkt. Ohne eine solche Probe und abgesehen von dem verklärten Ausdruck des Antlitzes, das wirklich dem eines Engels glich, hätte man nicht gewusst, dass Gemma nicht mehr auf dieser Welt weilte. In ihrer Lebensbeschreibung habe ich drei Arten von Ekstasen bei Gemma unterschieden: die kleinen, die sehr häufig waren; die außergewöhnlichen, die sich dann und wann bei außerordentlicher Gelegenheit einstellten, und die großen, die ich auch feierliche nennen könnte, wegen der eigenartigen Umstände, die sie begleiteten; diese pflegten sich allwöchentlich vom Donnerstag auf den Freitag einzustellen. Einer dieser Umstände war nun, dass Gemma, in jenen Zustand versetzt, nicht selten mit der himmlischen Person sprach, die ihr erschienen war, manchmal in kürzeren oder längeren Unterbrechungen, manchmal in fortgesetztem Gespräch. Was sie dabei sprach, war bald ein Lobeshymnus auf die Majestät Gottes und seine göttlichen Attribute; bald ein Ausdruck überströmender Liebe, ein Gebet, ein Wunsch, eine Beteuerung, ein Akt der Reue, der Demut oder einer anderen Tugend. Die meisten Male hatte das Gespräch die Form eines Dialogs mit der himmlischen Erscheinung. Da ich nun gleich zu Anfang erkannt hatte, welch erhabene Dinge und welch wertvolle Zeugnisse himmlischer Weisheit in jenen Gesprächen enthalten waren, dachte ich, es wäre schade, sie verloren gehen zu lassen. Ich gab daher den Hausgenossen d.h. Mitgliedern der Familie Giannini den Rat, wenn immer möglich dafür zu sorgen, dass Gemmas Worte schriftlich aufgezeichnet würden. Zwei Angehörige jener ausgezeichneten Familie übernahmen diese Aufgabe und im Verlauf von drei Jahren beständigen Zusammenseins gelang es ihnen, hundertfünfzig jener himmlischen Unterredungen Gemmas zusammenzustellen. Einige davon sind umfangreich, andere kurz, manche sogar sehr klein; denn die Ekstatische von Lucca sprach nicht immer, oft brach sie nur in Rufe aus, oft auch redete sie so leise, dass es schwierig war, alle Teile ihrer Rede festzuhalten. Um diese Veröffentlichung nützlich zu gestalten, bringe ich bloß die ersten, einen Teil von den zweiten, die dritten lasse ich weg. Frommer Leser, höre aufmerksam auf diese Gespräche; stelle dir vor, du befindest dich im bescheidenen Kämmerlein Gemmas im Hause Giannini und hörest sie aus ihrem Munde selber; so mache ich es wenigstens, der ich oft Zeuge ihrer Ekstasen war und sie jetzt niedergeschrieben vor mir sehe und durchlese. Vergleiche sie, wie ich es tue, mit dem Erhabensten und Schönsten, was uns die Heiligen in ihren Schriften hinterlassen haben: ein heiliger Augustinus in seinen Soliloquia; ein heiliger Bernhard, ein heiliger Anselm in ihren Meditationes; ein heiliger Johannes vom Kreuz, eine heilige Theresia in ihren mystischen Abhandlungen; eine heilige Magdalena von Pazzi in ihren Ekstasen, und du wirst alles und jedes ausgedrückt finden mit großer Genauigkeit der Gedanken und ganz im Einklang mit der dogmatischen und mystischen Theologie; da wird es nie fehlen. Das ist höchst wunderbar; geradezu unbeschreiblich sind aber die unbefangene Natürlichkeit und die kindliche Einfalt, die aus jeder Redewendung der Ekstatischen von Lucca hervorleuchtet. Sie gleicht wirklich einem Kinde, das auf dem Schoße seines Vaters sitzt und mit ihm plaudert, oder das sich mit seiner Mutter unterhält, deren Hals es umschlingt. Auch von den Ekstasen Gemmas muss ich anführen, was ich im Vorwort zu ihren Briefen gesagt habe: es gebe nicht eine derselben, wo Gemma nicht das Gefühl ihrer Niedrigkeit und den Schmerz über ihre Sünden deutlich zum Ausdruck brächte. Das ist auch ein klarer Beweis dafür, dass die fromme Jungfrau von diesen Gefühlen wirklich durchdrungen war; kommt sie doch stets mit immer neuen Wendungen darauf zurück, sogar in jenen kostbaren Augenblicken, wo sie, ihren Sinnen entrückt und von der Welt losgetrennt, mit der Seele im Himmel, am Herzen Gottes weilt und sich an der Majestät beglückt. Wer wird mir widersprechen, wenn ich behaupte, das sei der zwingendste Beweis für die Echtheit der Ekstasen Gemmas? Um aber dem Leser jeden Zweifel zu benehmen in Bezug auf die getreue Niederschrift von Gemmas Ekstasen, sage ich, dass ich nicht selten der Augen- und Ohrenzeuge der Ekstasen Gemmas gewesen bin, somit genaue Kontrolle führen konnte. Überdies ordnete ich an, dass Gemma, nachdem sie aus gewissen ganz außergewöhnlichen Ekstasen herausgetreten, alles, was sie dabei gesehen und gehört, ebenso was sie selber dabei gesagt hatte, schriftlich aufzeichne. Das folgsame Kind, das sich, wenn es zu seinen Sinnen zurückkehrte, stets an alles erinnerte, tat es genau. Ich verglich darauf Gemmas Niederschrift mit den Aufzeichnungen meiner beiden Stenographinnen und fand auch, dass der Wortlaut vollkommen übereinstimmte. Zum Schluss erkläre ich noch, dass dieses Buch nicht für jene geschrieben ist, von denen der Heilige Geist sagt, dass sie, weil ihr Verstand durch den Stolz verdunkelt, ihr Herz aber verdorben ist, „quaecunque ignorant, blasphemant (Judae 10) - Alles, was sie nicht kennen, lästern." Dieses Buch ist vielmehr für jene guten Seelen, die in der Einfalt des Herzens Gott suchen, sich in ihm zu heiligen trachten, indem sie die Beispiele der Heiligen nachahmen, denen Gott die Schätze seiner wahren Weisheit mitgeteilt hat, Schätze, welche den Stolzen der Welt für immer verschlossen bleiben. Dass aber dieses Buch den Seelen von gutem Willen großen Nutzen bringen kann, vermag jeder zu erkennen, der die Biographie Gemmas gelesen hat. Die Zahl der Leser geht in die Tausende hinein; aus Italien wie vom Ausland her werden Stimmen laut, die bekennen, dass durch solche Lektüre der Glaube, die Liebe zu den himmlischen Dingen, das Verlangen nach einem vollkommeneren Leben angeregt werden. So heißt es in einem Briefe: „Ich bin vollständig überzeugt davon, dass die Erinnerung an die Jungfrau von Lucca vom Himmel dazu bestimmt ist, einen heiligen Wetteifer bei den Seelen, insbesondere bei der Jugend anzuregen, und sie für ein wahrhaft christliches Leben zu begeistern." Ähnlich lautende Zeugnisse liefen zu Hunderten ein.

Man darf sich darüber nicht wundern. Gott hat diesem bescheidenen Mägdlein die Aufgabe erteilt, sein Reich in den Seelen zu verbreiten, wie ich in der Lebensbeschreibung ausführlich dargelegt habe. Gemma hat an dieser ihr gewordenen Mission bis zum letzten Atemzuge gearbeitet. Es scheint sogar Fügung Gottes zu sein, dass diese auserwählte Dienerin des Herrn ihr Apostolat auch jetzt noch vom Himmel aus fortzusetzen habe. Dieser Gedanke ermutigte mich, den Inhalt dieses Bandes zu sammeln, zu ordnen und zu veröffentlichen. In dieser Hoffnung biete ich dir, frommer Leser, dieses Buch dar und ersuche dich, es aufmerksam und, um mich des Ausdruckes eines hervorragenden deutschen Jesuitenpaters zu bedienen, „mit jener Sammlung des Geistes zu lesen, womit man sich während geistlicher Übungen daran macht, ein Buch heiliger Betrachtungen zu lesen". Wenn dann auch du nach Lesung der Briefe und Ekstasen der Gemma Galgani fühlst, wie dein Herz gerührt und zerknirscht wird, so werde ich im Verein mit dir Gott preisen, der wunderbar ist in seinen Heiligen.

 

1. Sie schaut die Hässlichkeit einer Seele in der Sünde. Sie opfert ihr Leben für die Sünder. Sie erbittet und erlangt die Bekehrung eines Sünders. Dankeshymnus an Jesus. 

 

Jesus, wenn ich mich vor deiner erhabenen Gegenwart befinde, verschwindet die mich bedrückende Angst sofort. ... O Jesus, Jesus noch etwas von deiner liebenswürdigen Gegenwart.

Welcher Schrecken, welches Entsetzen an jenem Abend! Wenn es doch nie so weit kommt, dass ich deine Gnade verliere! Wie schön ist eine Seele in deiner Gnade! Wie hässlich hingegen ohne deine Gnade! Lass alle dies sehen, Jesus; dann würde niemand mehr Sünden begehen.

Ja, Jesus, hier vor dir erneuere ich wiederum meine Versprechen: Sollte ich in Sünde fallen, so lass mich eher sterben.

Warum lässt du mich noch am Leben? . . . Ja, ich wünsche jenen Augenblick herbei, um mich immer inniger mit dir zu vereinigen! Jesus, du lässt mich leiden; ich muss dir doch etwas sagen: du legst mir die Dinge in den Sinn und dann machst du es mir so.

Aber was willst du, Jesus? Glaubst du denn, ich warte darauf, dass du das Leben von mir verlangest? Es ist dein; ich habe es dir bereits dargeboten. Wie willst du, Jesus? Soll ich es dir nochmals aufopfern als Schlachtopfer für meine Sünden und für jene der Sünder? Mache rasch, mein Leben ist in deinen Händen ... es ist dein ... es gehört dir . . . Hätte ich hundert Leben, dann gäbe ich dir alle ... ich habe aber nur eines! Ich bin zu allem und jedem bereit. Glaubst du, es sei für mich ein Opfer, dass du das Leben von mir verlangst? Es ist eine Gnade für mich . . .

Jesus, verwende deine ganze Macht für ein Werk, das vollständig zu deiner Ehre ausfallen wird. Nimm hin die Sehnsucht, die ich im Herzen verspüre und richte deine Liebe danach. Wenn du nicht allmächtig wärest, würde ich diese Bitte nicht an dich richten . . .

Wie soll ich es anstellen, um das, was ich im Herzen fühle, in Ausführung zu bringen? . . . Was machst du, wenn du siehst, wie meine Seele so voll Sehnsucht ist? Solltest du gar die Wünsche verachten, die du selber in ein Herz hineingelegt hast? Daran denke ich nicht einmal.

Ja, Jesus, meinen armen Sünder, den empfehle ich dir recht sehr ... Er ist mein, Jesus. Nun stelle dir vor, ob ich ihn nicht gerettet wissen möchte.

Ich weiß es, Jesus, ich weiß es, dass er dir Tränen verursacht; aber weißt du, Jesus, in diesem Augenblicke darfst du nicht an seine Sünden denken, du sollst an das Blut denken, das du vergossen hast. Wie viel Erbarmung hast du mir angedeihen lassen! Alle jene Zärtlichkeiten der Liebe, welche du mir zugewendet hast, lasse sie auch meinem Sünder zukommen.

O ja, denke, Jesus, wir sind zu drei, die es wissen; erinnere dich, dass ich ihn mit mir gerettet wissen will. Es ist dein Sohn, mein Bruder, rette ihn, Jesus! Warum bist du mir heute nicht mehr zu Willen?

Er hat es dir schlimm gemacht, aber noch ärger habe ich es getrieben. Rette ihn, rette ihn! Für eine einzige Seele hast du so viel getan und jene dort willst du nicht retten?

Sei gütig, Jesus, rede mir nicht so.

Warum folgst du mir nicht? An wen soll ich mich wenden? Das Blut hast du für ihn wie für mich vergossen . . . Ich werde nicht aufstehen von hier, rette ihn. Sag mir, versprich mir es, dass du ihn rettest. Ich bringe mich für alle, insbesondere aber für ihn zum Opfer dar; ich verspreche, dir nichts zu verweigern . . . Gibst du mir sie? Es ist eine Seele! Bedenke, Jesus, es ist eine Seele, welche dich so teuer zu stehen kam! Sie wird brav werden, sie wird es nicht mehr tun, du wirst sehen ...

Ist er gerettet, Jesus, ist er gerettet? Habe ich für ihn also etwas erlangt? Hast du ihm auch ganz verziehen? Du bist gerecht, Jesus, aber du bist auch barmherzig. Hast du mir ihn gerettet? Dann ist er nicht mehr mein Bruder, da er brav geworden, während ich immer schlimm bin. Du hast gesiegt, Jesus, du hast gesiegt . . . ! Triumphiere immer . . . triumphiere, triumphiere, ich bitte dich in Liebe.

Ich merke es, Jesus, schlimmeres als mich konntest du nicht finden. Zu deiner Ehre hast du mir ihn gerettet; ich bin sehr erfreut . . . Wenn du mir einen täglich geben wolltest! . . . O Jesus, verlasse die Sünder nicht. Die Elendsten sind am besten ausgenommen . . . ! Ich bitte für sie und für mich.

Jesus, bist du mit mir zufrieden? Wenn ich dich zufriedengestellt habe, habe ich alle befriedigt. Wenn du wüsstest, wie ich mit Sünden beladen bin!

Ich soll dir genügen? Wie soll ich es nur anstellen, um dir zu genügen? Komm du, Jesus, und regiere in meinem Herzen. O Heilige des Himmels, euer Geschäft sei es, dafür zu sorgen, dass ich in den Himmel eingehe, zu dir, Jesus! Ach, es ist alles Schmerz in der Welt, es ist lauter Ekel auf Erden.

Aber denke mir an die Sünder, ich will sie alle . . . alle gerettet wissen . . . Ich muss nur an die Sünder denken, an das übrige hast du zu denken.

Du forderst Opfer von mir? Ich bringe, soviel du willst, mein ganzes Leben soll ein beständiges. Opfer sein; ich will alles ertragen. 

Ich weiß es, Jesus, je mehr das Kreuz mir zuwider ist, desto ähnlicher ist es dem deinen.

 

2. Sie schaut die Herrlichkeiten Mariens. Sie schämt sich ihrer eigenen Unwürdigkeit. Sie möchte sich zurückziehen, aber die allerseligste Jungfrau lädt sie ein, neben ihr Platz zu nehmen und ihr Herz für immer ihr zu weihen. Sie beklagt sich über Marias Abwesenheit. Gemma möchte mit ihr in den Himmel eingehen.

 

Was ist heute? Wo bin ich? O meine Mutter, wo bin ich? . . . O meine Mutter . . . o . . . wie schön, schön!

Aber siehst du nicht, wie ich bin? . . . Ich bin so böse, ich halte mich für unwürdig, diese Dinge trösten mich nicht, sie betrüben mich. Wenn ich würdig wäre, wollte ich zu dir kommen, möchte ich dir näher treten . . .

Was ist doch heute? Nein, ich will nicht dableiben, ich bin nicht würdig, meine Mutter, vor dir zu stehen.

Du lädst mich ein? Ich würde, ich möchte gerne kommen; allein . . . jedoch darf ich dich mit dem süßen Namen Mutter nennen? Ich habe Jesus so oft beleidigt.

Auch so bin ich deine Tochter? Darf ich also noch hoffen, dich mit dem süßen Namen Mutter zu nennen?

Wie kannst du, Mutter, nur wollen, dass ich heute zu dir komme . . .  dass ich mich heute dir nähere? Willst du, dass ich komme! . . . Wie soll ich da widerstehen? . . .

O Mutter, meine Mutter . . . o, jetzt . . . jetzt habe ich keinen Wunsch mehr. . . jetzt bin ich ... jetzt bin ich glücklich! O, wie gut sich ausruhen lässt in deiner Nähe!

Ich kann dir nichts sagen, ich bin zu glücklich! O meine Mutter, sagt dir mein Herz nicht sehr viel?

Meine Mutter, denke an jene Person, die du so liebst; denke an die Rettung meiner Seele...

Aber, Mutter, du lässt mich so? O, ich kann nicht sein ohne dich. Du konntest nicht zu gelegenerer Zeit kommen.

Aber, Mutter, wie soll ich zufrieden sein, du kommst nicht mehr. Arme Mutter!

Erinnerst du dich an den Tag, wo du zum Himmel aufgestiegen, wo du mein Herz weggenommen hast? Behalte es immer dort oben, stets bei dir; in deiner Nähe hat es alles, alles. Glaubst du denn, ein Kind könne es so lange aushalten ohne dich?

Wie ich mich befinde? Ja, Mutter, es ist mir ein wenig übel; der Kopf schmerzt mich, aber es ist nicht der Schmerz Jesu. Willst du mir auch den Schmerz Jesu geben? Beides nehme ich gerne an . . .

O Mutter, bist du nicht zufrieden mit mir?

Ich bin aber auch nicht zufrieden mit dir, Mutter. Seit vierzehn Tagen habe ich dich nicht mehr gesehen! Nicht einmal den Engel. Wie böse mein Schutzengel ist! Warum straft er mich? Was habe ich angestellt? Eine Neugierde? Ich erinnere mich nicht daran . . . Mutter, mach, dass du selber kommst; jener Engel ist wirklich zu streng! Verlass mich nicht . . . ohne dich kann ich nicht sein. Wenn du mir den seligen Gabriel senden könntest oder senden wolltest . . .

Mutter, der Beichtvater hat mich zu etwas verpflichtet; er hat mich ersucht, für diese Familie zu beten. Ich habe es schon getan. Ersetze du, was ich nicht zuwege bringe. Erweise ihnen viele Gnaden, ein unendliches Maß von Gnaden; verstehst du, Mutter, ein unendliches Maß von Gnaden. Wenn Jesus ihnen eine Prüfung senden wollte, so sage zu Jesus, er möge sich ihnen gegenüber barmherzig erweisen . . . Tu du, was ich nicht auszurichten vermag . . .

Muss ich es dir sagen, meine Mutter? Wenn ich etwas zu leiden habe, bin ich ganz zufrieden; ich hoffe, du bringst mich in den Himmel; der Beichtvater will es nicht. Wer ist es nur, der ihn zurückhält? Du, meine Mutter, möchtest du mich dort haben?

Aber wann kommt Jesus? Sage auch du es ihm: ich will mit dir kommen . . . wie lange schon belästige ich ihn! Doch Jesus würde mich sogleich in den Himmel nehmen, wenn ich die Erlaubnis dazu bekommen könnte.

Meine Mutter, ich möchte dich immer haben, ich möchte dich nicht mehr von mir lassen. Nimm mich mit dir in den Himmel. Ohne dich kann ich nicht sein; siehst du nicht, wie du mich leiden lassest? Ich habe dein Herz notwendig. Ja, dich suche ich jeden Tag, um die schmerzlichen Schläge meines Herzens in dein Herz zu ergießen. Aber wenn du wolltest? Verlass mich nicht . . .

O Mutter, Mutter! Wenn du mir gegenüber eine liebevolle Mutter bist, warum verlässt du dann ein Kind, das dich so liebt? Wer wird außer dir meine Gebete erhören? Wer meine Bitten entgegennehmen? Ohne dich bin ich . . . wie ein Armer ohne Hilfe. Meine Mutter, warum verlässt du mich? Führe auch mich in den Himmel. O Mutter, meine Mutter, du bist eine reine Blume, die emporsprosst wie eine weiße Lilie. Königin des Himmels, du nimmst den Geschöpfen den edelsten Teil ihrer Liebe, auch mir hast du das Herz weggenommen und gibst es mir nicht mehr, jetzt, da es unter deinen Umarmungen nicht mehr irdisch, sondern ganz himmlisch gesinnt ist. Gib mir es wieder! Was, meine Mutter, du willst es mir nicht mehr geben, weil du eifersüchtig geworden bist und meinst, ich schenke es wieder meiner Liebe. Dann sage es du selber meinem Jesus.

Ja, Jesus hat mich sehr gerne, denn jeder Atemzug von mir gehört ihm, jeder meiner Wünsche bezieht sich auf ihn, jede meiner Neigungen ist ihm geweiht.

Bevor du mich verlässt, meine Mutter, nimm mich zu dir in den Himmel . . . Verlasse mich nicht . . . Wann wirst du wiederkehren? Wie schwer fällt es mir doch, dass du dich entfernst! . . . O Mutter, verlasse mich nicht; ich kann nicht ohne die Mutter sein . . . Mutter . . . !

 

3. Voll Begeisterung ruft sie alle Heiligen und Engel des Himmels an, dass sie ihr helfen, ihre Seele der allerseligsten Jungfrau zu weihen; da sie in ihrer Demut aber sieht, dass ihre Seele weniger schön ist, sucht sie sich Jesus zu entziehen, der sie ihr nehmen und seiner Mutter darbieten will. Sie drückt ihre Liebe zur allerseligsten Jungfrau aus, weiht ihr auch ihr Herz, bittet um Gnaden und fleht um die Rückkehr Jesu, der verschwunden war.

 

Heilige des Himmels, kommt, leiht mir euer Herz, leiht mir eure Liebe . . . ich befinde mich vor der Mutter Jesu und weiß nicht . . . O Heilige des Himmels, habt ihr keine Liebe für mich heute? Meine Mutter, ich will dich recht lieben; meine Seele gehört nicht mehr mir an: sie ist dein . . . Nimm, o Jesus, meine arme Seele, übergib sie deiner Mutter, dann brauche ich nicht einmal die Hölle zu fürchten.

Ich weiß, Jesus, dass du würdig bist, über alles geliebt zu werden. Du, Jesus, willst meine Seele? Bevor du sie nimmst, lass mich neuerdings bekennen und dich fragen: Siehst du denn nicht, wie hässlich sie ist? Jesus, ich gebe sie dir heute nicht; siehe doch, wie abscheulich meine Seele ist. Die Eigenliebe, welche die ganze Welt zugrunde gerichtet hat, möchte auch mir den Untergang bereiten. Jesus, gestatte, dass ich mich entferne, denn ich bin allzu beschämt.

Was, du lässt mich meine Seele erkennen? Welche Schande für mich, Jesus! Und du willst sie so? Nimm sie Jesus, aber verbirg sie. O Gott, mein Jesus, verbirg sie, damit niemand sie sieht. Jesus, schaffe sie weg von mir . . . ich halte es nicht mehr aus, Jesus . . . Jesus . . . O Gott!

Was tust du? Deiner Mutter willst du sie übergeben? Lass mir sie, Jesus, lass mir sie, bevor du sie deiner Mutter übergibst.

Ist denn der Ungehorsam wirklich ein so großes Übel? Und was ist doch dieses? O Gott! Jesus, ich kann nicht mehr: entferne sie, ich halte es nicht mehr aus . . . Was sehe ich, Jesus? Du übergibst sie deiner Mutter? . . .

Ich gehöre dir . . . ich bin dein . . . o meine Mutter! Habe Mitleid mit meinen großen Sünden, ich bin deine Tochter, sagt Jesus. Jesus, gehört nun meine Seele nicht mehr dir an? Denke an mich, Jesus! Willst du mich nicht mehr, Jesus? Verlasse mich nicht, tröste mich, hilf mir in Zeiten der Prüfung . . .

O meine Mutter . . . o, gut . . . Jesus hat mich dir anvertraut. Aber jetzt, meine Mutter, komme, wie Jesus gekommen; Jesus kam fast jeden Tag.

Ja, du bist meine Mutter. O, ich weiß, wie eine Mutter es mit den Kindern macht, du wirst es gerade so machen. Wer bin denn ich, dass ich so von dir behandelt werde? 

Siehst du meine Schwäche? Hab Erbarmen mit meiner Schwachheit. Siehst du nicht, wie ich arm bin an Tugend? Hilf mir . . . Siehst du die Bedürfnisse meiner Seele? Siehst du, meine Mutter, welchen Schmerz sie mir bereiten? Wohlan denn, lass mich ins Kloster eintreten. Nach Jesus ist dieses mein Verlangen! Siehe, wenn ich im Kloster wäre, ging ich gerne dem Kreuz entgegen; aber so! . . . Siehst du, wie ich meine Tage und Nächte zubringe? Habe Mitleid; sage es Jesus, sage es ihm, meine Mutter, meine einzige Hoffnung bist du. Wenn du mich nicht anhörst, dann muss ich der Verlassenheit anheimfallen. Siehe, Jesus hat dir meine Seele geschenkt, ich hingegen gebe dir auch das Herz; siehst du nicht, wie betrübt es ist?

Ich habe so viele dir zu empfehlen. Ich wollte, Jesus ließe alle erkennen, wer ich bin; dann sagten sie nicht mehr, ich sollte für sie beten. Noch etwas, meine Mutter; Jesus ist so aufgeregt wegen der Sünder! Sag ihm, er solle sich an mir rächen, aber nicht an ihnen. Dann noch etwas: Ich muh dir eine Seele anempfehlen, welche dir sehr teuer ist . . . O gewiss, du hast keine Angst, vor Jesus zu erscheinen.

Ich sage dir den Namen nicht; denn ich fürchte sonst wieder einen Streit zu bekommen mit Jesus, wie das wiederholt schon vorkam. Endlich noch ein Punkt; der Beichtvater will, dass du mir auch den Körper erhältst . . . Und dann . . .

Meine Mutter, du musst Frieden schaffen zwischen mir und Jesus. Andere Male hast du Jesus zurückzuhalten vermocht, wenn er mich verlassen wollte, und du hast ihn zurückgehalten: vermittle auch jetzt zwischen Jesus und mir. O Mutter, stelle doch den Frieden zwischen Jesus und mir wieder her. Sage Jesus, ich werde gehorsamer sein.

Ich habe alles, alles gesehen. Mutter der Barmherzigkeit, geh, suche Jesus und bring mir ihn zurück. Meine Mutter, verlass mich nicht . . . Mache Jesus ausfindig und bewirke, dass er zurückkehrt . . . Mutter, meine Mutter, mache mich gut; Mutter, meine Mutter, mache mich keusch. Das ist es, was ich so sehr wünsche, was ich so sehr bedarf . . .

 

4. Sie erklärt, Jesus nicht wegen der von ihm erhaltenen Gaben, sondern seiner selbst wegen zu lieben. Da sie nicht imstande ist, Gott für seine Wohltaten entsprechend zu danken, opfert sie dem himmlischen Vater das Herz Jesu auf.

 

Mein Jesus! . . . Ja, mein Jesus, mein liebevoller Herr ist jener Jesus, der mich mit solcher Gewalt der Liebe gefesselt hält. Jener Jesus, der mich liebt, und der allein Mitleid hat mit meinem Elend, der ist der wahre Jesus! Siehe, mein Gott, wenn du so viele Gnaden, so viele Gaben, so viele Gunsterweise einer Seele geben wolltest, welche zum Ersatz ein schönes Kapital von Tugenden aufweisen könnte, wären deine vielen Wohltaten bezahlt; wenn du sie aber einer Person wie mir gibst, nur aus Barmherzigkeit!

Du glaubst, Jesus? Sage das nicht. Nein, nein, du handelst nicht schlecht. Was du tust, ist immer wohlgetan! Gib mir wenigstens die Gnade, mich dir gegenüber erkenntlich zu bezeigen.

Ist es wahr, Jesus, dass die Liebe die Belohnung für deine Wohltaten ist? Dann liebe aber auch ich dich. Ich liebe dich aber nicht bloß wegen der mir verliehenen Gaben, nein, sondern ich liebe dich, weil du mein Jesus bist; ich liebe dich, weil du gut bist; ich liebe dich, weil du mir versprochen, ja mir geschworen hast, mich nicht zu verlassen . . . wegen all dieser Gründe liebe ich dich, o Herr!

Wohin müsste ich gehen, um das Glück zu suchen, wenn nicht zu dir, Jesus, der es mir wiederholt angeboten hat? Kommt es dir nicht vor, mein Herz sei etwas weicher geworden? Wer hätte etwas Liebe darin entzünden können, wenn nicht du?

O Jesus, du sagst, du liebst mich, ich sage aber nein; denn man kann nicht zwei entgegengesetzte Dinge lieben. Du liebst die Vollkommenheit, ich bin etwas ganz anderes.

O Jesus, glaubst du denn, mein Herz sei ein für dich passender Ort? Befindest du dich wohl darin? Bist du zufrieden damit? Ich, Jesus, ich bin schon glücklich . . . O Jesus, wenn mein Herz nicht mehr der Erde, sondern ganz dem Himmel angehört, welche Ehre für dich! Welche Feier werden die Engel veranstalten! Fürchtest du vielleicht, Jesus, dass ich mich änderte, wenn du mich verlassen hättest. Nein! Erinnerst du dich, Jesus, dass, als ich dem Falle nahe war, du mich mit großer Kraft ausgestattet hast? Erinnerst du dich, dass, wenn ich zu dir kam bald weinend, bald in reuiger Stimmung, du mir gegenüber stets gleichbliebst? O Jesus, weshalb sollte ich dich bloß wegen deiner Gaben, nicht aber wegen jenes Kreuzes lieben? O Kreuz, räume auch mir etwas Platz ein an der Seite Jesu! Welche Eigenart der Liebe hast du für mich gewählt! Schnell, Jesus, entzünde mich, aber von demselben Feuer, wovon du brennst!

O Liebe, unendliche Liebe! Befreie mich von diesem Fleische, lass mich heraustreten aus diesem Leibe oder höre auf; denn ich halte es nicht mehr aus. O Herr, mein Leib kann dieses beständige Vernichten keineswegs mehr aushalten. Nimm mich also weg aus dieser Welt oder höre auf . . . O Liebe, unendliche Liebe! Deiner Liebe werde ich mich nie und nimmer entledigen. O Liebe! O Wonne der Liebe! O Liebe, die mich so sehr ergötzt, die mich niemals quält! O Liebe, Liebe Jesu, dich werde ich niemand abtreten! Das Wenige an Liebe, das ich besitze, werde ich nicht einmal den Heiligen im Himmel abtreten oder euch, Geschöpfe der Erde, schenken. Dieses bisschen Liebe gehört mir. Niemand, - das ist mein Wille - soll mich übertreffen in der Liebe zu Jesus. O Liebe, unendliche Liebe! Siehe, o Herr, deine Liebe dringt mit zu großer Heftigkeit in meinen Körper ein . . . Wann, wann endlich werde ich mich mit dir vereinigen, der mich schon auf Erden mit solcher Gewalt der Liebe an sich gefesselt hält? Tue es, tue es! Möge ich sterben vor Liebe! Welch schöner Tod, o Herr, als Opfer deiner Liebe, als Opfer für dich zu sterben!

Lass ab, halte ein, Jesus, wenn deine Liebe nicht damit endigen soll, mich in Asche zu verwandeln . . . O Liebe, unendliche Liebe! O Liebe meines Jesus! Bewirke, dass deine Liebe mich ganz durchdringe, etwas anderes will ich nicht von dir. Mein Gott, mein Gott, dich liebe ich. Liebe ich dich vielleicht zu wenig, Jesus? Bist du nicht zufrieden damit?

Es muss aber von dir kommen, wenn du willst, dass ich dich mehr liebe. Ich müsste dich ja mit besonderer Liebe lieben.

O, ich habe es dir so oft gesagt, Herr, wenn mein Leben nicht ein Ende nimmt beim Anblick der Leiden dessen, der mich so liebt, welch anderer Schmerz soll ihm dann nach deinem Willen den Tod bringen?

Ich habe dir gesagt, o Herr, es sei genug, was du für mich und für die Sünder gelitten hast. Ja, es ist genügend. Unter dein Kreuz werden sich meine Schultern schieben! . . .

Was verlangst du, mein Gott? Ich habe dir schon alles gegeben? Was verlangst, was wünschst du, o Jesus? Verlangst du Liebe? Ich schenke dir alle! Wer ist würdig, dich hinreichend zu lieben? Keiner . . . niemand.

O Jesus, Jesus! . . . was ist doch diese gewaltige Anziehungskraft, die mich so fest mit dir verbindet? Ist es dein Herz, das unter dem meinigen schlägt? . . . Welche Gewalt der Liebe! Erkläre du es mir, Jesus, weshalb diese arme Seele nicht aus diesem Kerker entflieht, um in den Himmel zu kommen und deine göttliche Gegenwart zu genießen? Diese Seele vermag nicht zu widerstehen . . . jeden Morgen vernehme ich deine liebe Stimme . . . verkoste ich große Süßigkeiten.

Jesus, du willst von mir nur Liebe; ich aber will von dir soviel Liebe, dass ich dich lieben kann, denn diese Liebe fehlt mir. Siehe, Jesus, ich merke nicht, was in mir vorgeht am Morgen, wenn ich dich (am hl. Tische) fühle.

Jesus, wer hätte es je gesagt, dass mit meinem Herzen auch das deinige schlagen solle? Sag mir es, mach mich glücklich, gib mir den Trost, den ich von dir erbitte, wiederhole jene lieben Worte, die du am Sonntag mir sagtest. Jesus, wann wirst du mein Bräutigam?

Du willst, o Jesus, dass ich den menschlichen Gesprächen entsage? Weil du es wünschest, Jesus, opfere ich dir von diesem Augenblicke an alles aus, was die Natur (in mir zum Bösen wenden) wollte. Jesus, du gibst mir allen guten Willen; ich aber bin schnell zur Hand, ihn zum schlimmen umzuwandeln.

Ich brenne, Jesus. Welch ein Trost wäre es für mich, wenn es Flammen deiner reinen Liebe wären! ... O Jesus, ich will Verzeihung von dir, aber nicht die Süßigkeiten, diese will ich nicht; ich habe sie nicht verdient. O Jesus, mir würde es genügen, dass du mich mit deiner himmlischen Speise nährst. Lass mich, o Jesus, mich versenken in den Abgrund deiner Liebe.

Mein Engel . . . ! O Jesus, bist du aber wirklich ganz mein?

Nein, nein, mir kann nichts gefallen auf der Erde. Lass doch, dass mein Herz sich heute entledige . . . Es fühlt sich bedrückt von deinen so zahlreichen Wohltaten . . . Aber warum, mein Jesus, bin ich stets so unvollkommen? Sag mir es offen heraus, du kannst nicht zufrieden sein mit mir.

Werden deine vielen Besuche meinem Herzen nicht einige Anregung verschaffen? O mein Engel, hilf mir; lasse mich nicht so untätig sein inmitten so großer Gnaden, nachdem du mich so geduldig ertragen.

Ja, ich bin glücklich; denn ich fühle, wie mein Herz mit dem deinigen schlägt; ich bin glücklich, weil ich dich besitze, o Jesus.

O teure Leiden Jesu I Welch liebe Gebete . . . Welch süße Beteuerungen . . . ! Rede, sprich, Jesus. Sage doch, Jesus, was tatest du in deinem sterblichen Leben? Was tatest du bei deiner Himmelfahrt? War sie das Werk deines Herzens? Wenn ich einen Blick werfe auf dein liebevolles Herz, o Jesus, dann ist es mir, als sehe ich es umgeben von zahlreichen goldenen Pfeilen, Pfeilen der Liebe. Und du, Jesus, der immer Liebe von mir verlangt, was für ein Bedürfnis hast du, von mir geliebt zu werden? Du wirst doch von den Engeln so sehr

so geliebt! Doch ich weiß es, nicht wegen des Bedürfnisses verlangst du Liebe von mir. Teurer Jesus, lieber Gott, wie wenig liebe ich dich! Bewirke doch, dass ich dich viel, viel mehr liebe . . . Jesus, ich liebe dich; ersetze du, was meiner Liebe noch mangelt. Guter Jesus, ich preise dich; ergänze aber du, was meinem Lobe noch fehlt. Ich opfere dich Gott, deinem Vater . . . Ich habe nichts; bringe du, o Jesus, ihm die Liebe deiner Herzens dar . . .

Ich gehöre dir an; sei ohne Angst, o Jesus; niemand kann mich dir mehr rauben . . . Mache, dass ich dich liebe, dass ich dich stets mehr liebe . . . Einmal, o Jesus, lässt du mich sterben, wenn ich dich so pochen höre in meinem Herzen . . .

 

5. Sie beweint ihre Undankbarkeit und sucht in der Eucharistie einen Ersatz für die Liebe zu Jesus. Weil sie sich für unwürdig hält, ihn im Sakrament zu empfangen, wirft sie sich in die Arme ihres erbarmungsreichen himmlischen Bräutigams.

 

Jesus! . . . Wer ist mein Jesus, der einen so mächtigen und kraftvollen Namen hat? Wer ist mein Jesus, der mich ganz mit Wonne erfüllt, sobald ich mich seiner erinnere? . . . Ich fühle es, dass du es bist, o Jesus ... Du bist es, o Jesus! Wie erwidere ich deine Liebe, mein Gott! O Jesus, du hast mich mit deinem Vertrauen geehrt, wie konnte ich dir das bloß mit so vielen Sünden vergelten? Du hast mich geheilt von so manchen Sünden, wie konnte ich doch durch meinen Undank alle deine Wunden wieder aufreißen? Du hast mir das Leben durch die Gnade gegeben, wie konnte ich dir den Tod bringen durch die Pfeile meiner Bosheit? . . . Siehst du, Jesus, worin meine Erkenntlichkeit besteht? In Sünden.

Ich weiß aber, o Jesus, was deine Speise vermag, was sie wert ist . . . Heiliges Sakrament, nimm mich auf und an . . . gewähre mir ein Plätzchen in deinem Ziborium, meiner Ruhe, meiner Rast.

O, ich glaube, dass du, o Jesus, mich aufnimmst . . . denn es schien mir . . . wird es vielleicht wahr sein? . . . es schien mir, du habest alle meine Bitten gewährt, alle meine Gebete erhört. Kann es das geben? Ich würde es hoffen und auch glauben, wenn es eine Seele gewesen wäre, die dir immer treu gedient . . .

Was sagst du, liebevoller Jesus? Sage es nicht. Ja, ich habe dich auch verehrt, aber nur mit der Stimme; habe ich dich vielleicht auch geliebt? Aber wann tat ich das? Wenn du mich trotz aller Zurückweisungen ertragen hast. Jetzt aber, o Jesus, ist nicht mehr Zeit, es bloß mit dem Munde zu tun, ich muss mich daran machen, diese Liebe auch mit den Taten und Handlungen zu zeigen. Ich schenke dir, o Jesus . . . Doch, was soll ich dir schenken, wenn ich nicht einmal einen einzigen gesunden Sinn habe? Abtötung der Sinne, Verleugnung des eigenen Willens . . . das biete ich dir dar. Ich opfere dir, o Jesus, auch die geringen Früchte meiner Reue auf. Dann, o Jesus, opfere ich dir alles auf, was dir eine durch dein Leiden erlöste Seele aufopfern kann . . .

Allerheiligste Dreifaltigkeit, um nicht so undankbar zu sein, opfere ich dir meinen Verstand auf. Der Heilige Geist bereichere mich mit Tugenden und Gnaden . . .

Welch schönes Lieben ist das deine, o Jesus! Man soll nie sagen, dass ich dich beleidige, lass nicht zu, dass ich durch meine Undankbarkeit deine unendliche Weisheit in Misskredit bringe.

Wie soll ich es machen, Jesus, um meine Brust vor deinem Feuer zu verbergen? Komm, Jesus, ich öffne dir mein Herz, führe das göttliche Feuer dort ein. Du bist Flamme und möchtest nun, dass mein Herz sich in Flammen verwandle . . . Liebenswürdiger Jesus, meine Ruhe, meine Erquickung, meine Rast, gib mir ein Plätzchen im Kämmerlein deines Ziboriums. Mein Gott, öffne mir dein Herz. O Jesus, öffne mir deine Brust im Sakrament, denn dort will ich alle meine Gefühle niederlegen. Du, o Jesus, hast mir wiederholt gesagt, du werdest mich großmütig aufnehmen; ist es wahr, mein Jesus? Wie gerne ich dich habe! Ich danke dir; aber warum handelst du so liebevoll, während ich dich durch meinen großen Undank beleidige? Schon dieser eine Gedanke sollte mich zu einer Liebesflamme werden lassen, wenn ich es wohl verstünde . . . Ich liebe dich, o Jesus.

Wahrhaftig, es ist schön, einen zu lieben, der seinen Beleidigern nicht zürnt. . . O Jesus, Jesus, wenn ich deine große Sorge um mich betrachte, wie müsste ich mich dann in so vielen Tugenden auszeichnen! Es ist wahr, ich zeichne mich aus, aber worin? ... In Sünden . . . Verzeihe, o Jesus, meine große Nachlässigkeit, vergib meine gewaltige Unwissenheit. Mein Gott, o Jesus, meine Liebe, unerschaffenes Gut, was wäre aus mir geworden, wenn deine fürsorgende Liebe mich nicht zu dir geführt hätte? Öffne mir dein Herz, o Jesus, öffne mir deine Brust im Sakrament; ich erschließe dir die meine; tritt ein, o göttliches Feuer, verbrenne mich, o Jesus, vernichte mich. Ich fühle in mir ein Feuer; möge es dir gefallen, dass ich ganz davon entzündet werde!

O Gott, mein Gott, werde nicht unwillig, wenn ich am Morgen so zu dir komme, wie ich bin. Du siehst es, meine Seele ist voll Sünden, oder um mich deutlicher auszudrücken, sie ist eine Stätte, worin wilde Tiere hausen. Wie kannst nun du, Lilie der Reinheit, Urquell der Schönheit, mitten darin leben? Du nährst und erhältst mich; was biete ich dir für eine Nahrung dar? Du weidest unter Lilien; solche Blumen finden sich aber nicht in meinem Herzen. Was triffst du darin an? Sag es mir: Dornen. Ja, Herr, in meiner Seele ist nicht ein Teil, der rein wäre . . . Der böse Feind, der Teufel, siehe, der raubt mir alles. Welchen Thron weise ich dir in meinem Herzen an? Dein Bett ist aus Ebenholz, deine Säulen sind aus Gold, deine Treppen sind mit Purpur bedeckt . . . In meinem Herzen sind keine solchen Farben.

Ich habe Furcht, ich habe Angst. Zu sehr, allzu sehr werfe ich mich in die Arme meines himmlischen Bräutigams, in diesem Zustand . . . Ich kenne meine Unwürdigkeit zu deutlich; ich kenne aber auch deine Erbarmung.

Welche Speise werde ich dir an diesem Tage geben? Verlange sie von mir und dann kehre zurück . . . dann komm . . . komm, Jesus! . . .

 

6. Sie nennt Jesus ihren Lehrer in der Schule des Leidens, ihren Vater wegen der Erbarmung und Liebe, die er zu ihr hat. Sie verlangt, aus dem Kelch seines Leidens zu trinken. Jesus segnet sie und lässt sie die Qualen der Dornenkrönung verkosten.

 

Ist es möglich, Jesus? . . . Was habe ich denn nur getan, um mir so viele Gnaden zu verdienen? . . . O Jesus, warum bleibst du so müßig in meinem Herzen? Wohlan hilf mir, im Geiste oder mit dem Herzen einen Akt der Liebe zu erwecken . . . dich ununterbrochen zu lieben. Du, o Jesus, darfst nicht untätig in meinem Herzen bleiben, wie du es heute morgen getan. Wenn du mir nicht hilfst, einen Akt der Liebe zu erwecken, wie übel bin ich daran! Du musst mein Lehrer sein. Die Lehrer der Welt unterrichten immer mit Worten, du durch das Leiden. Immer leiden . . . Und dann siehe, Jesus, alle andern Lehrer unterrichten aus Interesse, du tust es aus Liebe! O Jesus, ich bin zufrieden; ich tröste mich bei dem Gedanken, dass ich in den Himmel kommen werde . . . Dann werde ich dich ununterbrochen lieben. Diese Unterbrechungen werden mir zum Ekel. Du bist zu liebevoll . . . Du bist zu herablassend .... Jesus, verleihe meinem Geiste Kraft.

Wem sollte ich meine Armseligkeit anvertrauen? Latz mich dich Vater nennen. Wie mich deine Gegenwart tröstet, deine Liebe, dein Lächeln! . . . Nicht wahr, Jesus, du machst es mit allen so, die dich lieben?

Ist es möglich? ... Ist es möglich, dass ein Gott in mir eingeschlossen ist? Ist es möglich? Welche Kette muss gefertigt werden von der Erde bis zum Himmel, um zu einem so erhabenen Geheimnis zu gelangen!

Meine Klagen finden immer einen Widerhall in deinem Herzen, aber mehr noch in deiner Liebe. Lass mich also, Jesus, dich Vater nennen. Ja, weil du gegen mich so freigebig und großmütig bist; lass dich Vater heißen, weil keiner wie du meine Schwachheiten verzeiht, meine Unbedachtsamkeit vergibt, wie du es tust. Jesus, du bist ein Abgrund der Liebe, ich ein Abgrund der Bosheit. O Gott! . . . - o Gott! . . . o Gott! ich sterbe! . . . O meine Mutter! . . . ich sterbe! Wie gewaltig ist doch deine Liebe! Jesus, Jesus, Jesus, mein Herz erweitert sich . . . halte mich!

Wie lange werde ich so deiner Liebe entgegenstehen? ... Lass mich immerhin leiden, o Jesus, mir liegt nichts daran. Der Mittelpunkt meines Lebens bleibst du . . . Lass mich es wiederum sagen: du bist groß; aber trotz deiner Erhabenheit wird es meiner Seele gelingen, dich noch größer zu machen. O Jesus, ist es wahr? Ja, Jesus, indem du in meine Seele kommst, machst du dich noch größer, weil die Seele so elend ist . . . und weil deine Barmherzigkeit darin so sehr triumphiert.

Du bleibst, Jesus, aber meine Gedanken sind zu kalt einem solchen Werke gegenüber.

Welch glückliche Augenblicke verlebt man mit dir! Jesus, du bist ein Abgrund der Liebe.

Ich fühle mich geehrt durch deine Gunstbezeugungen, ich kenne aber auch meine Schwäche . . .

Wie herrlich ist die Stunde, in deiner Gesellschaft verlebt! Aus jenem Kelche, woran du deine Lippen gesetzt, möchte ich auch trinken.

Ich danke dir, Jesus, dass du mich so am Kreuz festhältst! Mögen meine Leiden immerhin wachsen. Glaubst du, ich verlange diese Dinge, um nicht zu leiden? Wenn ich aus der Welt sein müsste, ohne zu leiden, würde ich dir sagen: Lass mich sogleich sterben.

Dich hat wirklich die Liebe getötet! Jesus, lass auch mich vor Liebe sterben. Das Leben wäre eine Qual. Außer dir kann niemand auf Erden meine Gefühle trösten. Die Dornen, das Kreuz, die Nägel, alles ist ein Werk der Liebe.

Heißt das lieben? . . . Jesus, weißt du, ich habe es gelernt. Ich werde alles für dich aufopfern; aber ich werde dir treu bleiben. 

Welch schönes Geschenk hast du mir gemacht! Es genügt, Jesus, ich habe dich gesehen. Ist das das Geschenk, welches du deinen Seelen bereitest?

Ich nehme es (das Kreuz) gerne auf mich. Dein Wille, nicht der meine geschehe!

O Jesus . . . O Jesus! Lindere etwas den Schmerz meines Hauptes. Jesus, lindere ihn . . . Jesus, segne mich noch einmal. Dein Segen tut mir zu gut.

Es ist zu stark, Jesus . . . Jesus, ich leide sehr, ja. Den ganzen Tag habe ich gelitten. Ich habe Angst, Jesus, heute . . . Jesus, mein Kopf! . . . es ist zu viel, ich halte es nicht mehr aus, ich kann es nicht mehr ertragen . . . Mein Jesus, hilf mir. Jesus, dass doch niemand etwas merkt! . . . O Gott! O Jesus! . . . Heißt das aber leiden?

Ich bin ganz zufrieden . . . Jesus, ich empfehle mich dir, lindere etwas meine Qual ... ich möchte nicht, dass jemand mich sähe. Mit mir steht‘s nicht gut.

Tu es immerhin, Jesus, aber zwischen dir und mir allein. Wenn ich nicht zu dir käme, könnte ich wirklich nicht mehr. Jesus, lass mich nun so. Jesus, verstehst du, zwischen dir und mir allein . . .

Siehst du denn nicht, Jesus, dass ich zu weinen anfange, sobald du mir etwas Kreuz schickst? Kümmere dich aber nicht um meine Tränen. Hefte mich nur ans Kreuz. Meine höchste Ehre besteht darin, dass ich dir gefalle. Ich bin zufrieden damit, dass deine Dornen in meine Seele eindringen. O was, Jesus, sehe ich dich nicht? Erblicke ich in dir nicht einen Gefährten, der mich ermutigt und mir Kraft verleiht? . . .

 

7. Sie bittet darum, verdemütigt und von allen verlassen zu sein, um sich ihres Nichts bewusst zu werden und so Jesus zu finden, bei dessen Anblick sie sich beschämt und vernichtet fühlt; sie erfleht von ihm Eifer und Ausdauer.

 

. . . Ich verachte sie, ich will sie nicht. Gebenedeit sei Jesus! Gebenedeit sei Maria! O, bist du es? Siehst du nicht, Jesus, wie ich mich schäme.* Kann es ein Herz geben, das nicht für dich schlüge?

(* Anmerkung: Da sie anfänglich nicht weiß, ob die ihr erschienene Person Jesus oder der Teufel ist, gebraucht sie im Gehorsam gegen Jesus gleich die Worte, die er ihr angegeben: Gebenedeit sei Jesus und Maria! und gewinnt dadurch volle Sicherheit.)

Es gibt solche, es gibt solche. Was konntest du für mich noch mehr tun? Ich verlangte, du sollest mir Vater sein, und ich habe es erlangt; ich bat dich, du mögest mich jeden Tag mit deinem Fleische nähren, auch das wird mir zuteil. Jetzt bitte ich dich um etwas anderes, Jesus; du weißt es, ich bitte darum, dass du mich vor den Augen aller übrigen verbergest.

Ja, (ich wünsche), noch mehr verdemütigt, vernachlässigt zu werden, ich wünsche, für gar nichts geachtet zu werden, wie es jetzt der Fall ist . . .

Ach, mir kommt es vor, ich lebe bloß, um anderen Unannehmlichkeiten zu bereiten; fast hätte ich dich heute morgen vergessen. Ich weiß es, Jesus. Du sagtest mir selber, das größte Missfallen errege die Undankbarkeit; ich verdiene eine solche Behandlung: aber du?

O Gott, warum, Jesus, habe ich für alle ein Herz, nur für dich nicht? Dein edles Antlitz, das so entstellt ist, macht keinen Eindruck auf mich; jene Wunden, aus Liebe empfangen und zu meiner Rettung geöffnet, jenes kostbare Blut, das du für meine Sünden vergossen hast, lässt mich gleichgültig . . . Deine Barmherzigkeit, o Herr, ist der feste Grund all meiner Hoffnungen.

Warum, o Jesus, besteht die Liebe, die ich zu dir habe, nur in Worten? Meine Trägheit behauptet, dich zu lieben, in Wirklichkeit liebt sie dich nicht. Du bist so schnell bereit mit deinen Gnaden, ich bin so sehr im Rückstand mit meiner Erkenntlichkeit.

Wie kam es doch, Jesus, dass heute morgen die Gefühle so fern waren an einem Orte, wo sie so nahe hätten sein sollen? Weiht du es, Jesus? Heute morgen habe ich etwas gefunden, woran ich arbeiten will; ich will mich stets an mein Nichts erinnern. Warum muss es denn einem Geschöpf von so niedriger Herkunft schwerfallen, sich zu verdemütigen? . . .

Ist es möglich, Jesus, dass sich der eitle Ruhm vor meiner Seele sehen lässt? Vor einer Seele, die gesündigt hat und so arm an Tugenden ist. Wie kommt es doch, dass sich ein so geringes Maß von Tugend mit soviel Stolz und Anmaßung verbindet? 

O Jesus, was würde dir mehr gefallen die Lilie oder der Kranz?* Mir würde die Lilie besser gefallen. Wie schön ist es, Gott das zu geben, was Gottes ist! . . .

(* Anmerkung: Die Lilie der Unschuld, die heranwächst und sich rein erhält im niedrigen Boden und trockenen Erdreich; der Kranz bedeutet die menschliche Eitelkeit.)

O Jesus, wenn alle mich kennen würden, kämen sie nicht und sagten, ich solle für sie beten; denn sobald ich solche Worte zu hören bekomme, schäme ich mich. Stelle mich zufrieden, Jesus, und bewirke, dass alle mich kennen lernen.

Ich sehe, Jesus, dass ich klein und schwach bin: Willst du mich groß machen, Jesus?

Nein, nein, es gibt so viele Seelen, die dir besser dienen als ich.

O Jesus, aber spreche ich wirklich mit dir heute? Wohlan denn, Jesus, versichere mich, dass du es noch immer bist . . . Gebenedeit sei Jesus! Gebenedeit sei Maria.*

(* Anmerkung: Jesus verbirgt vor ihr neuerdings sein herrliches Antlitz, daher beginnt Gemma auch wieder zu zweifeln.)

Gehst du weg, Jesus? Entfernst du dich? Aber du lässt mich so zufrieden. Es ist ein Geheimnis. Was ist geschehen? Wohlan, komme, Jesus!

Ich fühle deine Nähe. O Jesus, warum handelst du so? Siehe, Jesus, je mehr du dich entfernst, desto mehr fühle ich dich. Dich, o Jesus, will ich, niemand anders. Wohlan denn, lass dich sehen.

Da ist Jesus, da ist er. Jetzt sehe, jetzt fühle ich dich. Was will, was wünsche ich von dir, o Jesus?          Lass mich dich umarmen, himmlischer Bräutigam, Ursache all meiner Tröstungen! Wer bin ich, dass ich es wage, so mit dir zu reden?

Es ist wahr, ich bin dein Geschöpf, aber ich bin schlimm. Es ist wahr, ich bin das Werk deiner Hände, und eben diese Hände habe ich mit Nägeln durchbohrt . . . Erst zu spät habe ich mich aufgemacht, um zu dir zu kommen . . . Ich habe dich gefunden, Jesus, ich habe dich gefunden. Dich rufe ich an, zu dir flehe ich, dann bin ich sicher.

Wo bist du, wo hast du dich verborgen? Gib mir Flügel, um zu deiner Wohnung in den Himmel zu fliegen . . . O, wo bist du, Jesus, wo weilst du? . . .

Du weißt es, Jesus, dass ich bei dir keinerlei Heilmittel suche; ich will bloß etwas mehr Eifer und die endliche Beharrlichkeit.

Wer, o Jesus, genießt die Wonne deiner Liebe? . . . Ich beteure immer, dich zu lieben, aber dann sehe ich ...* (* Anmerkung: Ich sehe, dass ich in Wirklichkeit nichts für dich zu tun weiß.) 

Jesus, Bräutigam meiner Seele, wie gerne nenne ich dich so ... Was würde aus mir, Jesus, ohne deine häufigen Besuche? Was wäre aus meinem Herzen geworden, wenn du es nicht in Besitz genommen? Siehe, Jesus, wenn du dich allen Geschöpfen so zu erkennen gäbest wie mir, geschähen nicht so viele Sünden.

O Jesus! Wer hätte das je gedacht?...

 

8. Sie überlässt sich vollständig den Händen Jesu, sie umfängt das Kreuz. Da sie fürchtet getäuscht zu sein, verzichtet sie auf alle besonderen Gaben und verlangt nur zu leiden. Nachdem ihr beruhigende Versicherung geworden, ruht sie am Herzen Jesu.

 

O Jesus, warum bin ich nicht ganz entzündet von Liebe zu dir? Warum verzehrt sich mein Herz nicht ganz in Flammen der Liebe? Warum ist meine Liebe nicht so, dass sie deiner Liebe entspricht? O Jesus, wie viele Zeit habe ich verloren? Wie lange schon hätte ich dich lieben können und habe es nicht getan! Lässt mich aber deine Güte nicht hoffen, die verlorene Zeit wieder einbringen zu können? . . .

Wie viele Sünden, o Jesus! Nimm ihr Gewicht hinweg, sie bereiten mir schon wegen ihrer großen Anzahl Ekel.

Jesus, ich nehme alle Leiden, alle Trübsale an, die du mir schicken wirst. Ich würde noch viel mehr verdienen, es wäre noch große Erbarmung deinerseits, Jesus, wenn du Leiden und Widerwärtigkeiten in Masse über mich kommen ließest. Ja, Jesus, wenn du noch neue hinzufügen, wenn du, Jesus, noch weitere mir senden willst, werde ich immer deine Hand küssen. Siehe, dieser Schmerz durchzuckt alle Fasern meines Herzens, ich verpflichte mich, dich nicht mehr zu beleidigen.

O Gott, o Jesus, nimm alles weg, was meine Bosheit mir in den Sinn gibt, dann nimm meine Hingabe an. Verlasse mich nicht, Jesus, siehe auf meine Seele, bedenke, was du zu ihrer Rettung ausgestanden hast.

Ewiger Vater, siehe auf Jesus und habe Erbarmen mit mir. Siehe, ich bin bereit, bereit zu allem . . . Willst du, dass ich lebe? Ich bin zufrieden.

Mache nur, Jesus, dass die ganze Welt erkenne, wie elend ich bin; wenn du mir die einzige Stütze nehmen willst, die du mir auf Erden noch gelassen hast,* (* Anmerkung: Sie meint damit den geistlichen Führer, den sie kindlich liebte und der ihr, wie sie glaubte, zum Heile ihrer Seele notwendig war.) so tue es nur; ich werde dich stets preisen; in der zärtlichsten Vereinigung mit dir will ich leben, mit dir will ich sterben. Nein, dich lasse ich nicht mehr, du meine Hoffnung, meine einzige Hoffnung! Möge dieser heilige Wunsch in mir erfüllt werden.

Bewirke zum Schutze dieser Liebe, dass ich mich daran erinnere, dass eigentlich Schmerz mein Anteil wäre. In deinem Leben sehe ich dich immer mit Schmerzen genährt. Ja, Jesus, ich will immer mit dir leiden. O Jesus, wenn es deiner unendlichen Erbarmung gefiele, wollte ich  . . .

Ich muh den Weg des Kreuzes aufsuchen . . . Vollende das Werk deiner Liebe; meine Armseligkeil werde der Anlass zu meiner Bekehrung. O Jesus, du heißest mich das Kreuz umarmen.

Wo Jesus? Nicht mehr auf dir, wohl aber auf mir. O heiliges Kreuz lass mich dich umarmen!

Ja, o Jesus, auf dem Kreuz beruht alle meine Kraft; Jesus, könnte ich es jetzt umfassen!

Ist die Stunde noch nicht gekommen? O Gott, aber dein Kreuz! Jesus, verzeih mir; ich freue mich, wenn du mir das Kreuz reichst. Ja, Jesus, ich will es, ich wünsche es. Ich habe es dir bereits gesagt, dass meine Liebe nunmehr ganz dem Kreuz angehört. Ich liebe es, weil ich weiß, dass du es zuerst geliebt hast.

O Jesus, alle Leiden erdulde ich so gerne, aber die Leiden des Kopfes werden, wenn du mir nicht hilfst, zur Qual.

Gewiss will ich sie, ich will alles; aber du siehst es, da braucht es solche Kraft. Was wirst du von mir sagen, wenn du mich so müd und matt findest? Nun habe ich es aber erfahren, man leidet gut, wenn man im Verein mit dir leidet. Und dann, weißt du auch, warum ich so gerne leide? Weil ich dann sicher bin, dass du mich gern hast. Der Beichtvater sagt mir auch, du habest jene lieb, die du leiden lässt. Vermehre nur meine Leiden, aber gib mir die Kraft dazu.

Jesus, verlasse mich noch nicht, ich will dir noch etwas sagen: ich fürchte so sehr getäuscht zu sein. Ich will sie nicht diese Dinge,* (* Anmerkung: Die außerordentlichen Zustände, wie sie besonders vom Donnerstag auf den Freitag jeder Woche sich einstellten.)

ich will sie durchaus nicht, Jesus. Ich wünsche nur das eine, dass du mir rechte Reue über meine Sünden gibst, die anderen Dinge will ich nicht; ich habe Furcht, Jesus, getäuscht zu sein.

Bist du es wirklich, Jesus? Täusche ich mich nicht? Bist du wirklich Jesus? Ist demnach alles wahr? geht alles gut? bekommen sie alles, was sie wünschen?* (* Anmerkung: Sie meint die Gründung des Passionistinnen-Klosters in Lucca.)

Ich fühle deine Gegenwart . . . Also auch heute hast du dich meiner erinnern wollen? Jesus, Vater der Erbarmung, ich danke dir. Wer wird mich jetzt von dir scheiden? Vielleicht die Trübsal? Etwa das Kreuz? . . . O Jesus, ich fühle dich, ich verspüre dein Blut, das in meinen Adern flieht; Jesus, ich fühle dich. Wie erfreut bin ich, Jesus, da ich nach solch hartem Kampf, mich in der Nähe deines Herzens etwas ausruhen darf! Ich bin freilich ermüdet nach solchen Nächten!* (* Anmerkung: Wo sie besonders vom Teufel belästigt wurde.)

Welch schöne Tage, die nun kommen, welch schöne Tage, o Jesus! Du hast mir nicht einmal ein Zeichen gegeben, dass deine Passion herannaht.

O mein Jesus, wie kann ich, wie mach ich es? Wer wird mir helfen? Dein Wille geschehe! Was beginne ich, was fange ich an ohne deine Hilfe, o Jesus? Kraft, Stärke, o Jesus, dann* (* Anmerkung: Dann bin ich bereit zu allem, was du über mich verfügen wirst.) Du willst also, Jesus, dass ich alle diese Leiden aus mich nehme und umfasse? O ja, Jesus, ich nehme alle gerne auf mich, denn es sind die Leiden Jesu selber.

Wann, o Jesus, wann? O gut, gut. Du stehst mir immer bei, nicht wahr, mein Jesus?

 

9. Sie stellt Jesus ihre Seele dar, deren kostbaren Ursprung sie schildert, die aber hässlich geworden infolge ihrer Sünden. Sie will in ihrer Seele ein Zelt der Liebe für Jesus allein errichten; sie fühlt Jesus bereits darin und wünscht nichts sehnlicher, als dass er immer darin bleibe.

 

Sieh mich vor dir, Jesus. Ich biete dir meine Seele an. Diese Seele, die du geschaffen hast, nicht von deiner Substanz, sondern vermittelst des Wortes, das du selber bist, aus keinem anderen Grundbestandteil. Diese geistige Seele, die du geschaffen hast, die immer lebt, die du geheiligt und gereinigt hast in deinem heiligen Bade.

Mein Gott, habe Erbarmen mit mir. Siehe, wie hässlich, wie entstellt meine Seele ist. Was wird aus mir werden, wenn du mir nicht hilfst? Empfindest du heute morgen nicht Ekel davor, zu mir zu kommen? O Gott, da bin ich in deinen Händen. Herr, lass mich deine Gegenwart fühlen . . . Je größer mein Elend ist, desto deutlicher tritt deine Freigebigkeit hervor . . .

Welche Liebe! Welche Freude! Was geht in mir vor, Jesus? Bist du da, Jesus, bist du es wirklich? Wie wohl ist es dir, Jesus, da du König sein kannst in meinem Herzen! Wie wohl ist‘s mir bei dir! Wie schlimm stände es um mich, o Jesus, ohne dich. Solange ich so viele Wünsche hatte, war meine Seele unruhig; jetzt da ich bloß einen hege, bin ich glücklich. Lass es doch geschehen, Jesus; da deine Liebe so unnahbar ist, werde ich daran denken und dafür sorgen . . .

Jesus, mein süßes Gut, Schatz meiner Seele, mach aus mir, was dir gefällt, wenn ich nur niemals von dir getrennt werde. Ich will alles annehmen, was du mir schickst . . . Jesus, Jesus lass mich es wiederholen, du wirst meine liebevolle Beute ausmachen. Jesus, gefällt dir dieser Ausdruck? Wie ich die Beute deiner unermesslichen Liebe bin.

So also, Jesus, auf diese Weise behandelst du diejenige, die dich so sehr beleidigt hat? Was liegt daran, Jesus, dass du mir dein schönes Antlitz verbirgst, wenn ich deine liebe Anwesenheit so deutlich verspüre?

Hier, Jesus, hier in meinem Herzen will ich ein Zelt aus Liebe aufschlagen: du allein darfst eintreten. Ich werde dich immer darin gefangen halten, ich lasse dir nicht mehr die Freiheit, bis du mir jenen Trost verliehen, den ich so sehr wünsche. Was verlange ich von dir. Jesus? Wie du siehst, decken sich unsere Wünsche: ich verlange alles, was du wünschst . . .

Jetzt bin ich zufrieden, ich habe keinen Wunsch mehr. Wenn ich in meinem Inneren noch etwas anderes verlangte, wäre das ein klarer Beweis dafür, dass du noch nicht darin bist. Wenn hier auf Erden das Gute an sich Wonne bereitet, welche Wonne wirst dann erst du, der König aller Güter, verschaffen? Die Freude, die man auf Erden an den geschaffenen Dingen genießt, ist ganz verschieden von der, die man in dir, dem Schöpfer, genießt. Siehe, o Jesus, wenn ein Geschöpf etwas wünscht, stirbt es fast vor Sehnsucht nach dessen Besitz; wird der Wunsch dann erfüllt, ist das Geschöpf doch nicht vollkommen zufrieden und gesättigt. Du allein befriedigst, du allein machst rein und makellos alle jene, die in dir leben und dich besitzen . . .

Ah, ich habe deine Wohnung gefunden, o Jesus. Du wohnst in jener Seele, die du nach deinem Ebenbilde geschaffen hast; in der Seele, die dich sucht, dich liebt, nach dir verlangt; nicht aber in jener, welche die irdischen Dinge dir vorzieht.

Meine so elende Seele hat den Reichtum deiner Liebe erfasst. O Jesus, meine Seele ist eine zu geringe Wohnung für dich. O Jesus, wenn ich doch sicher wäre, dich nie beleidigt zu haben! Ich stelle es nicht in Abrede, ich bin eine Sünderin, aber deshalb will ich nicht verzweifeln; denn durch mein Verzweifeln würde ich bloß leugnen, dass du barmherzig bist. Mein Jesus, ich liebe dich; wenn ich dich aber nur wenig liebe, so mache du, dass ich dich mehr liebe. Ich weiß es wirklich nicht, an welchem Punkte ich anlange . . . und welches Maß genügend ist . . .

Jesus, wie befindest du dich in meinem Herzen? Sag mir doch, Jesus, wie geht es dir im engen Kämmerlein meines liebenden Herzens?

Bestimme es, o Jesus, als deine Wohnung für immer, bestimme es dafür heute morgen, von dieser Stunde, von diesem Augenblicke an.

Mein Jesus, wir wollen uns niemals voneinander trennen. Mag das menschliche Herz auch groß und edelsinnig sein; von der Kraft deiner Liebe must es entzündet werden, ihr muss es weichen. Mein Gott . . . mein Jesus . . . mein Vater . . . mein Bräutigam . . . meine Süßigkeit . . . mein Trost . . . Trost aller Geschöpfe . . . Liebe . . . Liebe, die mich aufrechterhält!

O Feuer, das immer brennt, nie erlischt; möchte es dir gefallen, dass ich ganz davon entzündet werde, dass dieses Feuer sich vervollkommne! O Jesus . . . o Liebe! . . . 

 

 

10. Von der Liebe Jesu besiegt, schüttet sie alle ihre Leiden in sein Herz aus. Sie beweint ihren Undank, sucht Zuflucht im Herzen Jesu, findet dort das Feuer, welches die Sünden verzehrt, und die Wärme, welche die Lauheit zerstört. Anrufung Mariens und der Engel.

 

Siehst du, Jesus, mein Herz und dass es so klein ist?

Ja, ja, Jesus, all mein Glück kommt von dir; dich werde ich immer und überall suchen. Wenn ich dich finden will, werde ich dich stets im Stillschweigen meines Herzens suchen.

Aber deine Besuche sind nicht immer liebevoll, was soll ich dann machen? Wenn ich dich wirklich lieben würde, dann wären jene Augenblicke für mich eher trostvoll als schmerzlich; stets würde ich mich mit dir freuen.

Die Bande deiner Liebe sind so fest, dass ich nicht daraus loskomme. Lass mir doch die Freiheit; ich werde dich überall lieben, dich immer suchen. Was hast du mir getan, Jesus; was hast du meinem Herzen angetan, dass es immer dich sucht, stets zu dir kommen will? Ich kann es dabei nicht hindern, es ist so von dir gebunden, von dir, einem so guten Vater . . . Siehe, Jesus, wie glücklich ich jetzt bin! Ich möchte immer so sein . . . so . . . Siehe da

Jesus. Ich will von nichts mehr wissen . . .

O Jesus, darf ich hoffen, dass diese Seele schließlich dein Wohlgefallen erregen wird? Mache, dass dieses Werk dir wohlgefällig sei. Du hast mir gegenüber solche Standhaftigkeit geübt, dass ich sagen kann: du hast mich in Liebe besiegt. In Liebe hast du mich besiegt, Jesus . . . Jesus, wohin sollte ich gehen, um das Glück zu suchen, wenn nicht zu dir, der es mir jedes Mal anbietet?

O Jesus, lass mich dir heute morgen mein ganzes Herz eröffnen, alle meine Wunden dir aufdecken, alles Bittere aus meinem Herzen in deines ergießen. O Jesus, alle Tage meines Lebens habe ich schon gesündigt; viele Beleidigungen habe ich schon beweint; schlimm ist es aber doch, dass ich stets neue begehe. Welche Bestürzung heute morgen in diesem armen Herzen! Wann werde ich mich endlich bessern? Wann werde ich mein ganzes Leben umgestalten?

Du liebst mich, Jesus; soll ich dann dich nicht gleichfalls lieben? Welch staunenswerte Herablassung eines Gottes gegen ein armes Geschöpf! Hilf mir, Jesus, stehe mir bei und du wirst sehen, dass ich dich lieben will mit aufrichtiger, werktätiger, lebendiger Liebe.

Immer, o Jesus, will ich die von dir empfangenen Wohltaten vor meinem Geiste gegenwärtig halten; das wird mich antreiben, dich zu lieben . . . Diese Flamme, Jesus, werde ich stets in meinem Herzen nähren. O Jesus, einzig und allein dich will ich lieben; ich gehöre nicht mehr mir, sondern dir an.

Sich gegenseitig das Herz schenken, diesen Ausdruck gebrauchen in der Welt diejenigen, die sich lieben; es ist aber ein kalter, unnützer Ausdruck . . . Welche Freude, Jesus, wenn ich werde sagen können, dass ich nicht mehr mir angehöre, sondern ganz dein bin!

Siehst du nicht, Jesus, dass ich mich von Tag zu Tag mehr bestürze? Denn je mehr ich sehe, dass deine Liebe zu mir wächst, desto größer sehe ich auch die Verpflichtung werden, dir dankbar zu sein. Wie kannst du, Jesus, dieses mein Herz nur ertragen? Ja, die Schuld ist ganz auf meiner Seite. Ich habe etwas nötig, Jesus; ich bedarf der Liebe, aber deiner Liebe; gib mir sie, dann wirst du sehen, dass ich von dir nichts mehr zu fordern habe.

Es ist wahr, wer dich beleidigt hat, verdient keine Liebe; doch du musst mir sie geben, weil ich fühle, dass auch du es so willst. Ja, ich bitte dich von ganzem Herzen darum.

Öffne dich, Jesus; mache mir heute morgen Platz . . . Wo ist das Feuer Jesu? Wenn ich nach dir verlange, Jesus, so verlasse mich nicht; wenn ich dich suche, zieh dich nicht zurück; bleibe immer bei mir, o Herr!

Ich muss aber Rechenschaft ablegen über alle Beleidigungen; ich glaube mich wirklich in Verzweiflung . . . Ich sehe aber, Jesus, dass du dich am Morgen mir mit solcher Liebe hingibst . . . Mit dir, o Jesus, werde ich stark.

Wie gut bist du! Du verwendest ganze Tage, damit meine Sinne sich nur mit dir beschäftigen. Ich wünsche und verlange mich zu bessern; denn es ist ausgeschlossen, dass ein Gott, der ganz Feuer ist, mich aufnehmen wolle. Kann das Licht die Finsternis wollen? Nein, ich erschließe ihm mein Herz nicht mehr.

Willst du es, Jesus? Mach mir Platz, gewähre mir Raum . . . ich möchte, Jesus, der Kranz deiner Flammen sein . . .

Mein Trost! . . . Du brennst, o Herr, und ich brenne . . . O höchst glücklicher Schmerz, o Liebe . . . Herr, vermehre deine Gnade . . . mache rein . . . Wer bist du, Herr? Du bist eine Flamme und möchtest, dass sich auch mein Herz in eine Flamme verwandle.

Oh, nun habe ich das Feuer gefunden, das alle meine Sünden vernichtet; ich habe den Eifer entdeckt, der alle meine Lauheit beseitigt; ich bin auf die Flamme gestoßen, die alle meine Leidenschaften zerstört!

O Mutter, Mutter, wird es für mich eine Zuflucht geben? Zwei Dinge, Jesus, erfüllen mich mit unendlicher Wonne. In der Liebe bist du es, der meine Seele erfreut, und im Schmerze bin ich es, die deine Seele erfreut. Wenn ich dich nicht so zu lieben vermag, wie ich kann, werde ich dich in mich aufnehmen.

O meine Mutter, sage du es Jesus, ich glaube an seine unendlichen Verdienste und ich wende alle an, um meine Sünden abzuwaschen. Ich kann nicht begreifen, Jesus, wie du, so glorreich im Himmel, kommen willst, um dich in meinem Herzen zu verbergen.

O lass eine Flamme, eine einzige Flamme in mein Herz herabsteigen, damit sie meine Sünden verbrenne. O Jesus, nur für einen Augenblick lass mich deinen Himmel genießen. O Engel, ich vermag nichts zu tun, lobpreiset ihr die Liebe Jesu! Siehe, Jesus, ich übergebe mich deiner heiligen Liebe . . .

Wer bist du, Herr, dass du mich so sehr beglückst?

 

11. Mit der Einfalt eines Kindes spricht sie vertraulich mit Jesus, und bittet ihn ganz inständig um einige besondere Gnaden.

 

Jesus, stelle mich zufrieden . . . Höre einmal, Jesus; nun erkennt man gut, dass du es bist. Wenn es aber mein Kopf wäre, wollte ich ihn nicht mehr, ich wollte ihn mir zerspalten. Höre mich an, du hast mir immer gesagt, du wollest mir jede Gnade erweisen. Ich habe dir schon gesagt, dass ich diese Gnade gerne hätte. Ich habe dann noch viele Gnaden von dir zu erbitten; wenn du mir diese gewährst, gibst du mir auch die andern . . . Weißt du was? Wenn du mir diese Gnade verweigerst, antworte ich dir nicht mehr. Du hast Lust zu rufen! Wenn du es bist, so tust du mir es, nicht wahr? Wenn du mich rufst, gebe ich dir kein Gehör . . .

Ich mache wenig Worte. Wenn du Jesus bist, so sprichst du nur die Wahrheit; wenn du es bist, so gewähre mir die Gnade.

Ich glaube schon daran; du weißt aber, wer nicht daran glaubt. Nicht meinetwegen, weißt du, denn für mich ist es besser so. Sie glauben nicht, dass du es seiest, sie halten mich für verrückt; ich bin aber keine Närrin, nicht wahr, Jesus?

Ich weiß es, du sagtest mir es auch gestern Abend. Wer weiß, wie viele dich verlassen hätten, wenn du sie nicht ans Kreuz geheftet.

Ich danke dir, dass du mich aus Liebe so am Kreuz belässt. Ich bin wirklich am Kreuz! Du hast so viel für mich getan, Jesus, ich habe nichts für dich getan.

Du willst mich vollkommen haben? So verhilf mir dazu; denn von mir aus bin ich bloß zum Sündigen gut genug. Gewähre mir die Gnade, Jesus, dann wirst du sehen, dass ich mich daran mache. Diese Gnade will ich durchaus. Ich will, ich wünsche sie, sage mir nicht nein. Du gewährst mir sie, dessen bin ich sicher. Dann haben sie dich noch lieber; denn sie sagen: Wie gut ist Jesus!

Bleibt es so? . . . Gib acht, beunruhige mich nicht mehr. Ich aber, Jesus, sollte nur Schmerzen von dir erlangen; doch stelle mich zufrieden; dann wirst du sehen, wie ich dich befriedigen will . . .

Ich bitte nicht für mich darum; ich bitte für jene darum. Du, Jesus, siehst auch in ihr Inneres hinein.* (* Anmerkung: Du siehst daher, wie überaus notwendig es für jene Serie ist, von dir erleuchtet und unterstützt zu werden. Der in der Ekstase von Gemma erwähnte Name wurde hier ausgelassen.)

Dir gegenüber will ich mich ernst zeigen . . . Weißt du, wann ich dir wieder eine freundliche Miene zeige? Wenn du mir die Gnade erwiesen hast. Jetzt suche mir keine Entschuldigungen mehr; denke du daran, stelle mich zufrieden, dann will auch ich dich befriedigen.

Wohlan sag mir ja; du hast nur zu sagen: Ja, ich gewähre sie. Tust du es auch wirklich? Schaue nicht auf mein Verdienst, blicke auf das Verdienst derjenigen, die darum bitten. Ich bin nicht allein, es gibt noch viele, die darum bitten.

Ich habe lange gewartet. Ich weiß es, Jesus, dass du es so zugelassen hast; aber denk daran . . . die Dinge stehen gar nicht gut.

Was lächelst du, Jesus? Weißt du, wann ich lachen werde? Wenn du mir diese Gnade verliehen hast.

Ich bin auch zufrieden, da du mich gerne hast; allein . . .

Was sagst du: ob ich die Gnade wolle? Ich will sie freilich.* (* Anmerkung: Gemma erbittet hier eine zweite Gnade: bald in ein Kloster eintreten zu können.)

 Du fragst immer, ob ich dich liebe. Wenn du wieder fragst: Gemma, hast du mich gern, antworte ich einfach mit nein. So viele Gnaden hast du mir schon erwiesen, die notwendigste willst du mir seht nicht gewähren? Vergiss nicht, dass ich sie will. Gewährst du mir diesen Trost? Mache immerhin, dass mein Leiden härter sei als das deine, aber gib mir die Kraft dazu.

Aber, Jesus, du siehst doch, wenn du die Sache so hinausziehst, kann ich dir nicht dienen, dich nicht lieben, wie ich möchte; ich bleibe in der Welt und begehe Sünden. Wenn ich dann leide, Jesus, siehst es nur du . . . die andern sehen bloß das äußere, du siehst auch ins Herz hinein.

Langweile ich dich? Wenn ich dich angeekelt habe und du meiner überdrüssig bist, dann wirst du schon sagen: Ja, ich gewähre dir die Gnade.

Welch schöner Tag, Jesus! Glaubst du, ich verlange dies, um nicht zu leiden? Wenn ich leben müsste, ohne zu leiden, würde ich dir sagen, lass mich gleich sterben.

Wenn du mir am Samstag die Gnade* verleihst (* Anmerkung: Hier bittet sie um eine dritte Gnade, sie bittet um Leiden, aber so, dass diese Leiden Uneingeweihten nicht auffallen. Jesus antwortet ihr, sie möge sich zufriedengeben, Gemma nimmt das Opfer an und bittet wieder um die zuerst genannte Gnade.), (ich sage die Gnade, es ist aber keine Gnade).

Größer könnte dieses Opfer nicht sein. Je weiter es geht, desto ähnlicher werde ich dir. Wer weiß, wie oft ich dich verlassen hätte, wenn du mich nicht so am Kreuz festhieltest.

Ich erwarte dich, Jesus. Höre, Jesus; wenn du es bist, gewährst du mir dann die Gnade? Jesus versagt keinem etwas. Erweisest du jener Person die Gnade? Für mich ist es ein Opfer; ich muss da sein, sorge du für alles. Wenn sie mehr tun, als sie tun dürfen, dann strafe sie.* (* Anmerkung: Sie meint die Untersuchungen an ihrer Person über die Echtheit der Wundmale bei ihr.) Auch der Doktor ist gut; du selbst hast es mir gesagt.

Mein Engel, wenn ich aufhöre zu beten so bete du.

Bleibt es nun so? . . . Stelle mich zufrieden. ...

Dann?

Es schien mir unmöglich, dass du es mir nicht gewährtest. Ich falle dir nicht mehr lästig, Jesus Ich habe noch so vieles . . . Aber jetzt spreche ich von nichts anderem zu dir . . .

Bravo! . . . Du hast es mir versprochen . . . zeige du ihm, wie er vorgehen muss.

Ich sage und rede; aber mir glaubt niemand. Höre, Jesus, wenn ich Sünden begehe, so mache mich sofort darauf aufmerksam. Aber wenn sie erkennen, dass du es bist!

Ich rede und sage, allein mir schenkt niemand Glauben. Du weißt es besser als ich, was man alles gesagt hat.* (* Anmerkung: Sie meint damit die unfreundlichen Auslegungen der außerordentlichen Zustände, die bei ihr zutage traten.)

 

12. Sie freut sich beim Anblick Jesu, wagt aber nicht, sich ihm zu nähern, weil sie sich für unwürdig hält. Ihre Gefühle klingen aus in dem Wunsch: Jesus auf Erden, Jesus im Leben, Jesus im Himmel.

 

Jesus, lass mich dir mein Leid klagen . . . Nach so langer Zeit bin ich jetzt wieder bei dir. . . 

Jesus, verlasse mich nicht mehr. Wenn du weggehst, will ich mit dir kommen. Jesus . . . welche Freude, wenn ich dieses Wort ausspreche! Jesus, wann wird der Zeitpunkt kommen, dass ich mich mit dir vereinigen, nie mehr von dir getrennt werden kann? Zerbrich sie bald diese Kette, die mich an den Körper fesselt, damit ich nicht mehr leide, wenn du dich entfernst. Wann, o Jesus, wann wird dieser Augenblick kommen?

Jesus, ich kann mich dir nicht nähern; siehst du nicht, wie ich bin? O Jesus, ich habe dich beleidigt, oft habe ich dich beleidigt; mein Herz ist nicht mehr so rein, wie du es mir gegeben hast.

Bin ich aber deiner Liebe würdig? Sage es nicht, Jesus; ich kann deine Freude nicht sein; siehst du nicht, wie ich bin?

O Jesus, nein . . . Mein Herz ist voll irdischer Gedanken und Gefühle . . . Meine Gedanken kommt, kommt doch alle zu Jesus. Ja, Jesus, von diesem Augenblick an sei du der Herr all meiner Gedanken.

Ja, ich liebe das Kreuz, das Kreuz allein; ich liebe das Kreuz, weil ich es immer auf deinen Schultern sehe. Mein Jesus, jetzt erkenne ich deutlich, dass meine Liebe ganz dir und deinen Leiden zugewendet ist. 

O Jesus, o mein Jesus ... du allein vermagst zu begreifen, welches Leid es sei (die Dornenkrönung).

O Gott, mein Kopf! . . . Verzeihe, Jesus, allen, die dich gekrönt haben ... O Gott! Jesus, ich sterbe; Jesus, ich sterbe! . . . Mein Gott!. . .

Und dann, Jesus, erwidere ich deine Liebe so wenig. Jesus, ich will nichts andres als dich, nach dir allein verlange ich, sonst nach nichts.

Sei versichert, Jesus, ich verlasse dich nicht mehr. Ist es möglich, Jesus, dass man dich nicht liebt? Mag die Welt kommen mit all ihren Täuschungen.

Jesus, ich habe keine Kraft mehr, ich will Stärke, Jesus . . . und dann noch etwas, ich will auch Mut.

Du sagst also, man bereite mir eine recht hässliche Zukunft? Doch die Zukunft ist in Gottes Hand, somit erschrecke ich nicht; ich habe nichts, du aber besitzest alles. Ich möchte dich zufriedenstellen, ich wollte so vieles für dich tun . . .

O Jesus, lässt du mich so? Siehst du nicht, Jesus, dass ich dein Herz nötig habe, um den liebevollen Schlägen des meinigen freien Lauf zu lassen? Jesus, jetzt, da ich vom Leiden ermüdet bin, ruhe ich nahe an deinem Herzen.

Siehst du nicht, wie ich bin? Wie kannst du bloß wünschen, dass ich vor dich hintrete? Ich habe nichts für dich getan, ich errege vielmehr dein Mitleid. Auch das Mitleid deiner Mutter errege ich. 

Welche Fragen! ob du mir genügst! Gewiss, Jesus, genügst du mir; ich wünsche nur dich, Jesus.

O Jesus, auch heute wiederholst du mir jene Worte? Genüge ich also dir, Jesus? Siehst du aber nicht, wie ich voll Sünden bin und so ganz kalt?

Jesus, ich möchte etwas, das mich noch mehr mit dir vereint; ich möchte ganz dir angehören, und zwar für immer. Jesus, merkst du nicht, was ich heute will; siehst du nicht, was ich von dir verlange? Jesus, verstehst du mich nicht? Jesus, ich will, dass du mir zeigest, du habest mich gern. Andere Male, wenn du es mir zu erkennen geben wolltest, liehest du mich die Wunden, die Dornen deiner Passion verkosten . . . Da bin ich, Jesus. O Gott . . . mehr, noch mehr! Jesus . . . mehr, noch mehr . . . Siehe, Jesus, jetzt weiß ich, dass du mich liebst, jetzt weiß ich es. Ich wünschte und wollte noch viel mehr . . . aber du weißt, wieweit meine Kräfte reichen.

Jesus, ich will dir noch etwas anderes sagen; wenn ich mich ins Gebet begebe, fühle ich keinen Eifer mehr.

Ich bete aber doch, Jesus. Ich sollte beim Gebete ermüden? das aber nicht! Was würdest du sagen, wenn ich nicht mehr betete? Ja, so oft ich mich ins Gebet begebe, werde ich immer beten. Siehe, Jesus, auch während der Nacht jene Stunden, jene Stunden!

Ja, ich schlafe, allein, o Jesus, das Herz schläft nicht, es wacht alle Stunden mit dir.

Maria, Jesus, euch beide liebe ich. Und ihr verlangt Liebe? Nehmt alle hin, ich besitze keine mehr . . . Das Herz, das bereits euch angehört, schenke ich euch neuerdings.

Komme, komme, Jesus; wenn du mir Freude bereiten willst, so sprich zu mir von deiner Wonne. Wie gut bist du, Jesus; wenn ich dir gegenüber noch so undankbar bin, so bewahrst du mir doch deine Liebe! Wie geduldig erträgst du mich doch! Ich merke es schon, Jesus, dass du oft unter meiner Armseligkeit zu leiden hast. Ich darf es sicher behaupten, Jesus, dass dein Herz mich nicht vergessen hat. Du bist mir überall hin gefolgt, selbst inmitten meiner so großen Leichtfertigkeit.

Und dann, Jesus, erinnerst du dich noch? All jene Zeit hindurch, die ich in leichtfertigen und eitlen Gedanken vergeudet habe, hörte ich immer deine Stimme und gerade dann hörte ich sie am meisten, wenn ich am wenigsten daran dachte.

Wie gütig bist du, Jesus, mein Vater! Lass mich es sagen, Jesus, denn niemand hört mich: Warum verbirgst du deine schönen Augen vor mir? Schließen wir einen Vertrag: Verbirg deine Augen immerhin vor mir, verweigere mir aber nie deine Freundschaft; denn daran würde ich sterben; versage mir nie auch nur einen Augenblick der Vereinigung mit dir. Wie glücklich bin ich, in dir einen Vater zu besitzen. Nicht wahr, Jesus, ich werde immer deine Tochter sein? Mein Vater, einzig in der Schönheit, wahre Freude jedes Herzens, das dich liebt. Welch schöne Tage sendest du mir, Jesus!

O Herz, mein Herz, warum brennst du nicht ganz, weshalb vernichtest du dich nicht in den Flammen Jesu? Ich liebe dich sehr, Jesus, und will dich immer lieben. Weißt du, warum ich in der Welt nie eine Liebe gefunden, so aufrichtig wie die deine? Weil deine Liebe unermesslich ist.* (* Anmerkung: Welch erhabener Gedanke: Die Liebe Gottes ist einzig wahre Liebe, weil sie unbegrenzte Liebe ist. Die Liebe der Geschöpfe ist begrenzt und als solche vermöchte sie das Verlangen des menschlichen Herzens, das aufs Unendliche gerichtet ist, nicht zu stillen. Ein erhabener Gedanke ausgedrückt mit der liebenswürdigen Unbefangenheit eines Kindes.)

Um dich zu lieben, liebe ich es, andere nicht zu lieben.

Jesus auf Erden, Jesus im Leben und Jesus im Himmel: siehe, was mich aufrechterhält. O Jesus, wer vermöchte zu sagen, was in einem ganz vor Liebe glühenden Herzen vorgeht? O Jesus, welchen Trost verschafft mir das Bewusstsein, dich zu besitzen. Wenn ich solchen Trost genieße des Morgens, wenn du dich Vater nennen lässt, was wird es dann erst sein, wenn ich dich meinen Geliebten heißen darf. Ja, Jesus, tröste diese deine arme Tochter und Braut . . .

Schnell, schnell, Jesus, erfülle mich mit jenem Geiste, der ganz Feuer ist, verlass mich nicht, ohne mir zuvor deinen Segen erteilt zu haben; mit deinem Segen verleihe mir auch Kraft.

Wo lässt du mich, Jesus? Ganz allein in dieser Welt, die ich eine finstere Heide nennen könnte!

Ich danke dir, Jesus, dass du mich diese Süßigkeiten verkosten ließest, ich bin aber gleichzeitig bereit, für jetzt und immer darauf zu verzichten.

Ich will nicht bloß davon sprechen, o Jesus, sondern auch von allen Freuden und Wonnen, die ich zeitlebens haben kann . . .

Mein Gott . . . mein Jesus! sollte ich nicht zufrieden sein, dass du mich mit den Geißeln deiner Kinder schlägst?

Nein, ich begnüge mich nicht damit . . .

Ich danke dir, Herr, für die Augenblicke des Friedens, ich danke dir; ich bin jedoch bereit, wenn du es wolltest, darauf zu verzichten. Ich möchte dich in diesen Augenblicken loben, und zwar würdig loben; wo ist aber ein Geschöpf, das dich würdig zu loben vermag? Da brauchte es einen reinen Geist; wo ist aber das Geschöpf, das rein empfangen ward? Die Engel und all die Tausende von Geistern mögen dich loben. Für alle diese Augenblicke des Friedens, die du mir verleihst, mögen die Engel und die Heiligen dir Dank abstatten für mich . . .

Mein würdigster und allweisester Gott, ich will dich loben, lieben, verherrlichen, unserem Feinde zum Trotz, zur Ehre deiner unendlichen Majestät.

Mein Jesus, sag mir, bevor du dich zurückziehst von mir, welches ist der schönste Schmuck, 

der mich zu deiner würdigen Tochter machen kann?

 

13. Ter Teufel erscheint ihr unter der Gestalt Jesu und sucht sie zu überreden, ihren Zustand nicht mehr dem Beichtvater zu offenbaren. Gemma verspürt eine ungewöhnliche Aufregung, fasst Verdacht, ruft Maria zu Hilfe, worauf der Teufel in die Flucht geschlagen wird. Sie beklagt sich bei Jesus über die Frechheit Satans und verspricht aufrichtigen Gehorsam.

 

Wo habe ich, Jesus, das Verlangen, so viel für die Sünder zu leiden? Jesus, wo ist die Hingabe an dich? O Gott . . . Jesus, ich bin ganz beschämt vor dir. Siehst du nicht, dass ich mich auch vor den Geschöpfen schäme?

Ja, Jesus, ich erkenne es, dass meine Liebe unvollkommen gewesen ist. O Jesus, einzige Sehnsucht meines Herzens, was werde ich machen, wenn du mir genommen wirst?

Jesus, hast du es heute Nacht gesehen? Hast du nicht bemerkt, wie mich der böse Feind gequält hat? O ich täusche mich. Wie soll ich es machen, um nicht getäuscht zu werden? Weißt du, was mir der Spitzbube weiß machen wollte? Du seiest ein Tyrann. Mein Jesus ein Tyrann? Also die aufs Gebet verwendete Zeit ist ganz verloren? Er sagt mir auch: selbst der Beichtvater täusche mich; soll ich also wegen der Worte des Beichtvaters verloren gehen? Hilf mir!

Gut, Jesus, sag mir es. Sei unbesorgt, Jesus, diese Worte werden meine Verteidigung sein; ich traue niemand, wenn er nicht vorher die Worte wiederholt; sagen wir sie zusammen: „Gebenedeit sei Jesus! Gebenedeit sei Maria!"

Welch ein Unterschied bietet sich mir dar! . . . Ich habe so vieles dir zu sagen, das ich hier verborgen halte . . . Ich leide, Jesus; aber niemand weiß es; ich leide allein.

Nein, das Leiden missfällt mir nicht; inmitten all der Schmerzen, die mich bedrücken, habe ich nur den einen Trost, dir etwas zum Opfer darbringen zu können.

Liebst du mich auch wirklich, Jesus? Wenn du mich liebst, so befreie mich von jenem Spitzbuben. Ich leide immer, am meisten aber, wenn jener Schurke sich naht. Auf denn, schick ihn zur Hölle! Verstehst du mich, Jesus, ich bitte nicht, dass du mich von der Versuchung befreist; nein, doch schicke ihn zur Hölle, entferne ihn von mir. Wohlan, Jesus . . . Meine Mutter, verlass mich nicht . . .

Was fühle ich heute in mir? O meine Mutter, ich habe Angst heute, ich bin in Furcht, weil ich sehe, dass du dich entfernst . . . Entferne dich nicht, meine Mutter, verlass mich nicht . . . Auch Jesus geht weg . . . Lass mich nicht in seinen Händen . . .

O Gott, da ist er! . . . Fort, fort, entfernt euch alle . . . Nein, Schurke, nein, mit dir will ich nichts zu tun haben, nein, nein, fort mit dir, fort! 

Verstell dich nur nicht, denn ich kenne dich heute. Gebenedeit sei Jesus! Gebenedeit sei Maria!

Lügner! . . . O weh! Ich habe dir schon gesagt, du seiest ein Lügner . . . Lügner, Lügner!

Meinst du, Jesus lasse mich nicht erkennen, wenn du es bist? Rase, wüte nur; da hast du einige! wüte nur; o weh, das sind deine!

Ich werde schon beichten gehen, gewiss werde ich gehen. Alles und jedes werde ich sagen; ja, alles gerade dir zum Trotz . . . O meine Mutter, Mutter! . . . Wozu wiederholst du das immer? Ich werde doch immer beichten gehen.

Was sagst du, Schurke? Ich sei stolz, weil ich beichte? Ich werde mich im Gegenteil immer verdemütigen. Warum* (* Anmerkung: Diese Schmerzensrufe, die während dieser Ekstase häufig wiederkehren, deuten die Schläge an, welche Satan ihr erteilte aus Wut darüber, dass er die heldenhafte Jungfrau nicht zu besiegen vermochte.) regst du dich so auf? Lügner, ich weiß; doch, dass der Beichtvater verschwiegen ist. Lügner, du errätst nicht eine . . . Was ist da nötig? Was habe ich zu tun, damit du mich gehen lassest?

Wo bist du, meine Mutter? Wie lange schon warte ich auf dich! Mutter, es ist Samstag, ach, Mutter! . . .

Pack dich fort, Scheusal! Ich werde beichten und recht aufrichtig sein dir zum Trotz; ja, dir zum Trotz werde ich aufrichtig sein. Geh weg, fort mit dir! . . .

Du bist mir zum Ekel und dann willst du nicht, dass ich von dir spreche! So lass mich doch in Ruhe.

Lügner, ich versichere dir, dass ich dies gerade zuerst dem Beichtvater sagen werde. Wenn du willst, dass ich nicht davon spreche, warum ekelst du mich denn an? Du fragst mich noch? Ja, dir zum Trotz werde ich beichten. Gewiss, ich gehe zur Beichte . . .

O Mutter, last nicht zu, dass er mich besiege! . . . Oh, ja, gewiss werde ich beichten, ja, ja, mein Gott! Meine Mutter, wo bist du? Weißt du nicht, dass heute Samstag ist? . . .

Ja, ja, dir zum Trotz will ich beichten und recht aufrichtig sein; gewiss! O weh!* ( * Anmerkung: Sie bekam neuerdings Schläge von Satan. Da sich Gemma in der Ekstase befand, wird niemand etwas Böses darin erblicken, dass sie sich mit Satan in einen Streit einlässt, wie unklug und gefährlich das an und für sich sein mag.)

O Mutter, meine Mutter, ich bin dein Kind, niemand auf Erden vermag mich von dir zu trennen . . . O Jesus, warum lässt du mich allein in diesen Augenblicken?

Du warst da? Es ist nicht wahr, dass du anwesend warst; ich habe mich so oft nach dir umgesehen, dich aber nirgends erblickt.

Du fragst, ob ich aufrichtig sein werde? Ja, ich werde alles sagen.

Ich weiß es, ich weiß es; ich weiß, was zuerst darankommt; das gestrige . . .

Aufrichtig und gehorsam; ich habe alles verstanden. Ich werde schon gehen. Ich habe ihm nicht nachgegeben; er war aber gerade so gekleidet wie du . . . gib ihm doch dein Kleid nicht mehr! Lass ihn als Teufel gekleidet erscheinen, sonst . . . für Augenblicke glaubte ich daran. Willst du noch mehr, Jesus? Wenn ich gebeichtet habe, komm und sag mir, ob du zufrieden bist . . .

O mein Gott, hilf nur! Erlaube ihm nichts mehr, jenem abscheulichen Feinde. Oder wenn du ihm wieder etwas gestattest, dann gib mir etwas mehr Kraft, denn sonst. . . .

 

14. Jesus befiehlt ihr, in allem dem Beichtvater zu gehorchen, der den Wunsch ausgesprochen hatte, dass die Wundmale der Passion bei ihr nicht mehr zu tage träten. Sie ist betrübt darüber, weil sie nun Jesus nicht mehr Trost bieten kann. Eine Bitte und Aufopferung.

 

Jesus, täusche ich mich nicht? Wenn es nicht Jesus, sondern Satan wäre, wollte ich ihn nicht. Schicke ihn fort.

Wie soll ich mir selber trauen können? Dann also, Jesus, versicherst du mich des Gegenteils? Hier in der Nähe deines Herzens bringe ich dir das Opfer meines Lebens neuerdings dar.

Jesus, sag mir alles, ich will es dem Beichtvater mitteilen. Ich wiederhole jedoch, es ist etwas, das mir sehr zuwider ist. Wenn du es aber willst, tue ich es.

O Jesus, was befiehlst du mir? Wohlan, du willst also, dass ich dem Beichtvater gehorche? Lehre du mich es . . .

Heute, Jesus . . . heute will der Beichtvater das Blut nicht. Er will nicht . . . o Jesus . . . ich muss gehorchen.

Armer Jesus, du hast niemand, der dir hilft. Jesus, der Beichtvater hat mir alles verboten; es bleibt mir kein anderer Trost als das Gebet. Ich bin von allem entblößt . . .

Sei unbesorgt, Jesus, kein Mensch auf Erden wird mich von dir trennen können . . .

Nein, nein, ich kann dir nichts geben . . . nur eine Stunde,* (* Anmerkung: Der Beichtvater wollte, dass sie nicht über eine Stunde diesen innigsten Verkehr mit Gott pflegte; er tat dies zur Prüfung Gemmas, dann wohl auch aus Furcht, durch allzu ausgedehntes Gebet könnte ihre Gesundheit Schaden leiden.) nicht länger darf ich mich mit dir unterhalten. Ich habe dich diesen Abend so sehnlich erwartet . . . O mein Gott! Du allein, Jesus, weißt, welche Nächte ich verlebt, was ich alles durchgemacht habe . . . Jesus, du weißt, ob meine Kräfte standhielten . . . jetzt hat der Beichtvater Angst, sie reichten nicht mehr aus . . . Lass mich, Jesus! Der Freitag wird kommen, allein mir wird er nicht mehr als Festtag erscheinen. Der Freitag war für mich ein Festtag . . . Jetzt ist er es aber nicht mehr, ich leide sogar mehr, weil ich dir nicht helfen kann (indem ich mit dir leide).

Wie unähnlich bin ich dir. Aus Liebe zu den Geschöpfen hast du alle Leiden auf dich genommen; und ich? . . . Jesus, wenn es möglich ist, entferne diese Qualen von mir; halte fern von mir diese letzte Art von Qualen, die du mir gesandt hast.

Dann geschehe dein Wille! Aber, Jesus, wenn du wirklich willst und wünschest, dass ich auf dieser Straße gehe . . . Jesus, mein Jesus, alles . . . O teurer Gehorsam, du nimmst mir alle Süßigkeiten der Eigenliebe, ich kann die Stunde kaum erwarten, dich zu umarmen.

Was du mir sonst noch diese Nacht befohlen hast, wie ein Leichnam mich zu benehmen, das werde ich ausführen; aber wie soll ich das andere machen? Jesus, ich werde nichts tun, ohne dich vorher befragt zu haben; weißt du aber nicht, Jesus, dass ich mich täuschen kann? Blinder Gehorsam? O mein Jesus, gerade der ist mir besonders lieb.

Ich will dir etwas anempfehlen; ich wiederhole, was ich dir schon sagte. Sollte zur Beseitigung jener Sünde mein Leben notwendig sein, so biete ich es dir dar. Es wäre kein Opfer für mich zu sterben, um mich mit dir zu vereinigen. Ja, wenn der Gehorsam es mir gestaltete, würde ich gern um diese Gnade bitten. Ja, Jesus, wenn der Beichtvater gestattet, dass ich um die Erlaubnis zu sterben bäte, würde ich es sogleich tun.

Höre einmal . . . Der Beichtvater sagt, ich solle bei dir darauf dringen, dass hier das Kloster errichtet werde; er schickt mich nämlich nicht gern von Lucca weg; ich sei, meinte er, schlimm und solche Seelen wolle er in seiner Nähe behalten. Er sagt, ich verlege mich nie recht aufs Gebet in dieser Angelegenheit. Siehst du nicht, Jesus, wie übel es um mich steht? Führe den Tag doch bald herbei!

Er hat gesagt, er habe ein großes Verlangen, dieses wichtige Werk bald vollendet zu sehen. Du selber bist es gewesen, der mir dieses sehnliche Verlangen ins Herz gelegt hat, denke du daran. Versprichst du mir alles, wenn ich gehorsam sein werde? . . . Du hältst aber auch, was du versprichst, nicht wahr, Jesus?

Ich sehe sie schon, Jesus, deine Hände, aber ich darf nicht.

Es ist wahr, ich bin nicht wie die anderen Male betrübt darüber, dass der Beichtvater mir diese Dinge wegnahm; und doch leide ich sehr. Allein Gehorsam ist besser als Opfer.

Ich kann nicht mehr zum Beichtvater gehen bis am Sonntagmorgen; ich darf nicht mehr zu ihm gehen.

Er (der Beichtvater) gestattet mir auch dieses, Jesus, (was du eben sagst): Was immer du mir sagst, erlaubt er mir alles. Was er mir nie wegnimmt, ist das Gebet.

Der Morgen (Freitag) wird anbrechen . . .wer wird mich senden? Sei unbesorgt, Jesus, niemand auf Erden vermag mich von dir zu trennen.

Alle Leiden, Verdemütigungen, auch den Husten . . . alles opfere ich auf zum Troste der Armen Seelen im Fegefeuer, die so viel leiden. Und ihr, die geliebten Bräute des göttlichen Lammes, bittet für mich, die immer in Gefahr ist.

In allem überlasse ich mich deinem Willen . . . in Bezug auf die letzte Gnade aber . . . diese musst du mir um jeden Preis sofort verleihen.* (* Anmerkung: Sie meint die Gnade, heilig zu werden.) Weißt du nicht, dass ich vom Beichtvater den Befehl erhalten habe, bald heilig zu werden, und zwar recht bald. Wäre ich bloß etwas sicher, in deiner Gnade zu sein, o Herr! . . . Wann werde ich sagen können: ich gehöre ganz meinem Gott an? Wann, o Jesus, werde ich das sagen können? . . .

 

15. Sie fürchtet immer getäuscht zu sein. Sie bemitleidet Jesu, der sich ihr im schmerzhaften Geheimnis der Geißelung zeigt. Sie betet für die Sünder und bringt sich für dieselben zum Opfer dar.

 

O Jesus, ich fürchte, der Teufel müsse mich betrügen. Ich will diese Visionen nicht, ich wünsche bloß, dass du mir alle Sünden verzeihst. Lass nicht zu, dass mich der böse Feind hintergehe.

Darf ich aber mir selbst trauen?

Wie bleibe ich da frei von Täuschung?

Hast du mich also bisher geliebt? Du hast mir so viele Gnaden, so manche Begünstigung erwiesen; was habe ich für dich getan?

O Jesus, wie siehst du aus? Was ist aus dir geworden? O, die hochheilige Person Jesu ist allen zum Gespött geworden; sie fluchen meinem Jesus, sie misthandeln meinen Jesus, sie tun ihm Schimpf und Schande an. Noch mehr, Jesus, staune ich, wenn ich dich in den Verdemütigungen erblicke; davon will ich gar nicht sprechen. O, wenn ich könnte, Jesus, wollte ich mit meinem Blut . . . wollte ich mit meinem Blut alle jene Orte waschen, wo ich dich misshandelt sehe.

Wie, hat die Liebe soviel vermocht in deinem Herzen?

Jesus, was tun dir jene Bösen an? . . . Werden sie nicht müde? . . . Nicht mehr jene Schläge auf dich, Jesus, ... du verdienst sie nicht, ich schon . . . nicht dich sollen sie treffen, sondern mich; ich habe gesündigt, du bist schuldlos; ich habe so viele Sünden begangen.

Mein Jesus, mein Herz ist betrübt, meine Seele kann nicht mehr. O Jesus, verlass mich doch nicht . . . Jesus, gib mir jetzt etwas Kraft; hilf mir, denn ich habe dir so vieles zu sagen.

Ich möchte noch länger da sein, weißt du, Jesus, um die Betrachtung mit dir zu machen; aber mehr als eine halbe Stunde wird mir nicht erlaubt.

Warum wolltest du mich heute nicht deine Schmerzen fühlen lassen? Willst du mir Geschenke machen, so lass mich leiden. Ich wiederhole es dir und habe es schon gesagt, ich freue mich, wenn ich mit dir leide; andere Tröstungen verkoste ich nicht.

Jetzt aber, Jesus, befriedige mich. Es ist nicht mehr Zeit, dass du so sehr leidest . . . nun trete ich ein, jetzt komme ich an die Reihe. Denke an die Sünder. Weißt du, wer mir verboten hat, an die Sünder zu denken? Der Teufel . . . Du aber, Jesus, denke an die armen Sünder; ich empfehle sie dir. Lehre mich recht vieles für sie zu tun, um sie zu retten. O Jesus, siehst du, wie vieles ich benötige?

Was tust du, Jesus? Nachdem du so vieles für mich getan hast, gehst du dazu über, mir dein Herz zu offenbaren. Wenn doch alle Sünder zu deinem Herzen kämen! Kommt, Sünder, ohne Furcht, denn das Schwert der Gerechtigkeit erreicht euch da drinnen nicht. Warum, o Jesus, muss dein so gutes, so heiliges Herz von allen am meisten Qualen erdulden?

Ja, ich bin zu allem bereit, Jesus. Warum lässt du mich aber jedes Mal, wenn du dich vor mir zeigst, ganz entbrennen?

O wie schön ist dein Herz! O Jesus, ich möchte, ich wollte, dass meine Stimme bis zu den Enden der Welt reichte . . . dann wollte ich alle Sünder zusammenrufen und ihnen sagen, sie sollen doch eintreten in dein Herz.

Sage mir, Jesus, wird es ein Herz geben, das sich nicht voll Liebe fühlt? Wenn es solche gibt, so zeig mir sie . . .

Bringen sie dich sogar zum Weinen? O Gott, Jesus, verlasse diese armen Sünder nicht. Ich bin bereit, alles für sie zu tun. Du bist am Kreuz gestorben, lass auch mich sterben. Alle sind sie deine Kinder; wenn sie aber deine Kinder sind, dann verlasse sie nicht. Ich will alle gerettet wissen, Jesus. Wenn du sie verlässt, dann ist keine Hoffnung mehr . . . Bis du mir gesagt hast, du wollest alle retten, werde ich . . . Soll nicht ich für sie leiden? Also wende dich gegen mich. Sünder hast du viele, Sühnopfer gar wenige.

Ich Sühnopfer? Ja, Jesus; aber Sühnopfer sollten schuldlos sein; ich bin aber durchaus nicht schuldlos. Rette du sie, Jesus, rette sie!

Ich habe so viele Sünden begangen und du hattest Erbarmen mit mir. Warte, warte noch etwas zu, bevor du sie strafst. Warte noch, Jesus, wende dich gegen mich in deiner ganzen Strenge. Welche Art von Leiden du mir senden magst, ich weise keine zurück.

O Jesus, warum willst du ihnen heute Abend nicht verzeihen? Ich will das Sühnopfer aller Sünder sein. Sag mir es, Jesus, dass du alle gerettet haben willst . . . Was sagt dir deine Mutter? Welche Leiden du mir immer senden magst, ich nehme alles an. Sie beleidigen dich, räche dich dafür an mir. Du bist auch für sie am Kreuze gestorben; warte auf sie, o Jesus! Stelle mich zufrieden Jesus, warte noch zu, sie könnten sich bekehren.

Meine Mutter, denke du daran . . . Befriedige mich, Jesus, warte, warte noch zu; ich will schauen, ob es mir gelingt, ich will viel leiden. Wir alle sind Kinder desselben Vaters; warum rettest du sie nicht?

Du kannst also wirklich nicht mehr, Jesus? Wende deinen Zorn gegen mich. Ich will ganz Sühnopfer sein für die Sünder, als ein solches Sühnopfer will ich leben und sterben.

Weißt du, Jesus, heute mache ich die „drei Stunden“ mit dir, damit du alle Sünder rettest; denn sie liegen mir gar sehr am Herzen. Du weißt auch, Jesus, welcher aus ihnen mir besonders nahe geht. Du musst mir es sagen, ich will wissen, ob er gerettet ist. Für alle, insbesondere aber für jenen bitte ich dich, alle sind sie deine Kinder, rette sie! . . .

Starker Jesus, verleihe mir mehr Kraft. Jesus, in diesem Monat will ich dich recht sehr lieben.

Ja, Jesus, wer wahrhaft liebt, leidet gern. Ja, Jesus, jetzt, da ich bei dir bin, hätte ich so viele Kraft zum Leiden . . . Jetzt will ich es dir sagen . . . Ich hätte auch den Wunsch nach dem Martyrium, ich hätte so viel Kraft; . . . wenn aber du dich entfernt hast, verfalle ich in die gewohnte Schwachheit.

Was sagst du, Jesus? Du meinst, ich sei klein . . . Ich bin groß.* . . . Ich tue so, weil ich schlimm bin . . .

(* Anmerkung: Wegen der Größe ihrer Wünsche und wegen des guten Willens, von dem sie ganz erfüllt war.)

Jesus, Jesus, lass mich mit dir kommen . . . Wann, wann wirst du mich wollen, Jesus? Bald? Wann? . . .

 

16. Von den Leiden bedruckt, bittet sie um Befreiung davon, verbessert sich aber sogleich und bekennt, noch größere Leiden verdient zu haben. Sie bittet für eine ihr teure Person; sie will für dieselbe jedes Opfer, sogar das des Leben auf sich nehmen.

 

Immer bin ich auf der Suche nach dir, mein Gott.

Ich verdiene noch schlimmeres; wenn es dir aber gefällt, so befreie mich; tue jedoch stets nach deinem Willen. Ich will meine Pflicht tun, ich will dich anbeten, weil ich dich als meinen Gott erkenne. Ich verdiene schlimmeres.

Verachte mich nicht so, o Jesus; du wirst sehen, mit deiner Hilfe werde ich alles ausführen können.

Ich tue, was in meinen Kräften liegt, aber deine allvermögende Hilfe ist notwendig.

Es ist wahr, es ist ganz richtig, dass ich diese schweren Leiden erdulde; lässt du mich aber nicht viele Tage hindurch im Frieden? Sie machen mir auch Vorwürfe, es ist wahr; du aber littest dein ganzes Leben hindurch, alle Augenblicke; nicht bloß alle Stunden, sondern in jedem Augenblicke . . . und ich?

O ja, Jesus, aber recht gerne. Weißt du es nicht, Jesus? Ich habe dir bereits gesagt, dass ich aus Liebe zu dir zu jedem Opfer bereit bin. O Jesus, dich lieben, für dich leiden! Wie oft in diesen Tagen habe ich das Opfer des Lebens gebracht I . . . Ich tue für dich alles, was du willst. O gut! Die Opfer in diesen Tagen habe ich zu bringen gelernt.

Ich weiß es, Jesus, welches das große Opfer ist; auch das größte davon will ich bringen. Gewiss, ich tue es gerne, was täte ich nicht für dich, Jesus! Das Opfer, welches du mir aufzuerlegen bereitstehst, erbitte ich selber. O Jesus, wie groß erscheint — es mir, wenn ich daran denke; ich bringe es aber doch, weil es mir scheint, du wolltest es.

O Jesus, ich fühle und merke es, der Augenblick des Opfers naht heran. Ich sollte mich nicht für dich opfern? Jesus, von nun an will ich dich lieben. . . . Jesus, ich möchte dich nicht mehr leiden sehen, ich allein möchte alles erdulden. . . . Ich fühle es, wie mir jene Flüche weh tun.

Wer, Jesus, verursacht dir solchen Schmerz? Es sind die Sünden, die Sünden! Was täte ich nicht, um die Sünden zu verhindern! O Jesus, ich täte so vieles, um sie zu verhindern, aber ich bin nicht imstande dazu.

Warum, Jesus? Doch ja, ich liebe dich sehr; ich habe es dir schon sovielmal gesagt; wenn ich an dich denke, arbeite ich nicht einmal; denn siehe, o Jesus, alles, was du mir aufgetragen hast, habe ich ausgeführt. .. . Willst du noch mehr von mir? Wohlan denn, sag mir es, denn ich tue alles; du wirst nicht mehr über meine Kräfte hinausgehen, 

denn du siehst es . . . Manchmal bin ich müde, wie erfreut und befriedigt bin ich aber, wenn ich dir nahe bin, wenn ich an deinem Herzen ruhen darf!

Siehe, Jesus, ich habe dir gestern und heute gehorcht. Und doch habe ich das Opfer gebracht. Wie zufrieden fühle ich mich!

O Jesus, deine Dinge sind auf Augenblicke alle mir zugestoßen; eines allein bleibt noch, ein einziger Trost ist noch übrig; und dann hast du sie mir alle genommen, das letzte sagtest du mir zuletzt, es wird mir auch zuletzt fehlen.

Aber, mein Jesus, du treibst Scherz mit mir; du stellst dich, als wissest du nichts und dann weißt du alles. Erinnerst du dich nicht mehr an jene letzten Worte, die du mir an jenem Tage sagtest: „Es wird dir selbst der letzte Trost, weinen zu können, abgehen." Willst du mich dieses Trostes sofort berauben, so tue es nur; du hast mir einen Trost genommen, von dem ich es nie geglaubt hätte, es sind seither zwei oder drei Tage verflossen       

Sei unbesorgt, Jesus, ich werde dich immer, immer lieben; siehst du nicht, dass ich an dich denke, sobald es Tag zu werden beginnt, sobald der Abend hereinbricht? Immer will ich dich lieben. Da hast du einen Beweis dafür, lieber Jesus: ich bin zum Opfer bereit. Ich bin zu allem, zu jedem bereit! Mein Engel, frage Jesus, was er will, ich habe ihn nicht verstanden. . . 

Ich bitte, Jesus . . . Siehe, Jesus; sie haben sich an mich gewendet, wissen aber wohl kaum. 

wer ich bin; hoffen jedoch, etwas durch mich zu erlangen. Auch das, Jesus? Jesus, erweise ihr doch diese Gnade. Wenn es nötig wird, dass ich Opfer bringe, um jene Person zufrieden zu stellen, so Iah mich nur immer in der Trübsal . . . immer, so lange ich lebe; ihr aber spende Trost. O Jesus, sag mir einmal, hast du sie wirtlich gern? Dann tröste sie. Ich habe heute so vieles für mich zu erbitten; doch sage ich absichtlich nichts von mir; nur für sie bitte ich.

Du weißt aber nicht, Jesus, dass die Sache eilig ist; sie will die Gnade sofort; doch du, Jesus, musst diese Dinge wissen.

Mir liegt nichts daran zu wissen, wer es ist, mir genügt es, dass sie die Gnade bekommt.

Ich habe einfach im Gehorsam für sie gebetet; erkannte indes sogleich, dass es eine dir teure Seele ist. Jesus, ich lege alles in deine Hände; erweise ihr doch die Gnade! Wenn ich inne werden könnte, dass sie dieselbe bald erlangt. Sag mir etwas; weiht du nicht, was ich antworten muh?

Du hast Recht; gib du es mir an, wie du es auch schon andere Male getan hast.

Mein Jesus, heute will ich dir etwas anderes sagen. Es betrifft eine Person, die ich dir noch nie empfohlen habe; heute fühle ich wirklich das Bedürfnis, sie dir zu empfehlen. ... Ich empfehle sie dir; vergelte ihr die Sorgfalt, die sie mir erwiesen hat. Wohlan, Jesus, ich möchte in irgendeiner Weise meine dankbare Gesinnung beweisen; ich verstehe aber nicht. . . . Jene Dame hat sie mir empfohlen; also stelle sie zufrieden ... gewähre ihr jene Gnade; du siehst doch, mit welchen, Nachdruck sie mich darum bittet. Befriedige beide zusammen. . .. Halte mich in den Verdemütigungen; in diesem Augenblicke fühle ich die Kraft dazu; aber sei ihnen zu Willen. Sag mir, Jesus, was muhte ich tun, um diese Gnade zu erlangen? Ich weiß nicht, ob es eine große Gnade ist; wäre dazu aber mein Leben erfordert: da bin ich; denn die Hingabe meines Lebens ist nicht sowohl ein Opfer als vielmehr eine Gnade. . . . Mein Jesus, ich weiß nicht, was ich dir sonst sagen, was ich dir sonst opfern könnte. Erfülle ihren Wunsch und las; mich mein Leben lang in der Trübsal. Bon diesem Augenblicke an verzichte ich auf jegliche Freude. . . . Mein Leben sei ein beständiges Opfer; vermehre meine Schmerzen; vergrößere auch meine Verdemütigungen. . . .

Jesus, noch etwas. Vermehre mein Kreuz, dehne es aus, Jesus. Jesus, ich habe den Mut, dich uni alles zu bitten. Ich beteure dir sogar, dass ich, um diese Gnade zu bekommen, selbst das Opfer brächte, nicht ins Kloster zu gehen; doch davon darf ich nicht reden.*) ") Weil er ihr vom Beichtvater verboten worden war.

Es kommt mir noch etwas in den Sinn ... du weißt, wovon ich sprechen möchte.... Alles, jedes Opfer, Jesus.. .**)

") Da ersehen wir neuerdings, wie sich Gemma In der Ekstase an alle Personen, an jede Anliegen erinnerte, die Ihr empfohlen worden waren, und mit welchem Eifer und Feuer sie dieselben ihrem Gotte vorstellte. Glücklich

 

17. Nach dem Brot des Lebens hungernd, wünscht sie zu leben, um mit Jesus für die Sünder zu leiden.

 

Mein Jesus ist nahe. . . . O Jesus, ich fühle dich doch. . - - Jesus, warum lassest du mich so viel leiden? Komme, Jesus, ich fühle dich, du bist nahe... . Jesus I . . . O Jesus I... O mein Sott! . . -

O mein Jesus, wie sehr leidest du . . . Erinnerst du dich nicht mehr daran, o Jesus, dass ich mit dir leiden will?

Nein, Jesus, ich bin nicht müde: nun wirst du es sehen.

Ja, Jesus, ich will leiden, aber leiden im Vereine mit dir.

Wann es dir gefällt, wann du willst, Jesus. Ich liebe dich immer; aber ich möchte wirklich, Jesus, dass du mich nicht allein liehest ... ich will mit dir dulden. Aber jetzt allein, Jesus!

Nein, Jesus, ich will auch nicht sterben, nein; ich will stets leben, um recht viel zu leiden, um

dich recht sehr zu lieben        Aber, Jesus, liebst du

mich noch?... O Jesus, aber du hast so viel gelitten.

Mache nur die Probe, dann wirst du sehen . . . siehst du nicht, dass es mein einziger Wunsch ist, dir leiden zu helfen?

Jetzt, jetzt, auch jetzt, Jesus, ja auch jetzt. Mein Leib ist bereit, ich bin ganz bereit.

all jene, für die Gemma betete und vom Himmel aus immer noch betet! 

Heute Abend, verstehst du mich, Jesus, verlast mich nicht: wie sollte ich es machen? Mein Jesus, nur eine Stunde, nicht länger! (darf ich mit dir verkehren).

Was du willst, Jesus. Ich habe mich ganz dir übergeben, betrachte mich als dein.

Ich habe dich so sehr gesucht, Jesus, ich habe dich an so manchen Orten gesucht; ich fand dich aber nie. Du warst aber ganz allein. Hast du niemand bei dir? Viele Seelen, das ist wahr, sind dir teurer als ich. Auch ich will brav sein. Ja, Jesus ... ich liebe dich sehr.

Man leidet, weißt du, Jesus, man leidet so sehr, wenn man jemand liebt. Man kann nicht immer bei jener Person bleiben. Am meisten leide ich, wenn du fern bist.

Liebst du mich wirklich, Jesus? Ich habe so viele Sünden, so manche Fehler; sag mir, errege ich nicht dein Mitleid? Wenn ich dein Mitleid errege, warum lassest du mich allein?

O Jesus, für wen muh ich beten? Du selber, Jesus, empfiehlst mir die Sünder. Erinnere dich, Jesus, dass sie alle Kinder deines Blutes sind.

Leidest du für sie? Auch ich, Jesus, leide heute Abend recht gerne, aber mit dir, in deiner Nähe; denn in deiner Nähe leidet man fast nichts; allein aber nicht. Jesus, Jesus, kehre heute Abend zurück. . . .

Warum bist du so betrübt meine Seele? Du beleidigst deine Liebe, wenn du das Kreuz nicht mit Freuden umarmst. Du kümmerst dich nicht um den Himmel, wenn du deine Gedanken nicht aus Kalvaria richtest. Betrübe dich nicht, meine Seele, von Ewigkeit her bist du verlobt mit Jesus, aber auch mit seinen Schmerzen, du bist verpflichtet, am Kreuze zu leben.

O Jesus, o Jesus, Jesus mein Gut, ich habe Hunger nach deinem Brote des Lebens, mich dürstet nach deinem Blute im Sakramente. . . .

Weißt du, meine Seele, warum ich will, dass du das Kreuz umarmst? Weil du in Gefahr bist . . . wenn dich das Kreuzesholz nicht etwas niederdrückt.

O Jesus, ich weiß, dass dir das Kreuz lieb ist; auf das Kreuz hast du alle deine Zärtlichkeit und Liebe gesetzt. Deiner Liebe steht es aber nicht an, es mir zu verweigern, denn ich bitte dich darum. Hefte meine Seele ans Kreuz und lass mich sterben. Mein Jesus, mein angebetetes Gut, wie sehr liebe ich dicht

Ich verstehe, ich begreife dich, mein Jesus; ich habe dich wohl verstanden. ... Ich liebe dich, ich liebe dich. Meine Gesinnungen, meine Gefühle, ruft alle: Wer ist dir ähnlich, mein Gott? Wer ist dir ähnlich unter den Göttern? <Ps. 85,8).

O Macht der Liebe Jesu l Deine Zärtlichkeit, o Jesus, überwindet meine Kälte. . . . Komme, komme, Jesus. Lass mich, o Jesus, meine Ohnmacht immer besser erkennen. Es lebe Jesus! Ist er auch meiner müde geworden, so verweigert er mir doch nicht seine Liebe. Latz mich es nochmals sagen: Ich suche deine Liebe ... ich suche die Leiden ... ich suche die Schmerzen ... Die Süßigkeiten, nein, die verdiene ich nicht. Ich habe sie mir nicht verdient, wenn du sie mir auch noch so freigebig verleihst.

Was findest du nur an mir, Jesus? Du wirst Schwachheit, Elend, Sünden vorfinden. Nun möchte ich dir sagen, ich finde mich ganz erfüllt von dir; ich möchte dir raten: Entferne dich von mir! Doch nein; ich fühle, wie gut du bist. Gestatte, Jesus, dass ich noch in deinem Herzen verweile.

 

18. Da sie wegen unbegründeter Furcht die heilige Kommunion unterlassen hatte, erscheint ihr Satan. Sie vertreibt ihn und ruft Jesus zu Hilfe. Bei diesem entschuldigt sie sich wegen der Unterlassung der Kommunion und lädt ihn ein, in ihr Herz zu kommen. Ihre Sehnsucht, ihre Liebe, ihr Versprechen, die Kommunion nicht mehr zu unterlassen.

 

O Gott! . . . Nein, hässliches Tier, nein; dich will ich durchaus nicht. . . . Mein Jesus, hilf mir! . . . Dich will ich schon gar nicht, dich .. - O, wo ist mein Jesus hingegangen? Wo bist du, Jesus? . . . Nein, nein . . . mit dir nicht. . . fort mit dir, schaff alles weg. . . . Mein Jesus, ich kann mich nicht mehr retten, es ist keine Hoffnung mehr.

Es ist wahr; Jesus ist heute morgen nicht in mein Herz gekommen; aber du sollst schon gar nicht eintreten; nein, dich will ich nicht darin haben. Jesus, schaffe ihn mir weg; ich verspreche dir, die Kommunion nicht mehr zu unterlassen, nie, nie mehr. Jesus, entferne ihn, fort, fort! Jesus, lass nicht zu, dass ich heute in eine Sünde falle.

Wie, Jesus, du gestattest, dass der Teufel deinen Platz einnimmt?*) Siege du, Jesus, in meinem Herzen, das nach dir seufzt. Mache schnell, beeile dich, Jesus, denn mein Herz verlangt nach dir. Beeile dich, du siehst doch, wie es leidet! Schaffe mir jenen Lügner fort! Mache schnell, damit er nicht lamme . . . wie ich leide! . . . Jesus, wo bist du? Komme, Jesus, entferne jenen Lügner von mir; siehst du ihn nicht? Er will mich in Sünde stürzen.

Nein, nein, denn in meinem Herzen weilt Jesus. Komme, Jesus, jetzt da er nicht darin ist, ich will niemand anders als dich. . . . Wo bist du doch heute? Warum lassest du mich so? Es ist wahr, ich habe dich zuerst verlassen; aber ich liebe dich. - - - Bist du nicht immer meine Hoffnung gewesen?

Nein, ich unterlasse die Kommunion nicht mehr. Komme, Jesus, ich werde sie nie mehr unterlassen.

Er geht weg, er geht weg. Bist du zufrieden, weil ich dich zufriedengestellt habe? - - - Aber niemals mehr (unterlasse ich die Kommunion). Ich will Jesus immer zufriedenstellen.

Jesus, wo bist du? Komme, Jesus, komm... . Nähere dich mir, o Jesus; lass mich deine Stimme vernehmen; ich verlasse dich nicht mehr.

«) Unter deiner Gestalt, indem er sich für Jesus ausgibt, um mich zu betrügen. 

Ich habe mich widersetzt, Jesus, ich habe Widerstand geleistet; aber ich habe gelitten dabei... Ich habe die Einladung heute morgen schon gehört, ich habe alles gehört. Aber sahst du es heute Nacht? Wie sollte ich dich empfangen dürfen? Ich habe es unterlassen, weil ich glaubte, ich hätte gesündigt. Ich merkte alles, was du in mir Vorgehen liegest, ) aber ich darf da nicht glauben.... Siehe, Jesus, wenn der Beichtvater es mir gesagt hätte, wäre ich zur hl. Kommunion gegangen, aber gerade er sagte mir, ich dürfe nicht auf mich vertrauen. ) Also, Jesus, verzeihe mir. Wohlan, Jesus! Es gehört dir mein Herz, es ist ganz dein. Komme, Jesus!

Hast du mir also nicht verziehen? Wenn du nicht kommst, werde ich auch diese Nacht zu kämpfen haben. Die Leiden missfallen mir durchaus nicht, ich habe nur immer Angst, ich könnte dich beleidigen. . . . Aber, Jesus, ich lasse, ich verlasse

dich nie mehrKomme. Missfällt es dir nicht,

dass mein Herz fast vergeht vor dieser Sehnsucht?

O Gott! o Jesus! bist du es? Ich erwartete

dich!

Jesus, ich werde dich nicht mehr verlassen. Gib mir etwas Stärke.

Du selber sagst, es sei besser, dich zu empfangen als dich nur anzuschauen. Wahrhaftig, es ist besser.. ja, ja.

Ich bin betrübt, o Herr; ich bedenke eben, wenn ich mich Jahre und Jahre wie die Engel vorbereiten würde, wäre ich doch nie würdig, dich zu empfangen. Und dann, du siehst es, komme ich so schlecht vorbereitet!

Jesus, du kommst gerne in mein Herz? So sag mir doch, welches ist das Bett, worauf du in meinem Herzen so gut ruhst?

Der Friede? Die Ruhe? Ist aber dieser Friede in meinem Herzen? Herrscht diese Ruhe in meiner Seele?

Ich weiß es, du möchtest mich es versichern; doch nein, ich will keine Versicherung, ich will in deiner heiligen Furcht leben.

O Jesus, mir ist es süß, meine Armseligkeiten vor dir zu bekennen. . . . Hilf mir, o Herr I Ich kann mich wenigstens noch dir zu Füßen werfen. Ich liebe noch den Glauben, tausendmal wiederhole ich und werde ich stets wiederholen: Es ist besser, dich zu empfangen, als dich nur anzublicken. Doch sag mir, o Herr, mit welcher Speise muh ich dich nähren? Teile mir deine Klarheit, teile mir dein göttliches Feuer mit. O mein Gott, wie kann ich dir entsprechen? Kraft der Liebe? Dann müsste ich dich lieben mit treuer, mit königlicher Liebe.

O mein Jesus, o mein Jesus, wie sehr verdientest du geliebt zu werden! Ich begreife, dass die Engel nie müde werden, jenen herrlichen Hymnus zu singen! So müsste auch ich, so müssten alle Geschöpfe es machen. Stattdessen habe ich dich verlassen; ich will dich aber nie mehr verlassen. Welch große Dinge, Jesus, vermag deine Güte zu überwinden! Jesus, wer wird mir Hilfe gewähren, um deiner Zärtlichkeit entsprechen zu können? Alle Stunden meines Lebens sind von dir durch deine Freigebigkeit gekennzeichnet. Und doch siehst du es nicht, Jesus, wie wenig ich mich anstrenge, um meine Leidenschaften zu besiegen? Fern von dir finde ich niemals Friede.

Du wirst sehen, nach und nach werde ich auch jenes Opfer zu bringen wissen, das du von mir verlangst. . . . O Jesus, kann es auf Erden etwas Süßeres geben, als dich zu lieben? Jetzt da wir so eng mit einander vereinigt sind, brenne, entzünde mich; denn ich will dich um jeden Preis lieben. Siehe, Jesus, wenn ich nutzlose Dinge von dir erbäte, hättest du Grund, sie mir zu verweigern; doch siehe, ich verlange von dir etwas, das dir sehr angenehm ist; ich erbitte etwas, das du so oft von mir wünschest. Du willst, dass ich dich liebe; wie soll ich es machen, wenn du mir nicht hilfst?

O Jesus, wenn die Kommunion nicht da wäre, wie sollte ich es dann machen? Wenn du nicht wärest, wenn der Gegenstand, der anregt, fehlen würde, wie lau wäre dann meine Liebet Wenn 

du bloß im Himmel wohntest, dann würde, dessen darfst du sicher sein, mein Herz brechen. Welch erhabene Dinge weiß deine Liebe zu schaffen! Ich werde dich immer lieben: wenn der Tag anbricht, wenn es Nacht wird, zu allen Stunden, in jedem Augenblick. . . . Immer, immer, immer will ich dich lieben. ... Ich werde dich nie mehr verlassen. . . .

 

19. Jesus verbirgt sich vor ihren Augen, gibt sich aber ihrem Herzen zu erkennen. Sie frohlockt beim Gedanken an Jesus im Sakrament. Das Fest des heiligen Laurentius gibt ihr Anlass zur Verdemütigung. Die Schule Jesu im Abendmahlsaal.

 

Wie lange schon, o Jesus, verbirgst du mir deine Augen! Doch was liegt mir daran, dich zu sehen, wenn ich dich fühle; ich fühle dich so deutlich, Jesus; ich fühle auch, dass du mich liebst, dass du mich alle Augenblicke suchst.

Da bin ich vor dir. Ja, Jesus, gib mir die Flügel, die Flügel, die Kraft und die Ruhe. Du allein kannst mich glücklich machen, indem du mich an dich ziehst. O Jesus, welche Freude, wenn ich nicht mehr mir angehöre, werde ich ganz dein sein. . . - Was geht in mir vor? Ich weiß nicht, was vorgeht; ich weiß nur, dass die Erde mir entschwindet: ich weiß, dass ich glücklich bin; ich weiß, dass ich alles vergesse ... ich denke an nichts mehr. Welche Süßigkeit, Jesus, in der Kommunion l Welche Tröstung ist in deinem Herzen verborgen! 

Latz mich dort Wohnung nehmen, mein Jesus, mein Alles. ... In innigster Vereinigung mit dir will ich leben, in deiner Umarmung will ich sterben.

O Jesus, ich wäre noch glücklicher, wenn ich statt der Süßigkeiten dich auf dem Wege des Kreuzes angetroffen hätte. Aber mit wem vereint?

Mit Jesus         O Einigung! Welch durchdringende

Stimme höre ich! Ist es die deinige, Jesus? Ich habe deine Güte erkannt, mein Schöpfer. Es bleibt mir bloß übrig, dass ich meine Seele vor deiner Majestät verdemütige; das will ich schon in diesem Augenblicke tun.

Aber, teurer Jesus, welche Beschämung heute morgen! Du wolltest, dass ich meinen Geist auf den hl. Laurentius richtete,- was hast du getan? An deinen Jünger soll ich denken, den du so bevorzugst, immer inmitten der Peinen, und ich mit dem undankbaren Herzen. ... Ich schäme mich, wenn ich ihn inmitten seiner Schinerzen betrachte, ich, die in der Hostie die Süßigkeit des Himmels verkostete. . . . O Herz meines Jesu, überfließend von Süßigkeit. Wenn du mich erfreuen willst, indem du mich immer so in Schmerzen leben lässt, so tue es, o Herr,- wenn du mir sodann größere Güter zum Genüsse anbietest, tue es immerhin: es genügt, dass ich immer zu dir komme in der Furcht, dich zu beleidigen.

Was habe ich heute morgen getan? Ich habe zwei Seelen nebeneinandergestellt, die eines Heiligen und die einer Sünderin. Musste ich

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dabei nicht aufs tiefste beschämt werden? Ich wollte dir durch Vermittlung dieses Heiligen meine Seele darbieten; täte ich das nicht, glaubte ich, eine Pflicht zu vernachlässigen; ich habe aber Angst, da ich sie vor dir schuldbar finde. Ich möchte sie dir so schön darbieten, wie deine Hände sie mir gegeben haben. Unmöglich, ich vermag das nicht mehr. Schaue, sie ist ganz mit Ketten umgeben; als du sie mir gabst, war sie mit Rosen umkränzt. Als du sie nur gabst, erglänzte sie wie die Sonne... und jetzt? Siehe, wie sie gänzlich entstellt ist, meine Seele!

Was sagtest doch du von mir. Teurer Jesus, bist wirklich du es, der so zu mir spricht? Bist du es? Wiederhole mir es; las; mich es noch deutlicher vernehmen; sag es mir noch einmal.

O, die Rache aus Liebe ist niemals Beleidigung. Räche dich immerhin, Jesus. Die Rache, aus deiner Liebe entsprungen, ist immer Gunst.

O mein Gott, o Jesus, komme mit mir, o Leben, um mich zu beleben; komme mit mir, o Demütiger, und lehre mich Demut!

Mein Jesus, du fragst, was ich wolle. Leben, um mich zu beleben. Zunächst möchte ich dich in meinem Herzen haben, o Jesus, und dich lieben; dann dich sehen, dich für immer besitzen. Unendlicher Gott, wie kannst du eine so freigebige Güte beweisen gegen mich? Weißt du, was mir Leben verschafft? Der Gedanke, dich in der hl. Kommunion zu empfangen. ... Ich möchte dich empfangen, dich schauen . . . nein; dich in Ewigkeit genießen. Ich möchte, o mein Gott, so viele Gnaden. Ich wünschte deine Liebe.

Du heischest Liebe von mir? Ich kann sie dir nicht geben, wenn du sie mir nicht verleihst. Ich möchte, o Jesus, etwas Beharrlichkeit, ich wünschte mir einen guten Tod und dann ... den Himmel. . . . Das ist alles für mich.

Man muss nur lieben lernen. Die Schule ist im Abendmahlsaal, der Lehrer ist Jesus, die Gegenstände» die man erlernen muss, sind sein Fleisch und sein Blut.

Ich weiß wohl, dass du mir keine zeitlichen und vergänglichen Reichtümer verliehen hast; du hast mir aber den wahren Reichtum, d. h. die Nahrung des eucharistischen Wortes gegeben. Was würde aus mir, wenn ich der hl. Hostie nicht alle meine Liebe schenkte? Der Geist des Wortes, herrschend im fruchtbaren Schoße des unerschaffenen Erzeugers, wird sich aufmachen und mich seine Liebe verkosten lassen.

Ja, ich merke es, Herr, um mich im Himmel ein Paradies verdienen zu lassen, teilst du dich mir auf Erden mit. . . .

Möge in meinem ganzen Leben nie der Augenblick kommen, wo ich mich für so große Gnaden undankbar bezeige. Verleihe, o Herr, dieser undankbaren Tochter auch weiter deinen Schutz. . . . Du weißt es wohl. Jedoch, o Herr, verweigere mir deine Hilfe zur Erlangung einer letzten Gnade nicht. Ich weiß es nicht, o Herr, was dein heiliger Wille ist; gleichwohl bitte ich um die Gnade eines guten Todes. . . - Was wären all die vielen Gnaden, die ich schon von dir bekommen, wenn ich diese nicht erhielte? . . .

 

20. Beim Anblicke Jesu freut sie sich und erkundigt sich nach dem Los ihrer Seele. Sie verspricht Treue und Liebe. Sie spornt sich selbst an, Jesus im Sakrament zu lieben und ihn zu empfangen, um reiner zu werden. Sie beklagt sich über die geringe Frucht, die sie aus ihren Kommunionen gezogen. Jubel über die Kommunionen der Guten, Trauer über jene der Schlechten. Sie wünscht, über ihre Kommunionen von Jesus Sicherheit zu erlangen.

 

Ach, heute . . . siehe auch heute, Jesus! komme, komme, Jesus, ich verlange Tag und Nacht nach dir; ja, dich will ich zu jeder Stunde» m jedem Augenblick; ich wünsche nichts als dich.

Ja, meine Seele, sei standhaft in deinen Vorsätzen. Siehe, meine Seele!

Jesus, endlich nach zwei Tagen konnte ich dich wiederum sehen. . . . Du allein, Jesus, kannst mich zufriedenstellen. Viele fragen mich: „Was tust du denn all die Zeit hindurch vor Jesus?" Ich antwortete: „Ich tue, was ein Bettler vor einem großen Herrn tut."

Ich habe so manche Bedürfnisse, Jesus. Sage mir, dass ich meine Seele in Sicherheit bringen werde, dass du sie mir retten wirst; dann bin ich zufrieden. Was wird aus meiner armen Seele werden? 

Ich bin dein, ich gehöre dir an, Jesus! Aber bei deiner Zärtlichkeit und Liebe, welche Gewalt wirst du nicht überwinden, welchen Willen nicht mit dir fortreißen?

O Jesus, du hattest Grund, dich über mich zu beklagen; denn ich habe dich beleidigt. Da ich aller Verdienste bar bin, müsste ich eigentlich so viele von mir weggenommene Partikeln und das viele Blut dem Altäre wieder zurückstellen. ) Ich verspreche dir Besserung, du brauchst nur dem Strome deiner Gnadenerweise kein Ende zu machen. Lass mich eher sterben, als dass ich es an Treue und Liebe zu dir fehlen lasse. Es ist besser, unter Leiden leben denn als Sünderin dastehen.

Was wünschest, was willst du Jesus? Dass meine Liebe unveränderlich sei. Ich nähre sie jeden Tag mit deinem Fleische und mit deinem Blute. Wie soll ich aus der Niederung, in der ich mich befinde, mich zum Himmel erheben? Es ist für mich gewissermaßen ein schönes Los, als Sünderin geboren zu sein. Die Adern meines Jesus stehen immer offen da, voll von jenem Blute» das auch im Sakramente enthalten ist.

O mein Gott, was möchtest du tun? O liebevollster Jesus, möchtest du alle deine Verdienste mir zuwenden, mich teilnehmen lassen an allem, was dir gehört? . . . Wo gäbe es ein Herz, das sich von so großer Liebe nicht besiegen lässt? Wo gäbe es eine Seele, die dadurch nicht

gewonnen würde? Welcher Wille liehe sich von dir nicht fortreihen?

O meine Seele, wie lange noch willst du gegen Jesus so geizig sein? Warum so nachlässig gegen Jesus, der dich erschaffen hat? Warum so träge gegenüber deinem Erlöser? Was willst du lieben, wenn du Jesus nicht lieben magst?

O mein Gott, Jesus, heilige Hostie, dir weihe ich meine ganze Liebe. Ich habe bemerkt, o Jesus, dass deine Liebe mich suchte, darum kam ich gelaufen; dass deine Zärtlichkeit mich rief, deshalb eilte ich sogleich herbei.

Ein leidenschaftlicher Liebhaber, o Herr, braucht nicht so sehr gebeten zu werden; er versteht auf die erste Bitte sofort.

Kommst du also nicht im Sakrament? Darin liegt eine Kraft, die reinigt, eine Gewalt, die alle Sünden zerstört. Komme» komme, Jesus im Sakrament!

O Gott, reinige mich durch deine Gnaden, entzünde mich mit dem Feuer deiner Liebe. Ich liebe dich, ich bete dich an, vor dir beuge ich mich, dir unterwerfe ich mich.

Ist es aber möglich, dass nicht alle Geschöpfe, alle Seelen dich lieben, nachdem sie dich auch bloß einmal empfangen haben? Ist es möglich, dass sie dich nicht lieben, wenn sie dich dort erblickt haben, wo du weilst?

O meine Seele, meine Seele, du sagst so viel» es ist wahr; aber denke ein wenig an dich selbst. Die häufige Kommunion, die Vereinigung mit

dem Engelsbrote hat in meinem Innern nicht jene Wirkungen hervorgebracht wie bei so manchen Seelen. O meine Seele, du empfängst wohl die Kommunion, aber wo sind die Früchte? Du weiht vielleicht nicht warum,- dir sagte es aber dein guter Jesus, der sich in diesem Augenblicke bei dir befindet. Das Verdienst, mit dem du dich ihm näherst, ist zu gering, deine Beharrlichkeit zu mangelhaft, kknd wenn du dich Jesus näherst, wie tust du es? Du vereinigst dich, es ist wahr, mit seiner Person, aber mit der Neigung zur Sünde. Jeden Morgen reicht er dir seine geöffneten Adern, damit du Ströme der Beseligung daraus ziehest,- du aber. ... Tr nähert dir seine Lippen, und du? . . .

Ich danke dir, o Herr, dass du mir heute morgen Licht verliehen hast, um meine Bosheit zu erkennen. Ich verspreche dir, auf alles zu verzichten, was nicht dein Wille ist, auf alle jene Werke, die dein Herz nicht zum Mittelpunkt, deinen göttlichen Willen zum Zweck haben.

Teurer Jesus! Wenn ich, o Herr, sehe, wie gute, brave Seelen kommen, um Himmelsfreuden

in der hl. Kommunion zu verkosten, werde ich aufs tiefste gerührt,- wenn du aber schlimme Seelen, wie ich eine bin, dort empfängst, dann! . . .

O Herr, du kommst zu mir ganz Liebe, ich aber komme zu dir als Sünderin, und dabei bin ich so träge. Jesus, lass es mich ausdrücken, du erniedrigst dich wohl zu sehr, indem du dich mir hingibst . . . oder willst eine völlige Änderung in 

meinem Leben. Was werde ich tun, um dir zu Willen zu sein? Willst du, o Herr, dass ich deine Dornenkrone in eine Lilienkrone verwandle?

An wen muh ich mich wenden? An alle deine Heiligen? Wenn ich dich aber durch das Verdienst anderer bitte, wird meine Schuld immer noch vergrößert. Ich denke stets an die großen Wohltaten, die du mir erweisest. . . . Ich bin eine Sünderin . . . eine Seele, um welche du so besorgt bist!

Setze deinen Gaben ein Ziel, oder dann gib mir die Gnade, dass ich dir für alle entsprechend danken kann. Erhöre mich, o Herr, oder beschränke deine Freigebigkeit. Kommuniziere ich wohl gut oder raube ich so vielen Seelen deine Partikeln? Kommuniziere ich vielleicht schlecht? Weine ich nicht einmal darüber? Schäme ich mich deshalb vielleicht gar nicht? Denke ich nicht einmal daran? Nimm, o Jesus, diese drückende Last von mir, verleihe mir Sicherheit wegen meiner Kommunion . . . gib mir Gewissheit.

Was ich heute morgen bei der hl. Kommunion gesagt und getan habe, mögest du segnen, damit durch dein kostbares Blut meine Nachlässigkeiten getilgt werden.

Ja, du wirst es tun l Ja. Ich habe gemerkt, dass du jenes Gebet wollest, ich habe deine rührige Sorgfalt zu deinem Nutzen angenommen. Weil die Not überaus groß, der Augenblick sehr günstig ist, bitte ich dich, mir sogleich zu Hilfe zu kommen. Teurer Jesus, hilf du mir dieses Verlangen ausführen, reiche du mir die Hand zu diesem Werke. Wenn du mich vollkommen gereinigt hast, dann, ja dann werde ich alles tun.

Ich möchte nicht, dass unter der Sonne des Allerheiligsten Sakraments meine Augen sich noch weiter trüben. Du schenkst dich mir immer und ich werde immer böser. Dieser Gedanke drückt mich ganz darnieder! Aber, hast du nicht selber es gesagt, ich dürfe mich durch diesen Gedanken nicht Niederdrücken lassen? O Jesus, ich verdiente, in der Hölle zu sein und dort zu brennen! . . . Du aber lassest mich die Wonne deiner Liebe verkosten !

Ich möchte fast sagen, Jesus, ich habe Gewalt über dich.

Ja, ich fühle dich in meinem Herzen, ich fühle dich so lebendig. Welches Geheimnis! ... Ich fühle mich in den Himmel versetzt. . . . Wenn du am Morgen auf meine Zunge kommst und dann in mein Herz hinabsteigst, vergesse ich alles ... die Trübsale, die Erde, ich koste nur dich.

O mein Engel, behüte mich. . . . Um diese Stunde bist du bereits in den Himmel zurückgekehrt. Mache Jesus gegenüber Gebrauch von deinen wirksamen Worten und komme, eile mir oft zu Hilfe. 

 

21. Sie spricht von einer ihr zuteil gewordenen Erscheinung des heiligen Paul vom Kreuz. Sie tritt bei Jesus zugunsten ihrer Widersacher und Feinde ein. Sie bittet um Kraft und Mut für die neuen Prüfungen, die Jesus ihr voraussagt.

 

Da bist du wieder, Jesus! Seit gestern hast du dich nicht mehr sehen lassen; ich glaubte wirklich, du kommest nicht mehr.

O Jesus, wenn du wusstest, wer diese Nacht gekommen ist! Ich dachte nicht einmal daran, dass sein Fest war. Doch du musst wissen, dass der hl. Paul da war. Wie manches hat er mir gesagt! Glaubst du es? Er hat in mir den Wunsch angeregt, heilig zu werden wie er. Er hat mich so vieles gelehrt, das ich dir sagen Muss. O Jesus, ich rühme mich, wenn ich mich in Trübsal befinde.

Ich habe auch ihn gefragt, ob ich mich am Samstag getäuscht hätte; er hat mir aber gesagt, dass es leider wahr sei, was ich gehört, und mir überdies zu verstehen gegeben, dass . . .*) Wie leid mir das ist, Jesus, nicht meinetwegen» sondern wegen der dir zugefügten Beleidigung. Ich empfehle dir diesen meinen Gegner, ich empfehle ihn dir. Sollte je deine Hand auf ihm lasten —, nein, lasse sie auf mir lasten, o Jesus.

Sprich mir nicht mehr davon . . . nicht meinetwegen, weißt du» Jesus; aber diese Angelegenheit tut mir zu weh. . . . Wenn du gesehen hättest,

«) Sie wollte logen, dass durch die Unklugheit und den bösen Glauben derjenigen, die einige Tage zuvor ihr widersprochen hatten, der Heiland schwer beleidigt worden war.

wie sie dem hl. Paul missfiel! Er hat mir aber viel Mut gemacht und mir gesagt, es werde mir noch Schlimmeres begegnen. Er sagte, das seien erst Worte, später kämen noch Taten dazu. . . . Ich habe nie gewünscht getäuscht zu werden, jetzt aber wünsche ich es freilich. ) Was wird es sein? Siehst du, wie wir überwunden worden sind? ) Hast du mir keinen Vorwurf zu machen?

Dann, mein Jesus, bin ich zufrieden. )

Siehe Jesus, wie schlimm er von mir spricht; du hast es mich erkennen lassen; aber siehe, ich bin nicht fähig, ihn anzuklagen; du weißt alles, die andern können es nicht erkennen; aber, Jesus, konntest du mir ein größeres Geschenk machen? ...

Jesus, dir empfehle ich meinen größten Feind, meinen heftigsten Gegner. Führe ihn, geleite ihn, wenn deine Hand auf ihm lasten sollte, lasse sie auf mir lasten; Jesus, gib ihm recht viel Gutes.

Jesus, große Kraft ist da erfordert.

Verlasse ihn nicht, tröste ihn; was verschlägt es, wenn du mich im Schmerze lassest, nur ihn nicht. Ich empfehle ihn dir jetzt und für immer. 

Jesus, warum lassest du das zu? Jesus, ich bitte dich, sprich mir nicht mehr davon; stehe ihm bei, unterstütze und tröste ihn. Verleihe ihm viel Gutes, Jesus; doppelt soviel (verstehst du, Jesus?), als er mir Böses zufügen wollte.

Ich sollte mich rächen? Nein, Jesus, mit deiner Hilfe. . . . Wenn du diese Prüfungen vermehren solltest, wer würde mir den Mut verleihen? Dann o Jesus, wird diese Angelegenheit ein Ende nehmen oder sich weiter hinziehen?

Was soll ich tun, wie soll ich es ankehren?

Es ist wahr, bis jetzt hast du mir noch stets geholfen. Jeden Tag empfehle ich ihn dir, ja ich empfehle ihn dir; denke du an ihn, führe ihn, Jesus, geleite ihn; wenn du es für gut hältst, so bewirke, nicht meinetwegen, sondern deinetwegen, dass er schweige; doch nur, wenn es dir wohlgefällt. Er verdient diese Unannehmlichkeiten nicht, ich schon. Um dir zu beweisen, dass ich dich liebe, werde ich morgen die Kommunion für ihn aufopfern. Er denkt vielleicht daran, uns Böses zu tun; wir hingegen, nein, wir wollen ihm Gutes, recht viel Gutes erweisen.

Jesus, Jesus, verleihe mir Kraft; die Prüfungen nehmen zu; mit meinem Jesus werde ich zu siegen verstehen. Ich bin in Angst und Furcht, Jesus, und dem Weinen nahe. Wer weiß, wie viel ich noch durchmachen muh. Du selbst sagst mir ja heute, was ich noch zu ertragen habe.

Ja, Jesus, ich bin zufrieden; weißt du nicht, wa- Ordert ist, um dich zufrieden zu stellen? 

Wohlan, wiederhole mir es auch du, Jesus. Der hl. Paul hat es mir so oft gesagt. Was wirst du mit mir anfangen? Sag mir es, Jesus, was willst du mit mir machen? Wohlan, erkläre dich, Jesus, wiederhole mir es noch einmal.

Willst du mich heute nicht trösten? Wohlan denn, Jesus, sprich jenes Wort noch einmal aus. Wenn du willst; ich danke dir.

O Jesus, aber wie, aber wann?

Etwas Gebet, Jesus; siehe der Atem meiner Seele.

Welch ein Wechsel von Gefühlen wird im Himmel stattfinden! Das Wenige, das ich jetzt zu ertragen habe, wird mir im Himmel zur Ursache großer Freude. Wer vermöchte das zu fassen, Jesus? Konntest du, o Jesus, mehr für mich tun, als du getan hast? Ich aber, o Herr, in meiner übergroßen Kälte habe dich heute morgen, so scheint es mir, nicht einmal ausgenommen. Ein Feuer in mir haben und mich nicht daran erwärmen! Welche Erweiterung des Herzens, welcher Reichtum an Gnaden! Konntest du für mich mehr tun, als du getan hast?

Jesus, kannst du mir heute eine Gnade erweisen? Du mutzt mir etwas mehr Liebe zum Leiden geben oder etwas mehr Duldung; ich möchte mit dem Fleische leiden und möchte doch wieder außerhalb des Fleisches sein.

Was hast du mir heute morgen gesagt, Jesus? Dass die Liebe durch die Ähnlichkeit entstehe. Ist

aber Ähnlichkeit vorhanden zwischen mir (die so wenig leidet) und einem gekreuzigten Gott?*)

 

22. Sie stellt die Liebe Jesu ihrer eigenen Niedrigkeit gegenüber. Von solcher Liebe überwunden, achtet sie alles für nichts und will nur Opfer der Liebe werden. Sie möchte Jesus lieben mit der Liebe der allerseligsten Jungfrau Maria.

 

Mein Gott, mein Jesus, mein Erlöser! Für dich möchte ich immer brennen, für dich nur schlage mein Herz, für dich möchte ich leben und sterben aus reiner Liebe. Jesus, Jesus, unendliche Güte! Dir, o Jesus, gehören alle Bewegungen meines Herzens; deine Demut lasse mich stets mehr die Niedrigkeit meines Geistes erkennen. . . . Dir gehöre ich an, für dich bin ich geboren; sage mir, was du von mir willst. . . . Was willst du von mir, Jesus, was willst du? Dir opfere ich alle meine Schmerzen auf, damit du sie heiligst. Wäre es möglich, dass mein armes Herz nicht entbrenne? Es konnte sehen, mit welcher Kraft sich Jesus ihm mitgeteilt hat und doch bleibt es immer kalt t

Wer wird meinen Ursprung und mein Ende erklären? . . . Die Asche . . . dann bleibt die Seele und Gott, die Seele frei und allein mit Jesus; ich sehne mich nach dem Augenblick» mich in deine

») Wie man unschwer sieht, spricht Gemma von der Gegnerschaft, die ihr von Seiten jener erwuchs, dir den außerordentlichen Dingen, welche Gott in ihr wirkte, nicht so recht glauben wollten; dieser Widerspruch verursachte ihr «in sich lange hinziehende» Martyrium. 

Arme zu werfen, Jesus. Jesus ist ein unermessliches Meer der Liebe; als er mit solcher Kraft in mein Herz gekommen, war die Erkenntnis der Liebe so groß, dass ich ausrief: „Jesus, es genügt, es ist genug! Jesus, mache es selber, denn die große Süßigkeit, die du mir eingegossen hast, W mich keine Worte finden."

Wie kannst du nur, Jesus, ein so elendes Geschöpf, weit armseliger als die Erde selbst, so bereichern und bevorzugen? Hast du denn die zahlreichen Sünden, die meine arme Seele begangen hat, vergessen?

O mein Jesus, du sagst, du habest sie gerne vergessen, um meiner Seele die Liebe zu bezeugen, welche du zu mir trägst. Es lebe Jesus! O süße Ketten Jesu! Wer mit diesen Fesseln gebunden ist, für den gibt es kein Entrinnen mehr. O heilige Liebe, entzünde mich. O heilige Liebe entzünde mich. Alles ekelt mich an, alles wird mir zur Last; es gibt nichts auf Erden, nach dem ich Verlangen trüge: ich liebe, ich ersehne nur die himmlische Liebe. . . . O heilige Liebe, entflamme mich, etwas anderes will ich nicht von dir. Nur den einen Wunsch hätte ich noch, nach meinem Tode sollten alle sagen können: Gemma ist ein Opfer der Liebe gewesen, sie ist nur als Opfer der Liebe gestorben, damit alle Jesus liebten.

Ich habe wirklich nichts, o mein Gott. Alles gehört dir, alles habe ich dir geschenkt; und doch

möchte meine Seele lieben, immer lieben   

Meine Seele, was suchst du auf dieser Welt? Ich weiß es, ich kenne es, du willst lieben . . . liebe Jesus . . - liebe Jesus. . . . O mein Gott, wenn ich allein bin, weih ich niemand zu lieben als dich. Meine Seele, Jesus allein, Jesus allein. Jesus allein l . . . Wenn du Jesus besitzest, so tue. was du magst.*) Wenn du den Frieden suchen willst, so tue es! Wenn du den Frieden willst, suche Jesus allein!

Was sagst du, Jesus: In den Himmel? Wohlan Leun. . . mein Engel, wenn du willst, dass; ich in der Nacht träume, so geschehe es immerhin, aber zeige mir dann den Himmel und Jesus, den geliebten Jesus, den liebenswürdigen Jesus!

O Jesus, du gibst die Kreuze denen, die du liebst? Ich verstehe dich, du bist die Liebe aller, du bist die einzige Liebe. Ich rufe es laut: Ich möchte dich recht lieben, Jesus!

Du fragst mich, wie ich dich lieben möchte? Mit jener Reinheit, mit der die Jungfrauen dich liebten; mit jener Starte, mit der die Märtyrer dich liebten . . . dann ja . . . Weißt du, Jesus, (sage ich dir zu viel?) mit jener Liebe, womit deine Mutter dich liebte. . . .

Wie nennst du mich? Was sagst du mir? Ich soll Jesus genügen? Ich bin deine Wonne, Jesus? O Jesus, sage es mir noch einmal Genüge ich dir? Du aber hast mir so oft nicht genügt.

Er ist der erhabene Gedanke der hl. Augustinus: vt, kso gac>6 vi«. Wenn die Seele von der göttlichen Liebe erfasst ist, bleibt sie zwar frei, tut aber nichts, war dieser Liebe nicht entspräche. 

Wie oft habe ich dir den Rücken gekehrt. Ist es möglich, dass; ich Jesus genügen kann? O Heilige des Himmels, leiht mir ein Herz, das Jesus recht lieben kann.

Wer bin ich, dass ich dir genüge? Ich gehöre ganz dem Herzen Jesu an. Welche Zufriedenheit und Freude verschaffst du mir! Du bist die Stütze meines Lebens, das Feuer meines Herzens, der Stern meiner Augen. Willst du die Liebe meines Herzens ganz für dich? Sei du wenigstens der erste Gegenstand dieser Liebe.

Du sagst also, Jesus, dass man leiden müsse, um lieben zu lernen? Ich habe verstanden. O Jesus, könnte ich doch ein Werkzeug deiner Ehre werden! Alle meine Sünden werden Gegenstand deines Mitleids sein. Merkst du nicht, Jesus, dass ich aus deiner Güte Nutzen ziehe?

Zweifle nicht daran, dass deine Gemma dir auf den Kalvarienberg folgen wird. . . Ich weiß wenig zu tun, um dich zu segnen und zu lieben wenn ich mich beklage. Jesus, dann höre nicht auf mich. Wessen Stimme höre ich so genau und deutlich in meinem Herzen? Bist du es» o Jesus, oder täusche ich mich?

Ja, diese Ruhe, die ich verspüre, diese Süßigkeit lässt mich erkennen, dass du es bist.

Ja, Jesus, dir übergebe ich meine Freiheit, damit sie für immer dir untertan sei. Mache, o Jesus, deine Liebe bekannt, verkünde immerhin meine Schande, wenn es nur zu deiner Ehre gereicht. 

Mein Herz erweitert sich, Herr, und fühlt die Süßigkeiten, die nur die Barmherzigkeit Jesu geben kann. Wenn du aber so großes Wohlgefallen daran findest, in meinem Herzen zu wohnen, dann de- wirke, o Jesus, dass es sich verzehren kann.

Komm, komm, Jesus, komme und stärke meinen Geist. Nun erkenne ich, wie süß es ist, dich zu besitzen. Ich kenne dich, du bist es, Jesus. Wie gut du bist! Befiehl mir nicht, dich zu lieben, ich bin dazu aus Dankbarkeit verpflichtet. Du willst Liebe? Ich will mich nach Liebe, nach größerer Liebe umsehen, um sie dir zu schenken. Was willst du noch mehr, Jesus? Alles ekelt mich an; nur nach einem hege ich Verlangen . . . nach deiner Liebe.

 

23. Sie ruft ihren Geliebten, der ihre Seele in Trostlosigkeit versenkt hat. Sie bittet um Befreiung von der Dürre, erklärt sich aber mit dem Willen Gottes einverstanden. Da sie es nicht mehr auszuhalten vermeint, fleht sie zu Jesus, er möge die Fesseln ihres Leibes lösen, damit sie zu ihm fliegen könne.

 

Du willst mich also verlassen, nicht wahr, Jesus? Ich merke bereits dein Entfernen. Was wird aus mir werden? Warum, Jesus, antwortest du mir nicht? Wodurch habe ich dich beleidigt? Was nützt es mir zu leben, wenn ich dich verliere? Wie oft willst du denn, dass ich dir versichere, ich liebe dich mehr als mein Leben, das ich gerne für dich opfere? Siehst du denn nicht, dass ich. Um dich zu besitzen, auf die Gedanken, auf alles verzichtet habe'? Was ist nur der Grund, der dich vornehmlich bewogen hat, mich zu verlassen? Wohlan denn, sag mir ihn, Jesus, wodurch habe ich dich beleidigt? Habe ich dir mein Herz nicht rein bewahrt?

Du verlässt mich also, Jesus? Wenn ich dich nicht mehr sehe, wenn ich deine Stimme nicht mehr hören werde, dann vergiss meine arme Seele nicht... Jesus, denke an meine arme Seele, steh' ihr bei in den Augenblicken der Prüfung. Du siehst es, mein Jesus, wie schwach ich in den Tugenden bin; wenn du dich ganz entfernt hast, wenn ich dich nicht mehr fühle, wenn ich nicht mehr dein Blut in meinen Adern zirkulieren fühle . . . was werde ich dann tun? ... Bevor du mich oerlüssest, möchte ich hier vor Liebe sterben; aber so, dass niemand es wüsste. . . . Heilige des Himmels, bereitet meine Gefühle vor, sprecht ihr zu meinem Jesus, denn auf mich hört er nicht mehr; lehrt mich, wie man Jesus liebt. Widerstehst du noch, Jesus? Kannst du mein Herz ansehen, das ein solches Verlangen trägt, und mein Sehnen unbefriedigt lassen? . . . Alles auf Erden langweilt mich, ich wünsche nichts als dich, o Jesus, zu lieben. . . . Lass mich nicht länger seufzen, ich will sterben, ich will zur dir kommen. Wohlan, Jesus, lass mein Herz, das so erkaltet ist, dem deinigen sich nahen, das brennt. . . . Wie kalt, wie frostig fühle ich mich I . . . Etwas Feuer, Jesus, etwas Feuer l 

Warum sollte ich vor dir, Jesus, etwas verschweigen? Du siehst ja die innersten Geheimnisse meines Herzens; . . . wenn aber, um dich zufriedenzustellen, das Opfer notwendig wäre, sei versichert, das Opfer ist gebracht. Alle Tage sind mit Kreuz und Leiden besät. O heiliges Kreuz, dich habe ich umarmt I Der Teufel würde mir so viele» in den Kopf setzen.

Es ist wahr, Jesus, wenn ich meine Jugend bis jetzt überblicke, habe ich immer Kreuz und Leiden gehabt; doch wie sehr irren jene, die sagen, das Leiden sei ein Unglück! Aber sag mir, Jesus, warum sprichst du mir nie von dem, was folgen soll. Wohin immer ich gehe, ich werde stets glücklich sein, wenn ich aus Liebe zu dir weinen und dulden kann. Dein Schweigen, o Jesus, ist aber doch geheimnisvoll. Ich bitte um das eine: wenn ich nicht Passionistin werden soll, dann nimm das Verlangen danach aus meinem Herzen fort: welch siechender Dorn ist dies!

Ich nehme alles an, was von meinem Gotte kommt. Was sendet mir mein Gott? Herr, wenn es dein Wille wäre, mich zu befreien! Der Teufel versucht mich über meine Kräfte und du kommst nicht zu mir? Was werde ich ohne dich anfangen? Was werde ich tun, wenn du mir fehlst? Ich werde niedergeschlagen, zittere und weine, wenn ich daran denke, dass du mir fehlen wirst. Habe Mitleid und Erbarmen mit mir, o Herr, ich bin allein l Ich rufe dich oft im Tage, ich suche dich immer . . - aber du, wo hast du dich verborgen? 

Welchen Wert hat dieses Leben, das du mir gegeben hast, für mich, wenn es nur dazu dient, dich zu verlieren? O mein Gott, was werde ich machen? Bin ich nicht mehr deine liebevolle Beute? Wessen Beute bin ich dann? Latz es nicht zu. Wenn es dein Wille ist, dann gestatte, dass ich mich davon befreie.

Ich erwarte immer den Augenblick, bei dir zu sein, mit dir verbunden zu bleiben, um dir mich selbst völlig anheimzustellen, um dir alle Versicherungen zu geben. Du hast allen Grund, nicht mehr zurückkehren zu wollen . . . wenn ich dir doch ein wenig und stets das Herz rein erhalten hätte!

Ohne mir etwas zu sagen, weder ja noch nein, weder ein Wort der Billigung oder des Tadels? Was werden wir in der Welt tun, Jesus? O Jesus, wo lassest du mich; ich mühe mich vom Morgen bis zum Abend ab. Was sagtest doch du: „Du bist mir undankbar, und doch bist du mir teuer." Und jetzt? Lehre zurück, komme wie früher; ich verspreche dir alles, alles, was du willst.

Was spät? Bin ich spät daran oder hast du dich verspätet? Lassest du mich so? Gehen wir so auseinander, ohne auch nur ein Wort zu sagen? Bist du nicht zufrieden? Wenn es dein Wille ist, dann befreie mich, errette mich, erleuchte meine Schritte.

Wohin bist du gegangen, meine Liebe? Wo hast du dich verborgen? Warum bin ich noch am Leben? Latz mich doch sterben, ich wünsche

es. Ich verlange zu sterben, aber nur um zu dir zu kommen. Wohin bist du gegangen, mein Jesus? Unendliche Schönheit, wo hast du dich verborgen? Wo muss ich dich suchen, o Jesus? Latz dich nur ein einziges Mal sehen. Hast du mir vielleicht gesagt, ich werde dich auf Erden nicht mehr sehen? Daran erinnere ich mich nicht. Ich hätte so große Lust, dich, o Jesus, zu sehen. Doch ich fühle dich und das sollte mir genügen. . . . Als ich klein war, sagte man mir, du seiest immer zugegen. . . . Wie kommt es nur, dass ich dich nicht sehe? O Jesus, löse diesen Körper auf, zerbrich diese Ketten. Ich werde nicht befriedigt sein, bis meine Seele frei und ungehindert zu dir fliegen wird. Wann werde ich mich vollkommen in dir beseligen?

O Liebe der Wonne... o Wonne der Liebe !*)

*Au» dieser Ekstase ersehen wir neuerdings, wie die empfindlichste Prüfung gottliebender Seelen, die Geistesdürre unserer Gemma keineswegs erspart blieb. Sie war ja bestimmt als Sühnopfer für die Sünder. Gerade infolge dieser Trockenheit war ihr Leben vielfach ein um so fühlbarerer Martyrium, als sie in Tagen der Ruhe so groben Trost zu verkosten gewohnt war. 

 

24. Wie die Braut des Hohenliedes will sie Jesus überallhin folgen. Selbst in der Trostlosigkeit fühlt sie den Frieden des Herzens. Sie wendet sich an die himmlische Mutter mit der Bitte um Erbarmen und Verzeihung der Sünden.

 

Welcher Friede, welche Ruhe, auch wenn du dich verbirgst! Wenn du, Jesus, in die Ferne

gehen willst, so Iah uns selbst auf die Berge geh^- eilen wir!... Ich brenne von denselben Flammen bin von den gleichen Ketten gefesselt. Magst du auch fern sein, Jesus, es genügt, wenn nur deine Liebe mir nicht fehlt. Die Zärtlichkeiten spare für jene Seelen, die du lieb hast. Die Welt sei immerhin falsch, mir liegt nichts daran. Entflamme mich; deine Liebe genügt mir. Ich möchte, dass alle sagten, deine Liebe habe mich verzehrt. Liebe, Liebe!

Ich will jedoch zu dir kommen,- wohin gehst du? Entferne dich, soweit du willst, ich laufe immer hinter dir her. Warum zeigtest du mir anfangs solche Liebe und machst es nun so? Verzeihe mir, wenn ich dich grausam heißen möchte,- die Liebe, die ich zu dir hatte, lässt mich so sprechen. Meine Liebe, deine Liebe gibt mir solche Worte auf die Zunge. . . . Wenn du, mein Gott, nicht zurückkehrst, werde ich sterben. O Jesus, halte mich. Alles mag mir schließlich fehlen, nur nicht deine Stütze. Mir genügt deine Liebe . . . dann magst du fliehen, solange du willst. . . .

Welcher Friede, welche Ruhe, auch wenn du fern bist. Um der Liebe willen, Jesus, lasse, auch wenn du fern bist, nicht zu, dass irgendein Geschöpf mich zu verwirren komme.

Mein Gott! du sagst mir, das Fliehen sei Liebe . . . fliehen wir also!

Ich suche immer dich, Jesus, ich suche stets deine Ehre zu befördern, nichts zu lieben als deine Liebe. Jesus, warum dieses Schweigen? Mein

Gott, weshalb antwortest du mir nicht? Sag mir doch etwas! Wenn du meinerseits Mitwirkung verlangtest, mutztest du mir diese Gaben nach und nach verleihen, nicht so rasch hintereinander, wie du es getan hast. O Jesus, o Licht, wo bist du? Erleuchte meine Augen, lass mich nicht weiter in der Finsternis leben. . . . Gib mir die Flügel, o Jesus, damit ich zu deinem Throne fliegen kann.*) Es gibt jedoch zu viele Hindernisse, welche diese Seele davon abhalten, zu dir zu fliegen. Erteile du ihr einen Befehl und du wirst sehen, dass alle Hindernisse schwinden werden. Bleibe du allein, o Jesus, in meiner Seele, und du wirst sehen, dass niemand es mehr wagen wird, sie zu belästigen.

Aber ich sehe dich nicht, ich sehe dich nirgends... Warum, o Jesus, lässt du dich nicht finden? Du bist voll Freuden im Himmel und mich willst du in solcher Verlassenheit haben? Warum fliehst du vor mir?

Und wo bist du, Mutter? Vereinige mein Herz mit dem Herzen Jesu. Weißt du nicht, Mutter, dass ich heute, heute, Mutter, dir etwas zu weihen habe. . . . Nimm es an. Dir weihe ich meine Phantasie. Ist sie dir geweiht, werde ich nichts zu fürchten haben. . . . Aber Jesus? Warum verbirgt sich Jesus heute so sehr? Und

») Erinnert dieser Ausdruck Gemmas nicht an jenen Grad der Mystik, den einige Theologen mit dem Namen ,Berauschung der Liebe' belegt haben? 

 du, mein Schutzengel, der immer mein Begleiter gewesen, wo bleibst du?

Mein Jesus, o Jesus, können wir es aus- halten, so voneinander getrennt? Weißt du nicht, siehst du nicht, dass ich es nicht mehr ertrage? O Jesus, ich wünsche und suche nur dich, und du fliehst vor mir? Siehe, ich bin zu allem bereit; genügt dir dies nicht? Fliehst du mich noch? Und doch fühle ich, dass ich dich liebe.

Ich suche dich, um dich um Gnade und Erbarmen anzuflehen. Was büßest du, o Herr, ein, wenn du mir alle Sünden verziehen hast? O mein Gott, ich suche, ich rufe dich, aber du? . .. Ich fühle sie, o Jesus, die Last meiner Sünden; bilden etwa diese das Hindernis? So oft habe ich sie schon gebeichtet, aber die Besserung gelingt mir nie. O Jesus, bei deinem Blute, bei deinen Schmerzen will ich dich nicht mehr beleidigen. O Jesus, was mich auf dieser Welt am meisten betrübt, das sind meine Sünden.

Ich möchte, ich wollte . . . doch ich bin zu schwach. O Jesus, wie vieles wollte ich von dir! Ich möchte dich nicht sehen, aber sprechen. Ich möchte dir, Jesus, sagen — weißt du was? — dass du mir Kraft verleihest, Kraft, um deinen Willen zu tun.

Ich rufe dich, o Jesus, ich wende mich jeden Augenblick an dich, nur mit dem Glauben, und mit welchem Glauben? Mit jenem, den du mir zum Heile meiner Seele gegeben hast, den ich ganz deiner Güte verdanke. Für mich ist es süß, weißt  

du, Jesus, aus dem Glauben zu leben. Du findest mich vielleicht kälter; aber meine Seele empfängt besondere Hilfe, ich fühle es. Der Glaube genügt mir, Jesus, ich lebe gut mit dem Glauben.

 

25. Sie bittet um bessere Dispositionen, um Jesus im Sakrament zu empfangen. Sie nennt ihn Bräutigam, weil Jesus ihr das Herz geschenkt hat. Inmitten dieser Freude hat sie Angst, Jesus zu verlieren. Sie bittet um Taubenflügel, damit sie zu ihm fliege und bei ihm ruhe.

 

Heute . . . heute ist mein Jesus mit mir! Sprecht nun ihr, meine armseligen Gefühle!

Sagt es mir nicht mein Herz gar deutlich? Siehst du nicht, wie manche Seufzer es ausgestoßen? Ich danke dir, Jesus, dass ich seit drei Tagen frei bin; auch der Beichtvater dankt dir.

Jesus, ich habe dich so sehr gesucht; wo warst du, Jesus? Latz nach heute etwas bei dir weilen, Iah mich deine Gegenwart genießen, Iah mich dir nahe sein; denn so viele Tage werde ich es nicht mehr können.

Wie lange ich will, Jesus? Solange du mich behältst, darf ich bleiben.

Alles, was ich des nachts tue (wachen vor dir), gestattet mir der Beichtvater, wenn du einverstanden bist. Ich tue alles, was du mich gelehrt hast. Und heute, wer ist es gewesen, Jesus, der mich deine Gegenwart genießen ließ, wer ist es 

gewesen? Der Beichtvater? Vielleicht deine große Liebe?

Du fragst mich, ob ich dir nichts zu sagen hätte. So vieles, Jesus, so vieles. ... Sag mir, Jesus, spricht nicht schon mein Herz durch seine Seufzer mit dir?

Ich leide, Jesus, ich leide; aber ich sage es dir lächelnd, siehst du es nicht? . . . Aber jetzt bin ich glücklich. Ja, Jesus, es gibt glückliche Augenblicke auf Erden. . . . Mit Jesus zusammen sein, welch ein Trost, Jesus . . .l

Teurer Jesus, Paradies der Liebe, Wunder der Zärtlichkeit! Ich bin ganz beschämt wegen der vielen Gnaden, o Herr; wenn du mir nicht hilfst, werde ich immer unwissender, inmitten deiner Wohltaten werde ich stets noch schlimmer.

Was wünschest du? Ich möchte, o Herr, dass du mir helfest; nein, ich möchte dich nicht empfangen, da ich so schlecht disponiert bin. Mache du mich der Kommunion würdig, wenigstens etwas reicher an Verdiensten.

Womit? Mit dem unendlichen Verdienst deines kostbaren Blutes.

Sag mir, Jesus, freut es dich, bei mir zu sein? Ich finde da wahrhaftig alles. Je mehr ich an dich denke, desto sicher und liebenswerter finde ich dich.

Ah! . . . was verlangst du dann von mir, , was verlangst du?

Liebe? Ich liebe dich, weil du mein Wohltäter bist, der mich erschaffen hat und noch er, 

HM. Du bist es, der meine Seele vollendet und vergöttlicht. Weil du der Bräutigam meiner Seele bist, suche ich immer dich, deine Liebe, deine Freundschaft, deine Ehre. Wenn du mir hilfst, wird es mir an nichts fehlen. Wann werde ich auf deine sähe Stimme hin ganz entbrennen?

Was erhältst du von meiner Undankbarkeit? Bin ich vielleicht mit dem Körper mit dir vereint (durch die in der Eucharistie erfolgende Bereinigung)? Etwa mit dem Herzen? . . . Nein, nein, das Herz gehört dir. Siehe, o Jesus, du bist ein tapferer und edelgesinnter König; du treibst zum Kampfe und willst dann doch wieder den Sieg. Verleihe mir die Gnade, das; ich mich all deinem Rufen zu ergeben vermag, dass ich dir mit zärtlicher Liebe zugetan sein kann.

Mein Jesus, bist du denn wirklich so arm geworden, dass; du so sehr auf mich angewiesen bist? Wärest du auch in der Tat so arm, wie könnte ich dir dann Hilfe leisten? Siehe doch, o Herr, mein Körper ist eine Handvoll Staub; meine Seele dagegen, die macht mein Herr groß. O meine Seele, lobe die innige Liebe Jesu, der von Mitleid mit meiner Armseligkeit ergriffen, mir alle Mittel anbietet, um zu seiner Liebe zu gelangen.

Du, Jesus, bist ein von mir nicht erkannter Schah-, jetzt aber betrachte ich dich als mein, besonders dein Herz gehört mir an. Ja. es ist mein, denn du hast es mir wiederholt gänzlich geschenkt. Wer hätte es gesagt, dass; dein Herz und das meine immer beisammen sein mühten? Doch dein Herz ist voll Licht, meines aber mit Finsternis gefüllt. Du bist zu freigebig, Jesus. Nur die Engel, o Herr, sind die Zeugen deiner Liebeserweise meiner Seele gegenüber. Jesus, mein Paradies auf Erden, wann, wann werde ich aus dieser dichten Finsternis zum Hellen Lichte meines Jesu kommen? Wann vergeht die Angst, dich zu verlieren? . . . Wann werde ich vom Tode zum Leben, von der Furcht, dich zu verlieren, zur Gewissheit, dich zu besitzen, übergehen? Wann werde ich mich vollständig er- sättigen an deiner göttlichen Schönheit? Wann werde ich mich verlieren in deinem göttlichen Lichte? . . . Aber welches Licht? Ein unermessliches, unauslöschliches, unkörperliches Licht. . . - O Jesus . . . wann, Jesus? O mein Gott, kannst du mich so leiden sehen? Würdest du wohl dieses mein Verlangen verachten? Wer anders hat mir diese Sehnsucht ins Herz gelegt als du? Komme, komme, Jesus, komme und nimm mich, komme und erquicke mich ein wenig.

O Jesus, habe Erbarmen mit mir! Ich habe so oft für die andern gebetet,' habe nun auch Mitleid mit einer Sünderin, welche dich das Leben gekostet hat.' ... Ich bin Waisenkind, ich habe keinen Vater, keine Mutter mehr,' habe Mitleid mit den Armen, habe Erbarmen mit mir! . . .

Ich bin eine Frucht deiner Passion, ich bin ein Spross deiner Wunden. . . . Wer wird mir die Flügel des Adlers, der Taube geben, damit ich zu dir fliege- gib mir sie, o Jesus, die Flügel der Kontemplation! Wie soll ich es machen, um

zu dir zu fliegen? So manches stellt sich hindernd dazwischen. Durchschneide alle diese geschaffenen Dinge, zerbrich diese Ketten, die mich hindern, zu dir zu fliegen. ... Es gibt noch manch andere Dinge, o Jesus, deren Betrachtung meiner Seele Nahrung bietet; allein bei keinem derselben findet sie solche Stütze, solche Ruhe. In dir allein, Jesus... In dir allein ruht sich meine Seele aus.

Ich kann es nicht mehr aushalten, ich ertrage es nicht mehr, wenn ich fühle, dass mein Herz zugleich mit dem deinigen schlägt.

Ja, o Jesus, mein Glück ist so groß, dass ich immer größere Lust verspüre, in deiner lieben Gegenwart zu sein; ich fühle auch» o Jesus, dass meine Seele bei diesem innigen Zusammensein so viele besondere Hilfsmittel bekommt. Es vergeht kein Tag, Jesus, dass ich von dir nicht neue Wohltaten bekomme. . . . Wenn du dich aber so meiner Seele entdeckst, wenn du . . .

Mein Jesus, ich verzehre mich, ich sterbe, ich sterbe für dich. Jesus, du Speise der starken Seelen, stärke mich, vergöttliche mich.*) Großer Gott, Gott alles Opfers, Jesus, hilf mir. . . . Meine Erlösung, Gott von Gott gezeugt, komme mir zu Hilfe. Deine Augen, o Jesus, wachen ununterbrochen über mir. Mich dürstet nach dir, Jesus. Siehst du nicht, wie viel ich jeweils leide am Morgen, bevor du meine Speise bist? . . . Bewirke, dass

1 D. h. wandle mich um in dich selber, mache mich deiner göttlichen Natur teilhaftig. 2 Petr. 1, 4: xxxxxxxxxxx der göttlichen Natur teilhaftig."

der Genuss dieser Speise mir Sättigung verschaffe.

Du bist die einzige Liebe aller Geschöpfe! Du, Jesus, bist das Feuer meines Herzens. Mein Jesus, dich möchte ich aus ganzer Seele lieben.

Ihr Heilige des Himmels alle, leiht mir solch liebefähiges Herz.

 

26. In der Beschauung sieht sie den Himmel und erzählt von dessen Freuden und Wonnen. Selbst im Schlafe will sie immer an den Himmel denken, weil Jesus ihr Himmel ist!

 

Ich bin erfreut und befriedigt, Jesus. Was liegt mir an alldem? Ich wünschte bloß eines: in den Himmel zu dir. Wie sollte ich nicht nach Jesus verlangen, mir nicht den Himmel wünschen? Ja, dich will, dich wünsche ich. Bald, Jesus, mache schnell! Auf denn, Jesus, brechen wir auf, gehen wir in deinen Himmel!

Doch nein, jetzt geht's noch nicht dorthin, Jesus, nein; ich habe Angst, ich fürchte. .       . Hast

nicht du selber gesagt, o Herr, der Himmel gehöre denjenigen, die in der Welt leben, aber sich nicht um die Welt kümmern? Sagst nicht du mir, der Himmel sei der Anteil der Unschuldigen? Und ich? . . . Was fängst du mit mir an? Was beginnst du mit mir, o Herr? Du, o Herr, bist immer der einzige, der weiß, zu welchem Zwecke ich noch in der Welt bin . . . warum würdigst du dich nicht, es einem andern mitzuteilen?

Wer bin ich denn, dass ich jeden Augenblick so mitmeinem Jesus zu reden wage? O Paradies,

o Himmel, lass mich an dich denken. Wenn ich einmal dort oben bin» werde ich die Leiden und Schmerzen dieser Erde nicht mehr zu ertragen, zu erdulden haben. O Himmel, in dir gibt es keine Nacht, keine Finsternis, keine Veränderung der

Verhältnisse und der Zeit       O Himmel, in

dir wird der Gott vom Gotte, das Licht vom Lichte thronen.*) Die Sonne der Gerechtigkeit ist es, die dich erleuchtet; sein reinstes Herz wird dir die Klarheit der Sonne verleihen; denn die eigentliche Freude besteht in der Anschauung Gottes, des Königs der Könige, der inmitten des Paradieses thront. O Gut! O Himmel! Wie sehr verlange ich nach dir! Wer wird es dir je sagen können? ... Eine Sehnsucht, die niemals zur Qual wird, eine Sättigung, der man nie überdrüssig wird! Wie müssen jene Seelen sein? Wie sind sie in deiner Nähe, der du ganz Licht bist, so strahlend geworden? Wie sind sie inmitten deiner unveränderlichen Ewigkeit aus ihrer Veränderlichkeit in die Unveränderlichkeit übergegangen?

Welche Freude, o Jesus, in deinem Himmel zu wohnen! Hast nicht du selbst dieses Verlangen in mein Herz hineingelegt? Möchte es deiner göttlichen Güte doch gefallen, daß ich nach Erweckung der vollkommenen Reue über meine Sünden in den Himmel einginge, um nur deinen Willen zu tun! Jesus im Leben, Jesus nach dem Leben, Jesus in Ewigkeit I Mein Jesus, meine Liebe I

») vsum vso. lumsu äs luoüuv.", aus dem Credo. 

Welch ein Trost, meine Seele, von den Engeln, deinen Bevorzugten, umgeben zu sein! Das Verdienst bei allen ist nicht gleich, aber die Freude ist jedem eigen. O meine Seele! O Himmel, du wirst sehen, wenn ich bei dir bin, werde ich befriedigt sein. O Gott, gestatte, daß ich eindringe in die Zärtlichkeit deiner Liebe. O Himmel! Werde ich aber würdig sein, deine Fundamente zu schauen, deine heiligen Mauern anzublicken, deine Bewohner, deinen König anzusehen? Ich empfehle mich euch, heilige Engel, dir, mein Schutzengel; öffne mir die Pforte, lasse mich eintreten.

O Jesus, vor meinen Augen bist du erhabener als alle Schätze der Erde. Za, mein süßester, liebevollster Jesus, in meinen Augen bist du erhabener als alle Erdenschätze. Wie gerne würde ich mich mit deinen Engeln vereinigen! Wie gerne würde ich mich ganz auflösen in deinem Lobe! Wie gerne würde ich immer vor dir bleiben! Ich spreche, wie ich kann, nicht wie ich sollte. Wenn ich mich nicht genau auszudrücken vermag, soll ich deshalb stille sein? Nein, denn mein Jesus muss von allen geliebt und geehrt werden. Schaue nicht auf das, was ich mit dem Geiste ) sage, blicke vielmehr in mein Inneres. )

Beten wir Jesus an und flehen wir zu ihm. Beten wir den unermesslichen, unsterblichen, unendlichen Gott an. Beten wir die unendliche

Majestät unseres Gottes an. Lob sei dir, o Vater, der du uns gerettet hast; Lob sei dir, o Sohn, der du uns erlöst hast; Lob sei dir, Heiliger Geist, der du uns geheiligt hast. . . .

Welche Gnade, o mein Schutzengel, soll ich von einem Jesus noch erbitten zu jener, die er mir so gerne erweist und die mir so nützlich ist: die Vermehrung seiner heiligen Liebe. O Liebe, unendliche Liebe meines Jesu!

Ja, ich sehe es, Jesus liebt mich, er scheint mich recht gern zu haben. ... Ich fühle auch, dass er mir das Herz genommen hat; ich merke auch, dass er mich mit seinem kostbaren Blute geschmückt hat. Mein Jesus, unendliche Liebe, deiner Liebe will ich mich nie entäußern; ich will sie niemand abtreten. Engel, mein Engel, ist es wahr, dass mein Jesus mich liebt? Auch ich liebe ihn. Ja, ich liebe dich» Jesus.

Jedes meiner Geheimnisse ist dir, o Jesus, offenbar. . . . Bist du auch gewiss, dass ich dich lieber habe als Himmel und Erde? Alle Dinge der Erde verdienen es, nur zur Ehre deines Herzens geliebt zu werden.

Ich habe dich geliebt, Jesus? Verleihe mir, dich noch mehr zu lieben, damit mein Sinnen und Trachten untertags einzig auf dich gerichtet sei und ich selbst im Schlafe an dich denke. Ich möchte, dass mein Geist immer mit dir spräche, meine Seele immer mit dir verkehrte; ich wünschte ferner, dass mein Herz immer von deinem heiligen Lichte erleuchtet würde, dass du meine Liebe, mein 

Führer Wärest. Ich möchte von Tugend zu Tugend fliegen . . . sonst kann ich nicht in den Himmel kommen. . . . Um jedoch in den Himmel zu kommen, ist Reinheit des Herzens erfordert. Gib mir dieselbe, mein Jesus. Ja, ich sehne mich gar sehr nach der Reinheit des Herzens. O Himmel, lass mich, o Jesus, ungestört an den Himmel denken.

 

27. Sie wünscht sich die Herzen aller Engel und Heiligen, um dieselben dem Ewigen Vater aufzuopfern. Ihre Armseligkeit beschämt sie. Sie singt einen Dankeshymnus für die empfangenen Wohltaten.

 

O ewiger Vater, in diesem Augenblicke möchte ich die Herzen aller Engel, aller Heiligen und Auserwählten, sogar das Herz meiner himmlischen Mutter haben,' ja ich wünschte mir selbst das Her; deines Sohnes, um dir alle zu deiner Ehre und Verherrlichung aufzuopfern.

Teurer Jesus, setzen wir den Fall, o Herr, du seiest, was ich bin, ich aber sei Jesus. . . .

Was ich dann täte? Ich hörte auf, ich zu sein, damit du, o Gott, wärest. . . . Warum, o Herr, lassest du mich ganz von deinem göttlichen Feuer, vom Feuer deiner Liebe entbrennen? Ich möchte alle Geschöpfe der Welt entzünden.

O gewiss, ich vermöchte es. Siehe, o Jesus, ich habe so großes Vertrauen auf dich, dass ich, sähe ich selbst die 'Pforten der Hölle vor mir offen und befände ich mich am Rande des Abgrundes, 

keineswegs verzweifelte. Ja, wenn ich sogar die Hölle und den Himmel wider mich aufstehen sähe, würde ich an deiner Erbarmung nicht verzweifeln; denn ich würde auf dich vertrauen.

Du bist voll Liebe und Erbarmung.

Ich habe dich oft und schwer beleidigt         

Du sagst, es sei grausam, ein Geschöpf zu verletzen! Wie gewaltig muh dann meine Grausamkeit sein, da ich Gott beleidigt, den Schöpfer, das höchste Gut! Du hast mir so viele Gnaden und Wohltaten erwiesen, mich auf wunderbare Weise errettet; und doch macht das auf mein Herz keinen Eindruck. Wie kannst du nur, o mein Herz, ohne zu sterben, den Eingebornen des ewigen Vaters am Kreuze hängen sehen?

Grosz, unendlich ist die Zahl deiner Erbarmungen mir gegenüber. Jesus, gedenke deiner Barmherzigkeit. Herr, wenn du willst, kannst du mich retten. Ich hoffte, o Jesus, wie ich so oft vor dir bekannt habe, doch etwas leisten zu können, ich vertraute auf meine Kräfte. Als ich aber anfing, allein vorzugehen, da kam es, dass ich fiel und alles verlor, was du mich bereits hattest gewinnen lassen. Du hast mich aber bald o Jesus, erleuchtet, und dann begriff ich auch sogleich, dass das, was ich meinen Kräften zugetraut hatte, nie von mir allein ausgeführt werden konnte. Ich hatte den Willen, aber das können ging mir ab. Ich besitze wirklich nichts, worüber ich mich vor dir rühmen könnte. Du hast mich geliebt, o Jesus, und hast mich vielen Seelen vorziehen wollen.

2ch fühle mich geehrt durch deine Gunstbezeigungen, erkenne aber meine Armseligkeit immer besser. Erwarte nichts von mir. Was kannst du nur erwarten von einem so niedrigen Geschöpfe, das nur fähig ist. dich zu beleidigen.

Du willst Liebe? Liebe werde ich dir geben: aber ich habe keine mehr, denn das Herz gehört mir nicht mehr an. Sodann verlange von mir nicht Liebe, denn ich schulde sie dir schon aus Dankbarkeit. Könnte ich dich doch etwas zufrieden stellen, etwa so wie du mich zufrieden stellst.

Es ist etwas Schönes, o Jesus, einen zu lieben, der seinem Beleidiger nicht zürnt. Oft schon habe ich gesehen, dass wenn deine Gerechtigkeit mich strafen sollte, du selber bemüht bist, diese Strafe zu hindern, ja zurückzuhalten. Ich habe einen Jesus gefunden, der so nach meinem Herzen verlangt, dass es xxx nicht zu erbittern weiß.

Liebe meiner Liebe, Jesus, mein Geliebter, mein Trost . . ., mein Gott, meine Hilfe, meine Stütze, mein Licht.' Ich bemerke, dass ich alles aufgewendet habe; deine Erbarmung hingegen ist noch nicht erschöpft. Hie und da, Jesus, erinnere ich mich an deine Strenge, aber deine Liebenswürdigkeit tröstet mich wieder. Du warst immer mein Vater, ich will stets deine treue Tochter sein.

Ich habe die großen Kämpfe erwogen, die ich mit deiner Hilfe über den Feind gewonnen habe. Ich habe dabei eine große Zahl entdeckt. Wäre es möglich, dass ich ohne deine Hilfe solch gewaltige Kämpfe bestehen könnte? Wer weiß, wie oft.

wenn du mir nicht beigestanden wärest, mein Glaube gewankt hätte, meine Hoffnung und Liebe geringer geworden wären. Mein Verstand hätte sich verdunkelt, wenn du, ewige Sonne, ihn nicht erleuchtet hättest. Meine Liebe, wie oft wäre sie schwach geworden, o Jesus, wenn du sie durch deine Zärtlichkeit nicht immer wieder gestärkt hättest I Und im Willen, dem Notwendigsten von allem, wie oft fand sich die Trägheit vor, doch du mit deinem Feuer hast ihn wieder entzündet. Ich gebe es gerne zu, alles war das Werk deiner Liebe, alle Siege verdanke ich deiner unendlichen Liebe. Und da sollte ich dir, o Herr, nicht dankbar sein?

Siehst du denn nicht, dass ich nichts zuwege bringe? Begnüge dich wenigstens, wenn ich mich mit allen meinen Sinnen, den innern wie den äußern, dir hingebe.

Die Wirksamkeit deiner Liebe kann dieses, kann alles vollbringen. Ich habe es dir oft gesagt. Ich begreife, dass ich dich beleidigte, wenn ich meinen Willen dem deinigen vorzöge.

Was willst du nur, dass ich verlange, wenn ich sehe, dass du mir mehr gibst als ich heische? Ich bemerke, bah du immer für mich sorgst.

Nichts, nichts, o Herr, von dem, was du nicht willst. Ich werde trachten, dir mit größerer Treue zu dienen, edelsinniger Jesus!

Ich fühle mich gleich erfrischt, sobald ich die Stimme zu deinem Lobe erheben kann; aber die Freude ist von kurzer Dauer und meine Seele kehrt ins Dunkel zurück. . . . Meine Seele, lebe 

beruhigt; du wirst sehen, die Finsternis wird schwinden und das Licht wird kommen; sei zufrieden, hoffe auf Jesus, vertraue auf ihn allein.

 

28. Sie erblickt Jesus wiederum in Schmerzen. Sie bittet um Teilnahme daran und fleht um die Gnade, ohne Klagen leiden zu können. Sie möchte die Qualen der Geißelung und Dornenkrönung erdulden. Einladung an die Engel, mit ihr das vom Kreuz herabtropfende Blut Jesu zu sammeln und anzubeten.

 

O Gott, ich bin müde . . . aber etwas Kraft! Was immer eintreten mag, sei alles für dich. Ich kann frei wählen, o Jesus, heute Abend oder jetzt; der Beichtvater wünscht indes, dass ich für diese Nacht stark bleibe.

O Jesus, Jesus, höre doch, was der Beichtvater mich fragt: „Was tust du denn, wenn-du vor Jesus bist?" Wenn ich vor Jesus dem Gekreuzigten bin, leide ich mit ihm; wenn ich vor Jesus im Sakramente bin, liebe ich.

Wie sehr beklagte ich mich gestern, Jesus, weil der Kopf mir wehe tat. Gestern die Schmerzen

im Kopf, heute das Kreuz, morgen die Wunden       

Wenn wir leiden müssen, dann wollen wir mitsammen leiden. Wer wird schwerer gelitten haben, du aus Liebe zu mir, oder ich aus Liebe zu dir? Heute das Kreuz, morgen die Wunden: welch ein Schauspiel, o Jesus, taucht vor mir auf! Wenn du gekreuzigt bist, leide ich mit dir.

L ... fast immer, wenn ich dich suche, Jesus, finde ich dich immer am Kreuze.

Die Betrachtung der Passion war für die heiligen Seelen noch immer ein Trost; warum sollte ich vor dem Leiden zurückschrecken?

O heiliges Kreuz! . . . Wie schön bist du, Jesus! Würdest du dich vollends sehen lassen, wie du im Himmel bist, dann mühte ich sterben. Sag mir, Jesus, wäre dies nicht ein schöner Tod? Zerbrich doch bald diese Kette, die mich an die Welt gefesselt hält.

Heute das Kreuz, morgen . . . (die Wunden). Wann, wann, Jesus? Warum mich beklagen? Was nur von deiner Hand zuteil wird, ist mir zu teuer.

Der Beichtvater fordert mich auf, acht zu haben, ob du aus Liebe zu nur mehr gelitten, als ich aus Liebe zu dir.

Diese Nacht, Jesus, will ich allein leiden; wenn auch du leiden willst, dann leiden wir zusammen. Wir wollen ein einziges Opfer sein. Bist du zufrieden, Jesus? Verschaffe mir Kraft, Jesus, um etwas anderes bitte ich dich nicht.

Armer Jesus! Welche Schläge, armer Jesus! Die Schlechten fehlen nicht, Jesus; aber dir fehlt auch die Geduld nicht.

Lasst ihn doch in Ruhe meinen Jesus. Schlagt mich. Jesus nicht. . . . Warum euch an Jesu rächen? Rächt euch an mir.

Noch mehr, o Jesus, noch mehr . . . o Gott l Noch mehr. Jesus'. Vermehre die Qual, o Jesus. 

steigere sie, o Jesus, o Gott! . . . Mein Jesus, stehe mir bei in diesen Augenblicken. Jesus, an wen soll ich mich wenden?*)

In jenen Augenblicken hattest du, Jesus, niemand. Jesus, verzeihe mir meine Schwäche: vor Furcht, ich halte es nicht aus, musste ich mich niederlegen. O Jesus, was wirst du von mir denken?

Heute, Jesus, sollte ich die Betrachtung über die Geißelung anstellen; ich habe daran gedacht, weißt du, Jesus. Ich habe an die Leiden deines Körpers gedacht. Ich sage es dir offen heraus, ich denke oft daran, wenn dieser Tag (Freitag) naht.

Der Geist ist willig, aber der Leib beklagt sich- Ja, der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Ja, der Geist ist willig, aber mein Leib ist ermüdet.

O, so vieles möchte ich von dir heischen; ich möchte dir sagen, du sollest mir morgen den Schmerz vermehren. Am empfindlichsten ist der Schmerz, den die Dornenkrone verursacht; er ist aber auch der anhaltendste.

Ja, ja, ich will, Jesus, dass du mir ihn gibst. Wie könnte ich, o Jesus, dich inmitten all deiner Schmerzen erblicken? An mein Fleisch, Jesus, werde ich denken, damit es sich nicht beklage, ich werde es zum Schweigen bringen. Ja, Jesus, mein Geist ist zu jeder Art von Schinerzen bereit. Mein Leib möchte freilich weinen, wenn er an 

den Schmerz denkt, den er am Kopfe ertragen hat; oder der Geist ist willig.

Last mich dein fein, Jesus, ganz dir angehören. Hefte mich neuerdings ans Kreuz, Jesus. . . .

. Leiden Jesu! Engel des Himmels, verneigt euch alle mit mir vor dem Leiden Jesu. Sammeln wir gemeinsam das Blut Jesu. . . .

Wer ist glücklicher als ich? Gehen wir alle zu Jesus ans Kreuz. Ein gekreuzigter Gott! Und doch, o Jesus, habe ich das Herz, dir zu widerstehen? In deiner Nähe leidet man nicht mehr. Wohlan denn, kommt alle, gehen wir das Blut Jesu sammeln, der soviel davon vergossen hat, während ich, die mindeste unter deinen Dienern, nicht ein Tröpfchen hingegeben habe.

Jesus, ich bete das von dir vergossene Blut an und hoffe, du, Jesus, werdest es nicht nutzlos f   für mich dahingegeben haben.

O Gott! Jesus stirbt! Ich will mit dir sterben... O Dornen, o Kreuz, o Nägel, wie oft muh ich euch noch sagen: rächet euch an mir, aber nicht an Jesus. . . .

Jesus stirbt, aber mir gibt er das Leben. . . . O Leiden Jesu, ich liebe dich. Engel des Himmels, kommt alle, beten wir gemeinsam das Leiden Jesu an. . - -

 

29. Sie schaut Jesus am Kreuz, ruft die Engel Teilnahme auf und regt ihre Seele zur Liebe an.

 

O Jesus, wer hat dich so zugerichtet?

O Jesus; mein Kopf! Wie sehr schmerzt er mich! 

Jesus, bleibe heute doch bei mir. Sag mir es, Jesus, leide ich für dich, wenn ich leide? Mühe ich mich für dich ab, wenn ich arbeite?

Gut denn, gut, für Jesus leiden; wie wohl tut es mir, in deiner Nähe zu ruhen; wie gut ist es, nahe deinem Herzen zu sein!

So viel leiden für dich! Ich kann nicht mehr, Jesus; es ist wenig, dir bloß zwei Stunden widmen zu dürfen; ich möchte dir alle Augenblicke hingeben.

O heilige Engel, kommt alle zumal, Jesus zu bemitleiden. Passion, Passion Jesu! Alle wollen wir Jesu Passion anbeten.

O wie viel Blut! O Kreuz, weshalb rächst du dich immer an Jesus! Bedrücke nicht mehr Jesus, sondern mich.

O Kreuz, in deiner Nähe fühle ich mich stark.

Beständig verlange ich Liebe zum Kreuz, nicht zu deinem, sondern zu jenem, das ich umfangen soll. Ich liebe es so sehr. Am Kreuze, Jesus, habe ich dich lieben gelernt.

Mein Jesus! O mein Jesus, erhöre mich!

Ich weiß es schon, Jesus, ich sollte nicht weinen, sondern mich freuen. Willst du, dass ich die Worte des hl. Paulus wiederhole? Jesus, ich rühme mich der Trübsale . . . und doch werde ich oft mutlos und beginne zu weinen.

Ich versuche es, Jesus, aber es gelingt mir nicht; denke, Jesus, wenn es schlimmer wird, habe ; ich keinen Mut mehr, was dann?

O Jesus, ich danke dir tausendmal, dass du mich dir immer ähnlicher machst. Denke, Jesus, 

dass du es mir versprochen hast: wenn ich teilnehme an deinen Leiden, werde ich auch teil haben an deiner Herrlichkeit.

Mein Herr Jesus, wenn meine Lippen sich den deinigen nähern, um dich zu küssen, lass mich gleich dir Essig und Galle verkosten. Wenn meine Schultern sich an deine lehnen, lass mich deine Geißelschläge verspüren. Wenn dein Fleisch sich dem meinigen mitteilt, lass mich deine Passion erdulden. Wenn mein Haupt sich dem deinen nähert, lass mich deine Dornen empfinden. Wenn meine Seite sich an deine legt, lass mich deinen Lanzenstich ertragen.

Was werde ich dir je geben für die zahlreichen mir erwiesenen Wohltaten, besonders dafür, dass du mich geliebt und erhalten hast? Was solltest du nicht erwarten von einem so elenden Geschöpfe, wie ich eines bin? Ich gebe dir alles, was du mir gegeben hast.

O Jesus ... Es genügt diese Nacht. Wenn du nahe bist, verspürt man den Schmerz nicht mehr.

Ich möchte schon noch leiden; aber ich darf nicht, der Beichtvater will es nicht; ich leide aber desto mehr auf diese Art. Er will es nicht, Jesus, weil es mir heute morgen unwohl wurde in der Kirche; sonst hätte ich gewiss noch Kraft, Jesus; ich möchte dir helfen, ich möchte so vieles für dich leiden. Du, o Jesus, hast, um meine Seele zu retten, weder das Leben noch das Blut geschont; aber auch ich, Jesus, möchte das Leben für dich hingeben. Glaubst du es? Es gibt Augen blicke, wo ich mich für das Martyrium stark gen» fühle; ich täte dann alles, was du wolltest. ^ will gerne am Kreuze für dich sterben.

Jetzt, Jesus, suche ich dich jeden Freitag und finde dich immer am Kreuze; aber wie? gestorben. Wer ist es gewesen, Jesus?

Deine Liebe zu meiner Seele ist also bis zu diesem Grade gestiegen?

Meine Seele, lobpreise Jesus. Vergiss doch nie die vielen Wohltaten, die er dir erwiesen hat. Siehe, meine Seele, immer und immer betrachte ich dich wieder, ich finde und sehe dich in solchen Gütern und Süßigkeiten . . . und doch finde ich dich immer undankbar. Liebe jenen Gott, der dich so sehr liebt; erhebe dich zu ihm, der sich so sehr zu dir herabgelassen hat. Siehst du nicht, wie er wacht? Und du, meine Seele, zeige dich, wie er sich dir gegenüber zeigt ... sei rein und makellos. Liebe deinen Jesus, der dich aus solchem Elend emporgehoben hat. Liebe deinen Gott. . . - Preise deinen Herrn.

 

30. Sie betrachtet die Jungfrau bei der Todesangst Jesu. Sie hat Mitleid mit derselben und beim Anblick der beiden Opfer, Jesus und Maria, sehnt sie sich nach dem Kreuz. Sie will indes, dass nur Jesus Zeuge davon sei.

 

Meine Mutter, wo treffe ich dich?    

Was littest du, meine Mutter, als du Jesus tot 

erblicktest! ... als du dich von ihm trennen musstest!

Ist es möglich, dass du so vieles meinetwegen gelitten hast? Was machtest du doch, meine Mutter, lag mir, was machtest du, als du Jesus ans Kreuz genagelt sähest? Meine Mutter, lass mich das Kreuz erkennen; nicht so fast jenes meines Jesu, sondern dasjenige, welches ich umfangen muss; lass mich es kennen lernen und bewirke, dass ich sagen könne: O Jesus, noch mehr, noch mehr, noch mehr.

Jesus! . . . Meine Mutter, wessen Kinder sind die Sünder? Es sind deine Kinder.

Meine Mutter, alles, was ich in dieser Woche leiden werde, alles sei für sie.

Zuflucht der Sünder, wohlan, gib dich zu erkennen! Wer hat nicht Mitleid mit dir, meine Mutter? Ich sehe es, du kannst jene Wunden -nicht genugsam betrachten.

Ist es möglich, dich nicht zu lieben, die soviel für mich erduldet hat? Wer sollte dich nicht bemitleiden? Könnte ich! . . .

O welche Pein traf dich! Jesus kennt man gar nicht mehr. Was würdest du tun? O Gott I... Jesus ist gestorben, die Mutter weint, soll ich da allein gefühllos bleiben? Ich erblicke nicht mehr bloß ein Opfer, ich sehe deren zwei, eines durch Jesus, eines durch Maria dargebracht. O meine Mutter, wer dich bei Jesus erblickte, wüsste nicht zu sagen, wer zuerst verscheiden werde: du oder Jesus. 

Welches Mitleid erregst du, meine Mutter, wenn ich dich jeden Samstag so zu den Füßen des Kreuzes erblicke l Weißt du aber, welches der größte Schmerz ist! Dass ich dir keinerlei Trost zu gewähren vermag,' ja, es schmerzt mich tief, weil ich Ursache deines Schmerzes gewesen bin. Wenn dir diese meine kleinen Leiden zum Tröste gereichen können, so nimm sie an, meine Mutter, und sage Jesus, er solle sie in seinem Herzen verbergen. Ja, Jesus nimmt sie an, er weist sie nicht zurück.

Wie bist du voller Schmerzen, meine Mutter! Wer hat dir solches Leid verursacht? Ich selbst bin es gewesen. Ich habe jene Lanze angefertigt. Verwunde auch mich mit jenem Schwerte. Wie schmerzvoll ist doch dein Antlitz!      

Erhebe dich, Jesus, erhebe dich, Jesus, sonst stirbt meine Mutter! Auf denn!

Ich weiß es, der Schmerz ist so groß, dass er den Namen Seelenschmerz verdient. Ich sehe nicht mehr bloß ein Opfer, es sind deren zwei. Soll ich da allein so gefühllos bleiben?

Wie du es verstehst, das Kreuz für mich und für alle jene Seelen aufzunehmen, die ohne das Kreuz leben wollen! O meine Mutter, o mein Jesus, wenn ich Jesus sehe, drängt es mich, das Kreuz zu lieben, o meine Mutter,' aber dieses Kreuz . . .!

Nein, ich weise es nicht zurück, denn wenn ich das Kreuz zurückweise, weise ich auch Jesus zurück. O heiliges Kreuz, mit dir will ich leben.

mit dir will ich sterben! Ja, ich liebe das Kreuz, weil ich weiß, bah das Kreuz auf den Schultern Jesu ist- Wenn du mir jenes Kreuz auf die Schultern legst, falle ich; und dann ... ich bin zu nichts gut.

Ist es möglich, Jesus; ist jenes Kreuz wirklich dasjenige, das du auf den Schultern getragen?

Tb ich es will? Freilich will ich es; sogar jetzt schon würde ich es aufnehmen, Jesus. Ja, ich will es immer lieben; ist es möglich; dasselbe nicht zu lieben? Kann man Jesus nicht lieben? Wenn mich auch alle verließen, er wird mich nie verlassen. Für ihn leide ich gerne, und zwar alles.

Weißt du denn wirklich nicht, warum ich geweint habe, meine Mutter? Weshalb willst du mich jetzt so viel sprechen lassen? Du weißt doch, dass ich alles, was mir missfällt, immer im Herzen behalten möchte; Jesus will auch, dass ich alles, alles dem Beichtvater sage und der Tante Cecilia mitteile.

Gewiss hat Jesus Recht; er hat immer Recht.

Nun hast du mich gefragt und ich sage es dir sogleich, meine Mutier: Wenn ich leide, möchte ich nicht, dass außer Jesus sonst jemand etwas davon erführe. Wie gut ist es zu leiden, wenn man mit Jesus allein duldet l Das Leiden, welches Jesus sendet, kommt mir als ein Leiden voll Trost vor; aber allein . . - nicht wie es am Donnerstag geschah, meine Mutter: ich war mit Jesus und litt mit ihm, da kamen auf mein Zimmer drei oder vier - - - 

 

31. Sie schaut neuerdings, wie die allerseligste Jungfrau trostlos den gestorbenen Jesus beweint; sie betrübt sich über die dem Heiland zugefügten Beleidigungen. Liebevolles Ringen mit der allerseligsten Jungfrau, um die Bekehrung eines Sünders zu erlangen. Sie bittet Maria für die wohltätige Familie Giannini.

 

O mein Gott, ich liebe dich ... zu jeder Stunde, in jedem Augenblick; weil ich glaube, dass ich auch von dir geliebt werde.

Meine Mutter, warum kommst du nicht - Meine Mutter, werde ich dich auf dieser Erde nicht mehr sehen? Ich kann nicht sein ohne dich. Meinst du denn, die Kinder könnten ohne die Mutter sein? Ich habe eine Mutter, die so freigebig ist wie Jesus! Wie könnt ihr beide, sagt mir es doch, mir solche Liebe bezeigen? . . . Was soll ich tun? Mit wem spreche ich, wen habe ich heute vor mir? Ich verdiene es nicht, meine Mutter, dass du bei mir bist. Täusche ich mich wirklich nicht? Habe ich tatsächlich die Mutter Jesu vor mir?

Warum weinst du? Sag mir, meine Mutter, was tatest du, als du deinen Jesus gekrönt sähest? Was tatest du und was durchkostete dein Herz? Ich verstehe, ich begreife es, es ist zu großer Schmerz. Welcher Unterschied zwischen deinem und meinem Herzen I Es war ein gewaltiger Schmerz. Was werde ich heute hier tun? Jesus ist tot und du, Mutter, weinst. Was presch dir Tränen ans?

Wenn du weinst, weil sie Jesus beleidigen,. 

dann tröste dich, meine Mutier; ich will alles tun, damit er nicht mehr beleidigt werde; ich werde alles tun, dass sie Jesus in Ruhe lassen.

Du fragst mich, meine Mutter, was die Ursache sei, die mich so zur Liebe Jesu antreibt? Weiht du denn nicht, was er mir verheißen hat? Wenn ich teilgenommen an seinen Leiden, werde ich auch an seiner Glorie Anteil haben. Sei unbesorgt, meine Mutter, ich werde alles zum Opfer bringen: Worte, Gedanken, Leiden» damit doch Jesus weniger beleidiget werde.

Warum» meine Mutter, finde ich dich so betrübt? Wie konnte ich das nur vergessen? Es ist wahr. Heute, meine Mutter, weinst du über die Sünder. O ruchlose Sünder, hört auf, Jesus ans Kreuz zu schlagen, denn zur gleichen Zeit kreuzigt ihr auch seine Mutter.

Jene Seele aufgeben? Was sagst du doch heute, meine Mutter? Ist es nicht eine Seele Jesu? Hat nicht Jesus all sein Blut für sie vergossen?

Es ist wahr, ich selber habe sie diese Tage hindurch vergessen; willst du sie vielleicht deshalb aufgeben? Nein, nein, beruhige dich, gehe und besänftige Jesus.

Aber Jesus gehorcht doch immer seiner Mutter.

Du sagst, du richtest nichts aus? Aber wenn du allvermögend bist.*) O, bevor du eine Seele verlassest, meine Mutter! ... Ist es möglich,

») tzuoä Vouaiwpvrio, tu prvoe, Virxo, potv», wir die hl. Lehrer da, Wort von der „Allmacht" Mariä er- klären.

dass Jesus eine Seele aufgeben will? Jesus hatte doch auch Mitleid mit dem rechten Schächer.

Ich weiß es, meine Mutter, wer er ist; aber ich will ihn nicht sehen. Wenn er gerettet ist, dann erst will ich ihn sehen.

O Mutter, was machst du mir heute, die sonst für die Sünder eintritt? Hast du vielleicht aufgehört, Mutter zu sein? Unmöglich. Und die Worte meines lieben Gabriel: „Jede, noch so schwierige Angelegenheit, die in deine Hände gelegt wird, vermagst du zu beheben?"

Meine Mutter, willst du mich heute wirklich so betrübt lassen? Erlange mir von Jesus, was du mir am letzten Samstag erwirkt hast. ) Wie erfreut und befriedigt wäre ich dann!

Sag mir doch, meine Mutter, warum bist du, sobald ich dich erblicke, immer so betrübt? Warum heitert sich erst später deine Miene etwas auf?

Bin ich vielleicht imstande, deinen Schmerz etwas zu lindern? Wenn dem so wäre, wollte ich dich nie verlassen. Meine Mutter, wenn es dir einigen Trost gewährt, bei mir zu sein, wollen wir diese Nacht beisammenbleiben. Erlange mir aber von Jesus, was du mir am letzten Samstag erwirkt hast ... die Seele jenes Sünders.

Sag mir noch, meine Mutter, was fühlte dein Herz, als es bei Jesus war I Wie sehr unterscheidet es sich von dem meinen!

Der heutige Tag ist vergangen, ohne dass Jesus je gekommen ist, meine Mutter! Was

verschlägt es? Morgen werde ich ihn an mein Herz drücken.*)

Du sagst, ich solle zufrieden sein. Sei auch du zufrieden, dann bin auch ich zufrieden. Habe ich noch einige Samstage zu erleben? Wer weiß, ob wir uns nochmals sehen? Meine Mutter, verlassest du mich? Da bin ich neuerdings ohne Mutter!

Noch etwas will ich dir sagen, das ich Jesus nicht sagen konnte: ich weih mich nicht zu erklären; höre einmal.

Es wird so sein, meine Mutter, ich konnte es aber Jesus nicht sagen. Meine Mutter, ich empfehle dir meine Familie und dieses Haus. Sage Jesus, dass; er ihnen beistehe in Zeiten der Prüfung; wenn je seine Hand auf ihnen lasten sollte, so bin ich da, sie möge immerhin auf mir lasten. Diese Familie empfehle ich dir recht sehr . . . sage du es Jesus ... ich betrachte es als etwas Wichtiges . .**)

 

32. Sie bringt sich ganz Gott zum Opfer dar, als Opfer der Liebe.

 

Jesus, du heischest Liebe von mir? .... Wer hat dir den Tod gebracht, Jesus? Die Liebe. 

Jene Nägel, jenes Kreuz . . . alles ist ein Werk der Liebe . . . O Jesus, was wäre es, wenn man eines Tages sagen könnte, ich sei von deiner Liebe verzehrt worden?

Was für ein Geschenk willst du mir machen, Jesus?

Dann Jesus, siehe von neuem die Hände, die Füße, alles. Mache immerhin, was du willst, ich gehöre ganz dir an. Für dich, Jesus, opfere ich gerne alles, dir schenke ich alles, den Leib wie den Geist; dir übergebe ich mein Herz mit all seinen Gefühlen; dir weihe ich den Leib mit all seinen Schwächen; dir schenke ich die Seele... aber wie? Ich gehöre nicht mehr mir an, ich bin ganz dein, Jesus . . .

Sag mir, Jesus, täuschen sich jene nicht, die sagen, das Leiden sei Lieben. Es ist eine zu große Gnade.

Jesus, von allen Leiden, die du mich kennen lehrst, bedrückt mich keines so wie das letzte . . . ich bin jedoch bereit zu allem, was du willst.

Jesus, Jesus, verlass mich nicht, höre auf mich.'

O mein Gott, was kann ich dir geben, da ich nichts besitze? Siehe, da bin ich vor dir. Siehe genau zu, ich habe nichts, ich bin ganz entblößt, ich besitze wirklich nichts» das ich dir geben könnte. Erleuchte mich, wenn du willst, dass ich dir etwas gebe.

Ah, jetzt kommt's mir in den Sinn. Dieses Leben, das du mir gegeben und das du verzehrt hast durch die Kraft der Liebe, dieses Leben opfere ich dir.

Nun gut, Herr, ich habe sonst nichts, dir zu geben ... Ich habe dich immer als einen anspruchslosen und gütigen Herrn erkannt; du kannst demnach von mir nicht mehr verlangen, als ich zu leisten vermag.

Suche nicht mehr nach Liebe, Jesus, denn ich habe keine mehr. Ich besitze nur ein Leben; hätte ich aber tausend Leben, dann würde ich alle dir geben. Erinnerst du dich nicht mehr des Vertrages, den wir miteinander geschlossen haben. Nur zwei Dinge, Jesus, dann käme ich sogleich mit dir.

Tadle mich nicht, Jesus, ich bin dein Opfer am Kreuze, auf dem Altäre; aber ich bin dein Opfer . . . Doch warte, warte, Jesus . . . Warte noch zu, Jesus . . . weißt du nicht, dass ich dein Opfer bin ... du aber mich hinopfern musst? Siehst du es nicht, Jesus, dass selbst in den schmerzlichsten Augenblicken ich mit dir lebe und du mit mir lebst.

Das Leben, Jesus? Wie oft habe ich es dir schon gegeben. Kein Opfer bringe ich dir lieber. Wie gerne würde ich dir mein Leben schenken, mein lieber Jesus. Heischest du immer Opfer von mir? Verlange doch das Opfer des Lebens nicht mehr von mir. Jetzt . . . auch jetzt, bringe ich es dir, o Jesus, zum Opfer dar. O meine Mutter!

Mein lieber Gott, nimm mir jetzt das Leben, Jesus, nimm es mir, ich bin bereit dazu . . . Mein Leben ist in deinen Händen, o Jesus. Ich habe dich so gern, Jesus, und gebe dir mein Leben hin. 

Weißt du, Jesus, wie ich sein möchte? Opfer der Liebe für dich. Vielleicht bin ich nicht rein genug. Wie können wir aber rein sein, da wir in Sünde empfangen wurden und von unreinem Samen abstammen?

Heilige Seele, ) komm mir zu Hilfe. Mutter, hilf mir; Mutter . . ., heilige Seele, ich habe dich notwendig. Auserwählte Seele, die den besten Teil mit Jesus erwählt hat, da du Braut seines Herzens geworden bist, während er dein Geliebter geworden, ... zu dir nehme ich meine Zuflucht... Besonders heute morgen sende für mich ein Gebet zu Jesus. Wende, heilige Seele, einen kleinen Teil deines großen Eifers an, um meiner unglücklichen und bedürftigen Seele jene Verzeihung zu erlangen, die sie sich niemals verdienen konnte . . . Noch will ich . . . Lass, heilige Seele, deine reine Liebe bei Jesus für mich eintreten, denn dieser Liebe kann er nichts versagen. Noch etwas .... Heilige Seele, wende auch den Wert deiner Liebe für mich an, denn diese macht dir bei Jesus alles erreichbar. Siehe, teure Seele, wie viel ich von dir will. Wenn du es für mich nicht tun willst, tue es zur Ehre jenes Gottes, dem all dein Sinnen und Trachten gilt . . . Mutter, sage, tust du es? Ja, nicht wahr? Wie kannst du es machen, wenn ich Hindernisse setze ? Ich habe meinen Geist, das wahre Abbild der unerschaffenen Schönheit Jesu, entstellt. 

Jesus, öffne mir dein Herz, lass mich in dasselbe eintreten! Jesus, du siehst doch alle meine Not, warum zögerst du, meine Bitten zu erhören? Jesus, ich liebe dich ... Zu einer Zeit, wo alles sich auf Erden freut, wo der Himmel frohlockt, willst du mich in Tränen allein lassen? Jesus, wirst du nicht etwas Platz finden für mich? Warum machst du mir nicht ein wenig Platz im Kämmerlein deines Ziboriums? Auf, wohlan denn, Jesus, stelle mich zufrieden. Siehst du nicht, dass du mit derselben Macht der Liebe sagen kannst, du seiest immer in meinem Herzen? O Jesus!

Ja, mein Gott, ich liebe dich. Was ich tue, tue ich für dich. Wenn ich wach bin, bin ich immer bei dir; wenn ich esse, geschieht es deinetwegen; wenn ich leide, leide ich mit dir, immer wirst du Jesus, mein Trost sein. Wenn ich mich bedrückt fühle, werde ich stets dich suchen. Ich will vom Glauben, von der Hoffnung leben. Es liegt mir nichts mehr daran, dich auf Erden zu sehen; mir genügt es, dich im Himmel zu schauen. Wenn ich atme, tue ich es für dich, ich suche nur dich.

Ja, mein Gott; Iah aber doch nicht zu, dass dieser mein elender Körper sich auflehne wider deinen Willen . . . Was ist es doch dieses Feuer, das mich ganz ersaht? Ich genieße Jesus, ich genieße Jesus ... So möchte ich, dass es ewig bliebe! . . - Mein Gott, wenn du auf Erden so glücklich machst, was wird dann erst im Himmel sein?

Teurer Jesus, ich bin dir Liebesopfer. 

 

33. Ein erhabener Hymnus der Liebe.

 

Was ist es doch, was ich fühle- O mein wahrer Gott, ich darf mich dieser Süßigkeit, diesem Glücke nicht überlassen . . Was ist es bloß, was ich fühle, o mein Gott?

Es danken dir, o Jesus, die Heiligen und die von Herzen Demütigen; nur ich nicht, o Herr. Auch die Geister und die Seelen aller Gerechten; Klotz ich nicht, o Herr. Endlich alle Bewohner des Himmels, aber ich nicht. Sie alle sollen dir unendlich viel Lob und Dank erweisen. Doch auch ich, ja auch ich» Jesus. Ja, ich elende und unwürdige Sünderin wünsche, dich zu lieben mit ganz besonderer Liebe. Hilf du mir, meine Stärke; Feuer, Feuer in meinem Herzen, brenne heute morgen. Worte mögen mir in den Mund kommen, damit ich Tag und Nacht deine Herrlichkeit betrachte und dich beständig liebe. Unrein sind meine Lippen, unrein ist mein ganzer Körper. Ich bedarf deiner, damit du mich reinigest von jeder Makel. Heilige mich, Jesus. Die Erinnerung an dich sowie deine Süßigkeit sollen meine Seele immer mit dir vereinigt halten. Lass mich von den sichtbaren zu den unsichtbaren Dingen, von den irdischen zu den himmlischen gelangen.

O mein Gott, mein Jesus . . . was sagst du, o Jesus? O wahre Liebe, du bist mein Gott; denn ich fühle mich stets zu dir hingezogen, nach dir zielt all mein Sehnen; zu dir zu kommen, hoffe ich. Wenn ich mit dir verkehre, dann fühle ich mich gleichsam verjüngt; wenn du mich aber

verlässt, bin ich dem Wanken und Fallen nahe. Das sagt mir der Glaube, jener Glaube, den du in mein Herz hineingelegt hast, um meine Schritte zu erleuchten. Bewirke, o mein Gott, dass, wer dich erkennt, die Wahrheit, die Ewigkeit erkenne ... Wer ist dir gleich, o mein Gott! Wer gleicht dir? Du bist ein allmächtiger Gott. Mein Jesus, wahre Liebe, du bist mein Gott.

Jesus, meine Erlösung, dich lobe und preise ich; meine Seele stattet dir vielen Dank ab, er bleibt jedoch sicher zurück hinter den vielen Wohltaten, die du mir erwiesen hast . . . Meine Seele dankt dir, nicht wie sie es sollte, sondern so, wie es diese meine arme und elende Seele vermag . .. Du, o Jesus, nimm mich auf in deiner unendlichen Erbarmung. Ich biete dir Lob und Gebete dar: nimm sie an, damit ich weniger unwürdig sei jenes Geschenkes, das du mir heute morgen machen wolltest. Deine Güte ist es gewesen, die mich erschaffen hat; deine Erbarmung hat mir Erlösung gebracht; deine Geduld hat mich bis heute ertragen.

Du, o Jesus, erwartest mich zur Butze und ich warte auf deine göttliche Eingebung, um anzufangen, ein braves Leben zu führen. O Jesus, meine Seele will dich, sie sehnt sich nach dir . . . und um dich wahrhaft zu lieben» will ich mir gegenwärtig halten deine Leiden, deine Wunden, dein Kreuz, deinen Tod und deine Auferstehung . .. insbesondere deine Himmelfahrt.

Warum war nicht auch ich zugegen, als du auffuhrst zum Himmel? . . . Weshalb konnte ich 

nicht dabei sein und sehen, wie ein beleidigter Gott mit den Sündern verkehrt- ... Du bist davongegangen, mein xxxxx Tröster, indem du alle, die bei dir waren, segnetest,- ich war aber nicht zugegen ... Du erhobst die Hände und eine Wolke trug dich zum Himmel empor. Deine Engel sagten, du werdest wiederkommen; ich habe dich indes nicht mehr gesehen ... Du wirst aber doch zurückkehren, denn du bist . . . mein Leben, meine Stärke, meine Kraft; die Stärke meiner Arme. Komm, o Jesus, und herrsche inmitten meines Herzens.*)

O Herr, was sind doch die Tröstungen der Erde, wenn sie nicht deine Tröstungen wären. Wohlan, Jesus, lass mich deine Stimme vernehmen, nur ein einziges jener Worte, die du mich hören ließest xxx den Wegen der xxxx. Sei gepriesen, Jesus, weil du den Geschöpfen gewissermaßen befohlen hast, mich zu verlassen, damit ich dir Immer naher sei. Du tröstest, du allein verschaffst Trost. Was liegt mir daran, Jesus, dass Ich In der Welt keinen Trost habe- Du allein genügst mir. Was wäre es auch, wenn inan mich verachtete'? Du bist und bleibst der eigentliche Tröster. Haltest du mich da» früher begreifen lassen, dann würde ich mich auch schon deinen Händen übergeben haben. Wenn du eine xxxxx

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so behandelst, wie wirst du erst deine reinen und heiligen Seelen behandeln -

O Jesus, gestalte, dass ich mich ganz an dich anschließe. Ich wusste, dass; du mein einziges Gut bist . . . und doch habe ich mich vor unwürdigen Geschöpfen verneigt. Was hoffte Ich nur- Er- wartete ich vielleicht, fern von dir mehr Reichtum und Reize zu finden- Verzeih mein großes Elend, meine große Bosheit; lasse nicht zu, dass; ich ermüde bei den Umarmungen deiner Liebe. Bei deiner großen Liebe lass bei mir eine solche Undankbarkeit nicht auskommen. Was wäre für mich jener geringe Trost, den ich auf Erden habe, wenn ich der Tröstungen meines Jesu verlustig ginge -

Du allein, Jesus, bist mein Trost, denn du allein vermagst den Stürmen zu gebieten, die sich von Zeit zu Zeit in meinem Herzen erheben; du allein kannst meiner Seele xxxx verleihen. Du allein bist mein Trost; denn bist du auch allein, so vermagst du alles.

 

Im Namen Gottes. Amen.

 

Ruf Rat und Befehl des hochw. Passioniste». pater» Hermann, de» geistlichen Führers der Hemma H-, waren wir besorgt, aus dem Munde der Dtruertn Hotte» selbst alle» zu sammeln, ma» sle Im Lause von mein al» drei Jahren in ihren selir httnflge» Ekstasen vorbrachtr. Da das gute Mädchen bei un» gastfreundliche Ausnahme ge- funden, w-" nn» leicht, abwechselnd ihre Worte 

schriftlich aufzuzeichnen; sie selbst merkte nichts davon» weil sie den Sinnen entrückt war.

Zur Ehre Gottes und aus Liebe zur Wahrheit bezeugen wir, getreu niedergeschrieben zu haben, was wir bei Gemmas Ekstasen vernahmen, ohne unsererseits etwas beizufügen, auszulassen oder zu ändern. Heute nun wurden uns aus der Druckerei die Korrekturbogen dieser Ekstasen vorgelegt, wir haben sie mit unfern eigenhändigen Niederschriften verglichen, die wir vom H. Herausgeber eingefordert hatten; wir erklären und bezeugen, daß wir diese Druckbogen in voller Übereinstimmung gefunden haben mit unserm Manuskripte.

Möge es Gott gefallen, zu bewirken, daß wer immer diese Ekstasen lesen wird, große Erbauung daraus schöpfe und eifriger werde in der Liebe zu jenem teuern Jesus, den Gemma in ihrem Leben so sehr liebte.

In kecke etc.

 

Lucca, 2. Februar 1909.

Cecilia Giannini, Eufemia Giannini

(als Passionistin M. Gemma Maddalena).

 

Viva Gesù! Viva Gemma!